Secretariat gilt als das beste Rennpferd aller Zeiten und hält auch heute, fast 40 Jahre nach seiner aktiven Laufbahn, noch diverse Streckenrekorde. Stories wie diese schreien in Hollywood förmlich nach einer Verfilmung.
Weshalb gerade diese Verfilmung so lange auf sich warten ließ dürfte verschiedenen Umständen geschuldet sein. Zuerst einmal der Tatsache, dass derlei Filme die Zuschauer nicht gerade vor den Kinos Schlange stehen lassen. Im Vergleich zu den wahren Blockbustern kosten sie zwar nur einen Bruchteil von deren Budgets, werfen dabei nahezu immer Gewinn ab, aber das richtig große, schnelle Geld macht man mit solchen Filmen nicht.
Ein weiterer Grund für diese späte Verfilmung dürfte sein, dass die eigentliche Story über das Pferd nicht genug hergibt um daraus einen abendfüllenden und dazu noch unterhaltsamen Spielfilm zu machen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass sich Secretariats Renn-Karriere und Ruf hauptsächlich auf drei Rennen der Saison 1973 begründet. Danach war Schluss.
Um dieses Defizit auszugleichen griff man dann die Ereignisse von Secretariats näherer Umgebung in Form des wahren Schicksals seiner Besitzerin Penny Chenery auf.
Chenery (Diane Lane), die sich nach dem Tod ihrer Mutter um die marode Pferdefarm der Eltern kümmert, braucht dringend Geld um diese am Leben zu erhalten. Im Stall stehen zwei schwangere Stuten, deren Fohlen eine vielversprechende Zukunft als Rennpferde versprechen. Dummerweise gehört eines davon einem Geschäftspartner ihres schwerkranken Vaters, unklar ist nur welches. Entschieden wird dies schließlich durch einen Münzwurf. Penny verliert vordergründig, gewinnt aber genau das Fohlen in das sie die größten Hoffnungen setzt.
Secretariat soll ein erfolgreiches Rennpferd werden um danach Geld mit der Zucht verdienen zu können und die heimatliche Farm zu retten. Bis dahin ist es aber ein langer Weg, denn dazu braucht man einen erfahrenen Trainer, einen Jockey, ein talentiertes Pferd, etwas Glück und vor allem keine weiteren Schicksalsschläge...
Kreuzt man nun diese mit ein paar weiteren Details angereicherte Rahmenhandlung mit dem Kern von Secretariats Ruhm, dann erhält man „Secretariat – Ein Pferd wird zur Legende“ von Regisseur Randall Wallace und hat, falls man einen reinen Pferdesportfilm erwartet, glatt aufs falsche Pferd gesetzt.
Tatsächlich müsste der Streifen gemessen an seinen Handlungsanteilen „Secretariat – Eine Legende saniert die Farm“ heissen, denn die Schilderung von Chenerys finanzieller Situation, den Problemen mit ihrem Mann usw. nimm gut 70% der Spielzeit in Anspruch. Der Rest sind dann die zu erwartenden Pferderennen.
Betrachtet man die Tatsache, dass der Film u.a. von Disney produziert wurde, dann könnte einem im Vorfeld bereits angst und bange werden ob des Umgangs mit dem dramatischen Teil der Story, der Chenerys Sorgen betrifft. Hier kann aber etwas Entwarnung gegeben werden. Die Lebenssituation von Secretariats Besitzerin wird zwar nicht mit aller zur Verfügung stehenden dramaturgischen Tiefe geschildert, aber auch nicht zu sehr bagatellisiert und mit Zuckerguss überzogen wie man es vielleicht erwarten konnte.
Um das Thema Disney weiter zu spinnen, kann man sagen, dass „Secretariat“ in den realitätsnaheren Gefilden der Disney-Weltanschauung angesiedelt ist und auf eine Unmenge an zu erwartendem kindgerechten Unsinn verzichtet.
Die Story ist dadurch auch in ihrer klischeehaften Simplizität und Vorhersehbarkeit immer unterhaltsam und niemals langweilig. Selbst die allesamt wenig vielschichtig angelegten, im Film auftauchenden Charaktere können diesen Eindruck nicht trüben. Sei es der Pferde-Trainer Lucien (John Malkovich) oder die gute Seele der Farm, Miss Ham (Margo Martindale).
Malkovichs Charakter ist zB. nur das dezent schrille (wegen seiner Klamotten) Element im Film, dessen Tätigkeit als eigentlicher Trainer des Pferdes nahezu komplett fehlt, Martindale dessen gute Seele. Beide sind nur stellvertretende Beispiele für alle weiteren Figuren des Films, die alle absolut eindimensional angelegt und dementsprechend gespielt werden.
Auch die Hauptdarstellerin, Diane Lane, sticht daraus nur wenig hervor, aber wenigstens hat ihr das Script etwas mehr „Leben“ eingehaucht in dem ihr Gelegenheit eingeräumt wurde ihre Zerrissenheit zwischen Familie und der Erreichung eines persönlichen Zieles darzustellen, was Lane auch gut gelingt.
Das eigentliche Thema, Secretariat, seine Rennen und Erfolge wird ebenfalls ordentlich bis gut eingefangen, allerdings ohne besonders spektakuläre Schauwerte.
Regisseur Wallace hat mit „Secretariat“ keinen Meilenstein geschaffen, aber immerhin einen Film inszeniert, der trotz seines etwas gemächlichen Tempos und aller Vorhersehbarkeit immer unterhaltsam ist und sich durchaus wohltuend vom ewiggleichen Disney-Einheitsbrei abhebt.
Fazit: „Secretariat“ kann man im positiven Sinne als altmodisch bezeichnen. Hier wird nicht auf bloße optische Reize gesetzt, sondern eine Geschichte erzählt. Die ist zwar nicht unbedingt perfekt oder gar besonders innovativ, wird aber solide und unterhaltsam inszeniert vorgetragen und verfügt zudem über ein Ensemble an Darsteller/innen, die im Rahmen ihrer Rollen zu überzeugen wissen.