Review

Das ist er also, der ach so kultige Kracher aus den 90ern „Fargo“. Was ich alles über diesen Film gelesen und gehört habe, doch ich kam erst jetzt dazu diesen „Pulp Fiction“ Verschnitt von den Coen-Brüdern zu sehen. Und ganz ehrlich, der war eher ein laues Lüftchen als ein orkanartiger Wirbelsturm.

Es dreht sich auch in Fargo alles um eine Entführungsstory. Bereits in einen meiner Lieblingsfilme „The Big Lebowski“ wurde diese Thematik von den Coen´s wenige Jahre später wiederverwendet, jedoch viel spaßiger und weitaus besser besetzt. Was nicht heißen soll, dass in Fargo nur „No Names“ spielen, doch leider ist das schauspielerische Können teils sehr „durchwachsen“.

Während die Kleinganoven in Person von Steve Buscemi und Peter Stormare regelrecht aufdrehen und grandiose Charaktere darstellen, so bleibt Frances McDormand unheimlich farblos und einfach langweilig. Umso bedauerlicher das das Gangsterduo am Ende eher eine Nebenrolle einnimmt. So sind es doch die beiden Spinner die noch für die größten Lacher hier sorgen. Buscemi mit angeschossenem Gesicht, selbiger wird durch einen verärgerten KFZ-Mechaniker durch die Wohnung geschleudert und Stormare´s Kurzschlussreaktionen sind ebenso schockierend wie brüllend komisch.

Macy macht auch einen guten Job, spielt aber auch nicht die Rolle seines Lebens. Er rattert den Part des nervösen Autoverkäufers routiniert ab. Doch leider nimmt auch sein Charakter ein furchtbar unspektakuläres Ende, ähnlich den beiden Gangstern. Der Rest der Schauspielriege bleibt matt und farblos und die „Brainerd´s“ würde man am liebsten vermöbeln. Allein schon was die Tatsache angeht, einer Polizistin im 7-Monat eine Mordserie aufklären zu lassen. Während die ähnlich debilen Nihilisten in „The Big Lebowski“ noch lustig waren, ist das hier einfach zu flach.

Und da kommen wir geradewegs zum nächsten Problem. Die Gags sucht man hier leider mit einer gigantischen Lupe. Aber ist ja bekanntlich Geschmacksache in diesem Fall. Einige finden es sicher lustig einen sockenbezogenen Fuß aus einer Schredderanlage rausgucken zu sehen. Ich stehe eher auf den „Chinamann-Humor“ aus Lebowski. Damals machte Michael J. Fox in „ZIDZ“ und „Teen Wolf“ den Ausdruck „Jesus Christ“ salonfähig. Ähnliches wird hier mit einem debilen Slang ebenso versucht. „Jeezus“ geht dem Zuschauer spätestens auf den Wecker, wenn er verkrampft versucht in dem Film noch ein winziges Staubkörnchen an „Kultness“ zu finden.

Die Story ist eigentlich das größte Problem. Den ganzen Film über plätschert diese nur daher. Spannung ist Fehlanzeige, und so ist die Entführungsgeschichte nach der Zeit einfach Käse. Viel zu sehr, befassen sich die Coen´s mit unheimlich langweiligen Nebensächlichkeiten. Was in Tarantino´s „Pulp Fiction“ so klappte (und dem Film zu dem machte was er heute ist) geht hier so baden. Keine denkwürdigen Dialoge, ja noch nicht mal gute oder zumindest unterhaltsame. Auch die oben beschriebenen Kurzschlussreaktionen sind sehr PF-lastig aber im Vergleich leider nicht besonders überraschend. Dennoch reichte dieser zusammengewürfelte Misch-Masch um als KULT bezeichnet zu werden.

Auch Action sucht man vergeblich. Alles in allem, ist die Story einfach zu unausgegoren und viel zu unspektakulär. So muss man vielleicht schon dankbar sein, dass dieses Filmchen nur 95 Minuten geht. Aus der Story wurde einfach zu wenig rausgeholt und dabei sind einige Einfälle und kuriose Szenen dabei. Diese sind aber viel zu rar gesät. Auch bei mehrmaligen Ansehen bleibt diese stumpfe „Kultsocke“ ohne Biss und ohne großen Wiedererkennungswert. Dies zeigt mir aber auch wieder, dass Mundpropaganda und ein interessanter Trailer, keinen guten Film ausmachen.

Fazit: Im Vergleich zu „Pulp Fiction“ dem Lebowski und anderen Konsorten, stinkt diese hier regelrecht ab. Die lahmen Dialoge und der zutiefst langweiligen Schauspielleistung von McDormand dem faden Macy wird leider zu viel Beachtung geschenkt. So sind es doch die beiden Kleinganoven und nicht zu vergessen Shep, die hier den Ton angeben, aber leider nur eine Nebenrolle spielen. Auch der Showdown ist unspektakulär und einfach zum vergessen. So bleibt zu sagen, dass Fargo ein total überschätzter Kultmurks der 90er ist. Aber welcher Regisseur hat sich damals und heute nicht von Tarantino beeindrucken lassen, um einen angehenden Kultfilm zu drehen?

Kurzfazit: Überbewertete Gurke die zum einschlafen anregt!

PS: Und wer wirklich mal Hollywood abseits des Mainstreams sehen will, der sollte sich unbedingt „Fight Club“ geben. Das ist übrigens ein Vertreter, der das Prädikat „Kult“ verdient hat.

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