Review

Biutiful

Abseits der Touristenattraktionen und Sehenswürdigkeiten scheint Barcelona ein Umschlagplatz für illegal gestrandete Immigrantenseelen zu sein. Chinesen verdingen sich dabei als Produzenten gefälschter Ware und lassen Landsleute und Afrikaner für sich arbeiten. In diesem Milieu fungiert Uxbal (Javier Bardem) als eine Art Jobvermittler, der dabei für sich selbst Provisionen einstreicht. Kein gebildeter Mann in eher ärmlichen Verhältnissen mit seinen beiden Kindern lebend, schlägt er sich auf diese Weise durch. Eine Krebsdiagnose ändert jedoch alles schlagartig und Uxbal ist fortan bemüht, die vielen verschiedenen Dinge im Leben bereinigt zurückzulassen...
Es fällt schwer, diesen Film nach einer einmaligen Sichtung im Kino in seiner Gänze zu erfassen und zu beschreiben, denn er schneidet  sehr vielfältige Themen an, politischer, menschlicher wie spiritueller Natur und weiß diese größtenteils wunderbar in Einklang miteinander zu bringen und dabei ein intensives Drama vom Leben und Überleben zu erzählen. Politisch mit Hinblick auf die Migrationsprobleme in der EU und dem harten Leben, dem sich die Gestrandeten  gegenübersehen. Menschlich im Bezug auf Uxbals liebevolle und verantwortungsbewusste Fürsorge für seine Kinder, trotz der widrigen Umstände, und sein Verhältnis zu seiner seelisch kranken Ex-Frau. Spirituell, weil Uxbal die Gabe besitzt, mit dem Jenseits in Kontakt zu treten. Nach "Hereafter" von Clint Eastwood ist das also schon der zweite Film binnen kürzerer Zeit, in dem die zentrale Filmfigur genau diese Gabe hat. Jedoch wird sie hier zu keinem Zeitpunkt in den Mittelpunkt der Geschichte gerückt, erscheint sogar fast grundlos nebensächlich, bietet aber in gewisser Weise eine Klammer zu einem weiteren zentralen Thema des Filmes: Dem bevorstehenden Tod. Mit diesem im Rücken durchwandert Javier Bardem rastlos und mit scheinbar endloser Traurigkeit den Film, im Versuch, die Dinge zu richten, während sich die Schicksalsschläge nur so weiter auftürmen. Inarritu bleibt dabei immer auf seinen großartig aufspielenden Hauptdarsteller fokussiert und findet dabei selbst im allergrößten Elend der Metropole Barcelona noch vereinzelt wunderschöne Bilder, die die harte Realität in gewisser Weise mit der bevorstehenden Transzendenz der Seele kontrastieren. Inhaltlich wird das Drama natürlich ganz groß geschrieben, doch allein Bardem lässt einen die gesamte Spielzeit mit seiner Figur Uxbal mitfiebern und auf Erlösung hoffen, seine Leistung ist wirklich alle Lobhudelei wert. "Biutiful" reiht sich direkt in das Werk von Alejandro Gonzales Inarritu ein und beleuchtet einmal mehr den vom Schicksal hart getroffenen Menschen. Dank einer wie immer gelungenen Regie und dem famosen Javier Bardem ist auch dieser Film wieder emotional schwerere, aber nach wie vor sehr sehenswerte Kost.

8/10

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