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William H. Macy spielt einen, in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Autohändler, der zwei Gangster, gespielt von Steve Buscemi und Peter Stormare, anheuert, damit sie seine Frau entführen und er von seinem reichen Schwiegervater Lösegeld erpressen kann. Da sich die beiden Gangster bei der Geiselnahme nicht gerade clever verhalten, richten sie schließlich ein blutiges Chaos an und rufen eine schwangere Polizistin, gespielt von Frances McDormand auf den Plan.

Neben Tim Burton und Quentin Tarantino gibt es kaum Regisseure, deren Handschrift so eindeutig zu erkennen ist, wie bei Joel und Ethan Coen. Mit dieser herrlich skurrilen Art schufen sie Meisterwerke und Kultfilme wie "The Big Lebowski", "Der unauffällige Mr. Crane" und "Blood Simple", bis sie schließlich mit "No Country for old Man" endlich mehrere Oscars abräumten und endgültig in die Rige der besten Regisseure der Welt kamen. "Fargo - Blutiger Schnee" gefällt mir persönlich aber bei Weitem nicht so gut, wie die anderen Filme der Coen-Brüder, da er einfach zu skurril geworden ist und so kein großer Spannungsbogen erreicht werden kann, den die Handlung durchaus zugelassen hätte. Das Erzähltempo halten die Brüder zwar genau richtig, da sie sich aber zunehmend auf Nebenschauplätzen verirren und mit ihren skurrilen Einfällen die Handlung stellenweise ausbremsen ist der Spannungsbogen eher mäßig. Auch wenn der Blick für Land und Leute der Coens sicherlich nicht schlecht ist, zumal sie selbst aus der Gegend stammen, und sie die verschiedenen Figuren, besonders die schwangere Polizistin überaus sympathisch darstellen und auch die eisige Kulisse perfekt in Szene setzten, hat er mich alles in allem nicht sonderlich gut unterhalten können. Humor ist sowieso Geschmacksache und in diesem Film konnte mir auch der schwarze Humor der Coens nicht zusagen, zumal er dann doch zu bizarr ist. Es gibt ein paar blutige Stellen und teilweise gelingt es den Brüdern auch eine gespannte Atmosphäre aufzubauen, aber über einen soliden Unterhaltungswert kommt der Film meiner Meinung nach nicht hinaus.

Die Story, die ebenfalls aus der Feder der Coens stammt, ist sehr stark und kompensiert einen Teil der, in meinen Augen zu skurril geratenen Inszenierung. Es gibt einige unvorhersehbare Wendungen und damit die eine oder andere Überraschung und mit der gelungenen Charakterkonstruktion, die alle Figuren sehr liebenswert darstellt, ist sie wirklich gut gelungenen und die Coen-Brüder haben sich ihren Drehbuch-Oscar sicherlich verdient. Die Handlung enthält weder Klischees, noch Stereotypen und auch wenn sie stellenweise relativ skurril wird und damit teilweise weniger mehr gewesen wäre, macht sie allein den Film dann doch recht schmackhaft.

Darstellerisch gibt es an "Fargo" definitiv überhaupt nichts auszusetzen, da der gesamte Cast voll und ganz überzeugen kann. Nach ihrer starken Leistung in "Mississippi Burning" konnte Frances McDormand, die schon in "Blood Simple" unter der Regie der Coen-Brüder spielte, endlich ihren Oscar entgegennehmen und für diese überzeugende und sympathische Darstellung der schwangeren Polizistin hat sie diesen voll und ganz verdient. Ich habe wirklich selten Darsteller gesehen, die dermaßen sympathisch aufgetreten sind und damit passt sie perfekt in ihre Rolle und in den Film, in dem einige liebenswerte und naive Dorfbewohner auftauchen. Nach ein paar Nebenrollen und seiner Zeit bei "Emergency Room" war "Fargo" schließlich der Durchbruch für William H. Macy, der später unter anderem mit "The Cooler" und "Jurassic Park 3" in Erscheinung treten konnte und auch er spielt seinen leicht verstreuten Charakter, der mit der Situation überhaupt nicht zurecht kommt, überzeugend. Steve Buscemi und Peter Stormare, die beide später in "The Big Lebowski" erneut in einem Film der Coen-Brüder zu sehen waren, sind ebenfalls gut und überzeugen als ungeschickte und unprofessionelle Killer.

Fazit:
Mit einem starken Cast und einer guten und innovativen Story ist "Fargo - Blutiger Schnee" ein solider Thriller, der aufgrund seiner übertrieben skurrilen Inszenierung kaum Spannung und Dramatik aufbauen kann. Der schräge Humor der Coen-Brüder ist dabei Geschmackssache und mir gefällt er nicht.

57%

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