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"Auf High Heels aus der Wirtschaftskrise"

Der spritzige Mix aus Glamour, Sex und bissigen Zweideutigkeiten war schon 2008 ein blubbernder Erfolgscocktail, der die Frauenwelt in Scharen in die Lichtspielhäuser trieb. Die Kinoversion von Sex and the city pulverisierte sämtliche Genre-Startrekorde und etablierte die allerorten veranstalteten Ladies Nights endgültig als überaus lukrative Einnahmequelle. Nach zwei Jahren war es nun mehr als an der Zeit ein neues Modell dieses Bestsellers auf die globalen Zelluloid-Laufstege zu schicken. Und die glitzernde Marke zieht offenbar nach wie vor prächtig. Alles deutet darauf hin, dass der zweite Leinwandauftritt der vier New Yorker Life Style-Damen seiner unverhohlenen Kapitalismusbotschaft erneut alle Ehre machen wird. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise kann diese „Konsum ist sexy"-Attitüde ja nun auch wirklich nicht schaden.

Sex and the city 2 setzt genau hier an und verfrachtet die vier Glamour-Ladies ins steinreiche Emirat Abu Dhabi. Samantha soll dort ein Nobelhotel promoten und hat als Gegenleistung eine Woche Luxusurlaub für sich und ihre drei Freundinnen ausgehandelt. Unabhängig vom zu erwartenden Konsumrausch kommt dieser Tapetenwechsel dem lebenslustigen Quartett äußerst gelegen. Zwar hat High Society Kolumnistin Carrie Bradshaw endlich ihren Traumprinzen gefunden, vor den Tücken des schnöden Ehealltags hat sie dieser Glücksgriff allerdings nicht bewahrt. Mr. Big macht es sich lieber auf dem teuren Designersofa mit wechselndem Take away-Essen gemütlich, anstatt Carrie wie früher in die angesagtesten Fresstempel der Stadt auszuführen. Zum Hochzeitstag gibt es nicht die ersehnten Klunker von der Fifth Avenue, sondern einen Flatscreen vom Elektrohändler fürs Schlafzimmer. Charlotte ist familienplanerisch schon einen Schritt weiter und hat deswegen ganz andere Sorgen. Trotz beherzt zupackender Vollzeit-Nanny treibt sie die Aufzucht ihrer beiden Kinder immer häufiger in die Speisekammer und letztendlich in den Wahnsinn. Miranda hat auch diese Phase schon gemeistert, muss nun aber feststellen, dass Gleichberechtigung im Berufsleben nach wie vor keine Selbstverständlichkeit ist.

Was im ersten Kinofilm überflüssig und deplaziert wirkte, ist eine Stärke des Sequels: der Schauplatzwechsel. Anders als beim schlecht geschriebenen und wenig aufregenden Mexikotrip, ist die Wohlfühlwoche in den Vereinigten Arabischen Emiraten genau die richtige Frischzellenkur sowohl für die vier Freundinnen, wie auch ihre Fangemeinde. Die Abu Dhabi-Episode bietet verschwenderischen Luxus in exotischer Umgebung und gleichzeitig eine willkommene Auszeit von etablierten Beziehungsstrukturen inklusive zahlreicher Gelegenheiten zum angeregten Plausch über „Mann und die Welt". Die vier Damen genießen dann auch das Leben in der orientalischen Jet Set-City in vollen Zügen, jeweils rundum versorgt mit eigenem 24-Stunden-Butler, eigener Maybach-Limousine und eigener Hotelbar.
Neben der „City" gibt es aber auch noch den „Sex" und der führt wie gehabt zu allerlei Zwischenfällen, Problemen und Krisen. Zumal sich der einheimische Moralkodex so gar nicht mit den Vorstellungen und Lebensphilosophien der vier sündigen New Yorkerinnen vertragen will. Vor allem der männermordenden Samantha sind die patriarchalischen Sitten des Gastgerberlandes ein Dorn im Auge.

Das „She-quel" kommt trotz einer erneut enormen Lauflänge von 145 Minuten insgesamt einen Tick lockerer, pointenreicher und spritziger daher als der Vorgänger und trifft damit auch besser Geist und Ton der TV-Serie. So gibt es durchaus mal den ein oder anderen Treffer unter der Gürtellinie zu vermelden und auch die Bissigkeitsgehalt hat spürbar zugenommen. Der episodische Charakter der Fernsehvorlage wurde diesmal konsequenter auf die große Leinwand übertragen und sorgt dank witziger Einfälle und kurioser Situationen für dauernde Abwechslung und durchgängig launige Unterhaltung. Das ist auch dringend nötig um die dünne Rahmen-Geschichte zu übertünchen und von der Tatsache abzulenken, dass im Kern nichts Neues erzählt wird. Allerdings ist bei erfolgreichen Produkten die Verpackung meist mehr als die halbe Miete, eine Kapitalismusregel die hier mal wieder eindrucksvoll belegt wird.

Die Hauptzielgruppe wurde jedenfalls perfekt analysiert und wird mit dem Ergebnis bestimmt hochzufrieden sein. Beinahe jede Frau jenseits der 30 dürfte sich in der ein oder anderen Episode wiederfinden und dank der liebevoll-ironischen Aufbereitung typischer Problemfelder auch über sich selbst lachen können. Sei es die eheliche Tretmine eines Sexbombenkindermädchens, oder der verlustreiche Kampf gegen das Älterwerden mit einem riesigen Arsenal an Vitaminpräparaten, stets wird das Ganze letztendlich augenzwinkernd und fluffig-beschwingt serviert. Das gilt auch für den Culture-Clash der zwar durchaus bösartige Seitenhiebe enthält und sich relativ wenig um politische Korrektheit schert, aber dennoch nie polemisch oder mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt. Der in diesem Zusammenhang teilweise zu lesende Rassismusvorwurf ist lächerlich und missversteht und überinterpretiert das Gezeigte gründlich.

Man kann das Ganze natürlich als oberflächlich, substanzlos und überkonstruiert abkanzeln, verkennt dabei aber, dass Sex and the City nie als tiefenpsychologisches Drama um gängige Lebens- und Liebesprobleme des weiblichen Geschlechts konzipiert war. Zumindest bewegt man sich hier keinesfalls in den klebrigen Bahnen zahlreicher Kinoromanzen, die in erster Linie naive Kleinmädchenphantasien bedienen. Kitsch und Konservativismus sind jedenfalls keine gängigen Zutaten im Sex and the city-Menü, wer sich allerdings bei Ironie und Übertreibung verschluckt, der sollte vielleicht doch was anderes probieren.

Will man schließlich doch ein Haar in der schmackhaften Suppe finden, dann bietet sich die den Film eröffnende Schwulenhochzeit zwischen Stanford und Anthony an. Hier will das Stilmittel der Übertreibung so gar nicht funktionieren. Echte Schwäne, ein Chippendales-ähnlicher Männerchor und ein seltsam maskenhafter Auftritt Liza Minnellis wirken mehr befremdlich als komisch und lassen den Film nur stotternd in die Gänge kommen. Auf diesen schwachen Auftakt, der mit etwa 15 Minuten auch deutlich zu lang geraten ist, hätte man getrost verzichten können.

Fazit:
Auch der zweite Kinoableger des TV-Schlagers Sex in the city wird die vornehmlich weibliche Fanschar jenseits der Pubertät nicht enttäuschen. In Sachen Glamour, Wortwitz, Bissigkeit und freizügiger Oneliner war sogar noch eine sanfte Steigerung drin, wobei auch diesmal Derbheit, Bösartigkeit und Zynismus der Fernsehserie nicht erreicht werden. Auch die eigentliche Handlung ist erneut eher dürftig ausgefallen, der überkandidelte Auftakt darf gar als misslungen gewertet werden.
Anders der Schauplatzwechsel. Die titelgebende Glitzermetropole New York wurde größtenteils durch Abu Dhabi ersetzt, was erstaunlich gut funktioniert. Schließlich bietet der Zusammenprall enthemmten Konsum- und Sexualverhaltens mit muslimisch-arabischen Moralvorstellungen und Gebräuchen allerlei situationskomisches Konfliktpotential. Des weiteren wird damit wieder die eigentliche Frauenfreundschaft der vier selbstbewussten Jet Set-Damen in den Mittelpunkt gerückt, immerhin ein wesentliches Kriterium der Serie das am Schauplatz NYC durch diverse feste Beziehungen vermehrt ins Hintertreffen zu geraten schien.
Für einen möglichen dritten Teil wird das glitzernde Eis zwar langsam merklich dünn - schließlich haben die Ladies in Sachen Beziehungen und Familie schon so ziemlich jede denkbare Variation durch. Eine auf dem Markt dermaßen etablierte Marke dürfte mit einer edlen Verpackung und einer geschickten Promotion aber auch diesen Störfaktor vom Catwalk fegen.

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