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Eine Arabistikstudentin, die vom französischen Geheimdienst rekrutiert wird; ein Kleindealer, der sich im Knast zum fanatischen Islamisten wandelt; eine Gruppe hochprofessioneller Terroristen in Syrien; und ein Geheimdienstteam, das den nächsten Anschlag dieser Gruppe um jeden Preis verhindern will – all diese Lebenslinien kreuzen sich auf hochdramatische Weise in Paris.

Der französische Spionage- und Terrorismus-Thriller „Secret Defense“ nimmt seinerzeit (und leider auch heute noch) sehr aktuelle Themen wie terroristische Bedrohungen in der westlichen Welt und die schmutzigen Methoden der Industrienationen, um diesen zu begegnen, auf und verarbeitet sie zu einem kurzweiligen, temporeichen, leider aber auch sehr klischeehaften Genre-Reißer.

Die Einleitung fällt noch sehr vielversprechend aus: Eine dynamisch inszenierte Parallelmontage stellt in aller Kürze die wichtigsten Protagonisten vor und endet mit einem ersten Einblick in den Zynismus der Geheimdienste: „Agenten sind keine menschlichen Wesen. Sie sind Waffen.“ Nach dem Vorspann jedoch dauert es nur Minuten, bis der Film seine Schwächen voll ausstellt: Alles läuft eine Spur zu hektisch und übertrieben ab, sowohl inszenatorisch als auch darstellerisch. Die Agierenden bewegen sich überdeutlich, werfen finstere Blicke Richtung Kamera, eilen mit eckigen Bewegungen durch die Gegend und sind auch sonst bemüht, jedem noch so unaufmerksamen Zuschauenden klar zu machen, dass sie ein Geheimnis haben oder sehr durchsetzungsstark sind. Das ermüdet schnell ebenso wie allerhand inhaltliche Klischees, etwa darüber, wie Frauen in arabisch geprägten Ländern sich verhalten können oder dass ein Student mit seiner aufdringlichen, beinahe übergriffigen Methode Erfolg bei seiner Kommilitonin hat.

Je länger der Film läuft, desto klarer wird, dass es ihm in erster Linie um stylishe Inszenierung und hohes erzählerisches Tempo geht und die durchaus emotional starken Themen nur als Kulisse für einen nicht sehr originellen Thriller dienen. Darunter leidet zunehmend die innere Logik der Handlung – von einzelnen Szenen, etwa wenn eine eigentlich professionelle Undercover-Agentin in Sichtweite (!) ihres Zielobjekts telefoniert, obwohl sie meinte, sie gehe auf die Toilette, und natürlich prompt erwischt wird, bis hin zu ganzen Handlungslinien, wenn etwa die finale Verfolgungsjagd nur durch allerlei glückliche Zufälle ermöglicht wird oder am Ende gleich mehrere abstruse Twists über die Identitäten und Beweggründe einiger Agierender einschlagen. Vor allem in diesen letzten zehn, fünfzehn Minuten verliert „Secret Defense“ jeglichen Rest von innerem Zusammenhang, und das nur um des überschaubaren dramatischen Effekts willen.

Das ist auch deshalb schade, weil er inszenatorisch durchaus unterhaltsam und technisch souverän daherkommt. Die Schnittfrequenz ist von Anfang an hoch und erzeugt zusammen mit dem treibenden Spannungsscore ein packendes Tempo, das lange bei der Stange hält; die Kamera agiert dynamisch, aber nicht überfordernd, Bilder, Ausstattung und Settings bleiben auf hohem professionellem Kinoniveau. Hier sieht man von der ersten Sekunde an einen stark inszenierten A-Klasse-Thriller – leider eben nur formal.

Auch darstellerisch sticht hier niemand sonderlich hervor, was aber hauptsächlich am unausgegorenen Drehbuch liegt, das sich eben mehr um dramatische Effekte als um menschliche Schicksale kümmert (weshalb die eine oder andere emotionale Szene dann umso irritierender wirkt) und damit keinen Raum für eine Ausarbeitung der Figuren lässt. Als kurzweiliger, durchaus spannender Thriller kann „Secret Defense“ leidlich unterhalten, wer aber einen tiefgründigeren – oder auch nur logischen und glaubwürdigen – Umgang mit den doch harten Themen sucht, wird hier eher nicht fündig. Seichte Genre-Unterhaltung für zwischendurch.

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