Dieser Film konnte so nur 1946 entstehen. Denn nur kurz nach dem Ende des 2.Weltkrieges war Hollywood, dessen Stärke ja schon immer im Ausloten der gerade aktuellen Stimmungen lag, dazu bereit, ein solch realistisches, fast dokumentarisches Werk zu schaffen.
Regisseur William Wyler hatte sich schon 1942 verdient gemacht mit dem Oscar-preisgekrönten "Mrs.Miniver", über eine mutige Frau im Widerstand. Doch der Film entstand natürlich unter dem Diktat der Propaganda, nicht anders als der berühmteste Film dieser Ära "Casablanca" mit Humphrey Bogart. Diese Filme sollten eine positive, optimistische Stimmung verbreiten und die Menschen dazu animieren durchzuhalten im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland. Und eine solche Motivation funktioniert bis heute am Besten mit einem idealistischen Helden, der zur Identifikation einlädt.
So ist es auch nicht erstaunlich, daß Filme wie "Casablanca" noch heute ein Fan-Publikum haben und zu den Kultfilmen zählen, während "Die besten Jahre unseres Lebens" trotz 7 Oscars (plus einem Ehren-Oscar) im Jahr 1947 heute fast vergessen ist. Schon kurze Zeit später war Hollywood wieder umgeschwenkt - die Menschen benötigten wieder Ablenkung, McCarthy lauerte schon an der Ecke und der nächste (Korea-)Krieg deutete sich an - da wollte niemand mehr etwas über das Schicksal von Soldaten nach dem Ende eines Krieges wissen.
Unabhängig von dem kontroversen Thema blieb sich Hollywood in seinen damals üblichen Stilmitteln treu. Wyler erzählt die Geschichte von 3 Soldaten, die nach dem Ende des 2.Weltkrieges wieder nach Hause kommen, geradlinig in konventionellen Schwarz-Weiß-Bildern . Doch der Inhalt und seine detaillierte Umsetzung kann mit den besten Werken des italienischen Neorealismus, die auch nach dem Ende des Krieges entstanden, mithalten.
Im Mittelpunkt stehen die Soldaten Al Stephenson (Fredric March), Fred Derry (Dana Andrews) und Homer Parrish (Harold Russel), die sich auf dem Heimweg zum ersten Mal begegnen und anfreunden.
Der Film beginnt mit dem Versuch der Soldaten, ein Flugzeug zu bekommen, daß sie nach Hause bringt. Doch sie haben schon jegliche Privilegien verloren. Ein Geschäftsmann mit Golftasche, dessen Sekretärin die Karten bestellt hat, bekommt natürlich einen Platz, währen Al Stephenson tagelang auf irgendeine Gelegenheit warten muß. Ein glücklicher Zufall ermöglicht es den Dreien mit einem Kampfflugzeug heim zu fliegen und so lernen sie sich kennen.
Schon in diesen Anfangsszenen spürt man die Anspannung der Soldaten und die Angst davor, wieder nach Hause zu kommen, denn sie werden hier mit dem Schlimmsten konfrontiert, daß sie sich momentan vorstellen können - mit der Normalität. Und genau diese ist der Inhalt in Wylers Meisterwerk, der verwoben mit einer Geschichte über die persönlichen Schicksale der Drei ein dokumentarisches Zeitbild der USA Mitte der 40er Jahre in einer durchschnittlichen Großstadt zeigt, daß in seiner Genauigkeit und Authentizität unübertroffen ist. Er führt uns in Cafes und Bars, in Kaufhäuser und Geschäfte, Banken, normale Wohnungen, Arbeitsplätze und zu den riesigen Flugzeug-Friedhöfen - dazu zeigt er immer wieder Bilder von vielen Menschen auf Bürgersteigen und Plätzen sowie befahrene Straßen und Parkplätze, so daß sich dem Betrachter die Atmosphäre sofort erschließt.
Im Gegensatz zu europäischen Nachkriegsdramen, in denen der Soldat in seine zerstörte Heimat zurückkehrte, wirkt die Situation der drei Soldaten geradezu komfortabel. Sie kehren in eine Welt zurück, die wohlhabend und intakt scheint, doch sie müssen feststellen, daß hinter der glänzenden Fassade vieles brach liegt und vor allem merken sie, daß die eventuellen Verdienste, die sie sich im Krieg erworben haben, keine Rolle mehr spielen.
Zusätzlich macht der Film deutlich, daß sie während des Krieges nur kleine Rädchen waren. Keiner von Ihnen kennt irgendeine bedeutende militärische Persönlichkeit - im Gegenteil - gerade weil sie mittendrin waren hatten sie keinerlei Überblick und wussten nur wenig über wichtige Schlachten ,geschweige denn irgendwelche strategischen Planungen. Eine solch realistische unheroische Betrachtungsweise von amerikanischen Soldaten wurde selten in einem Hollywood-Film gezeigt.
Besonders deutlich wird das an der Figur des gutaussehenden Fred Derry, der es immerhin zum Flieger-Offizier gebracht hatte, der aber im zivilen Leben nur Limonaden-Verkäufer in einer Bar war. Seine mondäne Frau (sehr überzeugend Virginia Mayo), die während seiner Abwesenheit in einer Nachtbar auftrat, schmückt sich zu Beginn noch mit dem ordenbehängten Fliegerhelden, aber als dieser in der Realität immer mehr demontiert wird ,beginnt die Ehe zu kriseln.
Am härtesten hat es Homer getroffen, der beide Hände im Krieg verlor. Harold Russel hatte tatsächlich beide Hände verloren und spielt Homer mit äußerster Authentizität in seiner ersten Rolle. Im wurden anstatt der Hände zwei Stahlhaken an die Arme montiert - damals die modernste Technik - mit denen er äußerst geschickt umgehen kann, was durch einen "normalen" Schauspieler nicht zu lernen gewesen wäre. Der Film erspart dem Zuseher nichts - er zeigt uns seine Abhängigkeit von anderen Menschen, seine Hilflosigkeit ohne die Haken und wie diese abmontiert werden - eine ungeschönt reale Darstellung eines schwerbehinderten Menschen, die den vielen durch den Krieg versehrten Soldaten Mut machen sollte.
Am leichtesten fällt die Wiedereingliederung Al Stephenson. Er hat eine Frau (Myrna Loy), die auf ihn gewartet hat und zwei inzwischen erwachsene Kinder und lebt in einer komfortablen schönen Wohnung. Dazu kann er sofort wieder in seinem Job bei der Bank anfangen. Doch auch er wird schnell mit den Grenzen des "neuen" Lebens konfrontiert. Als er einem ehemaligen Soldaten einen Kredit gewährt, gerät er sofort in die Kritik seines Vorgesetzten - denn für die Banken gelten ausschließlich Sicherheiten und keine soldatischen Verdienste.
William Wyler spart nichts aus - er dokumentiert das Nachkriegs-Amerika als ein Land, daß den Krieg so schnell wie möglich vergessen will und genau deshalb dessen Protagonisten keinerlei Raum mehr gibt. Die ehemaligen Soldaten müssen erfahren, daß jeder daheim gebliebene bessere Chancen hat ,auch weil er sich im Alltagsleben besser auskennt.
Hinzu kommt eine Modernität im Verhalten zwischen Männern und Frauen, welche Amerika und Hollywood in den danach folgenden Jahren wieder komplett opferte. Die Frauen, die jahrelang alleine zurechtkommen mußten ,werden deutlich kompetenter als die Männer beschrieben - sieht man einmal von zeitgenössischen Verhaltensweisen ab, so fällt auf, wie selbstbewußt und unabhängig von der Meinung ihrer Eltern gerade die jungen Frauen hier handeln. In den 50er "Doris-Day-Jahren" war das völlig unmöglich oder wurde bei kurzfristigem "Fehllverhalten" zum Schluß wieder auf das Normalmaß der guten amerikanischen Familie eingerenkt.
Trotz der ausschließlichen Schilderung von alltäglichen Dingen ist der Film sehr unterhaltend. Das liegt zum Einen an den vielen sehr gut gespielten Rollen, zum Anderen auch daran, daß der Film sich sehr auf die Beziehungen der Menschen untereinander konzentriert. Wyler vermeidet dabei jeglichen Kitsch - selten habe ich die Entwicklung einer Beziehung wie zwischen Fred und Al's Tochter so einfühlsam und nachvollziehbar in einem Film gesehen. Natürlich konfrontiert uns der Film mit Gefühlen, die man nicht immer sehen will, gerade in Bezug zu dem behinderten Homer - aber die gezeigte Hilflosigkeit seiner Mitmenschen ihm gegenüber schnürt einem regelrecht den Hals zu und läßt einen das Geschehen körperlich nachempfinden.
Fazit : Singuläres Meisterwerk , daß in einer schonungslosen Offenheit zeigt, wie sehr der "einfache" Soldat nach dem Krieg keine Rolle mehr spielte - eine bis heute zeitlose Thematik.
Wyler schildert die Realität komplex in einer Mischung aus dem Beziehungsgeflecht einer Vielzahl von Menschen, in dessen Zentrum die drei Heimkehrer stehen, und einem dokumentarischen Abbild einer amerikanischen mittleren Großstadt. Er scheut sich nicht vor Gefühlen und dramatischen Situationen, die aber in die Normalität eingebettet sind und deshalb sehr wahrhaftig und nie kitschig wirken. Der grundsätzlich pessimistische Blick auf die Realitäten erhält Hoffnung durch die menschlichen Beziehungen.
Ein Film, den jeder Filmliebhaber gesehen haben sollte - ein politischer und gesellschaftskritischer Film in einer für Hollywood seltenen Konseqenz, dem es gelingt nicht nur informativ zu sein, sondern der auch mitten ins Herz trifft - eine seltene ideale Verbindung zwischen populärem Star-Kino und Anspruch (10/10).