Review

Alles soll ja im Film immer ein gutes Ende nehmen, wenn es denn mal enden würde.
Im Falle von "Sex in the City" war das nach dem ersten Kinofilm allerdings nicht wirklich zu erwarten - angesichts des weltweiten Erfolgs als animierter Versandhauskatalog im Boulevardstyle, der wirklich feminin-perfektioniert daherkam. Nur die Animositäten der Hauptdarsteller hätte das auslösen können, aber ein Scheck heilt alle Wunden, insofern findet sich selbst nach der Beziehungsfindung, bzw. der Findung des wahren Willens in Sachen Beziehung immer noch ein Anknüpfpunkt, um eine Geschichte weiter zu schreiben. Und so geschah es.

Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda sind also zurück - und wenn man aus erzählerischer Perspektive dabei etwas wirklich loben möchte, dann die Fokussierung auf das fortgeschrittene Alter der Darstellerinnen im wahren Leben und in der Geschichte - künstliches Jungerhalten wurde zum Glück thematisiert, nicht unterstellt.
Also geht alles darum, daß man so langsam in die Jahre kommt, in die Menopause, in die Beziehungslangeweile, in den Mütterstress und in einen bemühten, aber kaum ausformulierten Konflikt zwischen Ehe und Beruf (Cynthia Nixon leidet am meisten unter dem relativen Realismus ihrer Figur). Das ist erfrischend folgerichtig, aber damit endet es auch schon, was den Inhalt einer weiteren mehr als zweistündigen Folge der Serie angeht.
Hatte der erste Film sich noch bemüht, eine redundante, aber nette Seitenvariante mit einer persönlichen Assistentin (gespielt von der Oscarpreisträgerin Jennifer Hudson, die sich unter Wert verkaufte) einzuführen, ist hier Totalverzicht angesagt. Die Probleme werden im Plot nicht mehr aus-, sondern nur noch vorgetragen, um einen Vorwand für das erneute Bombardement mit Luxusartikeln, schicker bis schriller Mode und angesagter Kinkerlitzchen als Drumherum, das den Film finanziert und das Publikum fasziniert.

Das ist schade, denn so bemüht langgezogen der Plot im ersten Film war, irgendwie war es immer noch eine Handlung, während hier die Problematik nur ein Auslöser ist, um nach einer knappen Dreiviertelstunde die vier Frauen in einen endlosen Tourismuswerbespot für die arabischen Emirate zu schicken, wo sie in mega-hyper-luxuriöser Umgebung noch mehr davon ablenken können, daß die Darstellerinnen in Nahaufnahmen nun wirklich nicht mehr die Jüngsten sind.
Sarah Jessica Parker litt schon in der Serie darunter, daß ihr leicht knochiger Typ ihre erreichten 40 Jahre längst nicht mehr kaschieren konnte (an Händen und Hals), Kim Cattralls menopausierende Offenheit konkurrierte offenherzig mit ihrem biologisch wahren Alter, daß noch 10 Jahre später lag und selbst Cynthia Nixon, die sowieso nicht als Schönheit engagiert war, variiert das Ausgezehrtsein und die Augenringe nurmehr.
Ergo dürfen die vier über eine Stunde in fototapetenreifen Umgebung herumscharwenzeln, Carrie ihre alte Flamme Aidan treffen (John Corbetts Cameo wird folgenarm verschwendet); die Mütter sich mal angeschickert ausheulen und Kim Catrall chargiert als vom Verlust der künstlichen Hormone und Schönheitsmittelchen gepeinigte läufige Nymphomanin mit Hitzewallungen.

Das Witzige daran ist jedoch das weibliche Publikum, dem gerade das als witzige Vergröbung wichtiger Realitäten im Leben einer Frau vorkommt und es als ausreichenden Handlungsgrund nimmt, um gefühlvoll darüber zu fabulieren - der totalen Realitätsferne und Albernheit wird eigenständig so viel eigene Realität injiziert, um es erträglich bis amüsant zu machen, während man angesichts der wilden Designereien in Sachen arabisch-erträglicher Wallewalle-Verhüllungsfetzen und Sari-Waris schon wieder in ekstatische Verzückung gerät (das soll keine Kritik sein, Männer verhalten sich mit ansteigenden Kalibergrößen in Actionfilmen ja ähnlich...).
Das Publikum (weiblich) darf sich also seinen eigenen Film daraus machen und wer sowieso nur Schauwerte sehen will, kommt auch hier wieder voll auf seine Kosten, sei es nun im Prunk von Abu Dhabi (es gibt in dieser Welt keine negativen Eigenschaften, allein die Prüdigkeit der rückständigen Araber kann westlichen Frauen den Spaß und den Genuß verderben) oder auf einer enorm übertriebenen schwulen Märchenhochzeit, bei der eine durch Suff und Drogen ausgezehrte Liza Minelli gegen das Vergessen antanzt.

So kommt man dann zu dem erforderlich-erwünschten simplen Schluß: man einige sich auf einen guten Chef, feiere die gut gebaute Nanny, sofern sie denn Lesbe ist; erfreue sich am Vögeln, solange die Pharmaindustrie jede Menge Mittel zum Kaschieren und Am-Laufen-Halten präsentiert und bemühe sich gegenseitig ein bißchen in der eingeschlummerten Beziehung, das ist so dünn wie illusorisch - insofern der Stoff aus dem die Träume sind.
Es ist ein bißchen schade, daß dieser Film zu sehr den Fokus auf Carrie legt und Miranda zur intellektuellen Stichwortgeberin, Charlotte zur nicht lebensfähigen Barbie (nicht ohne Nanny heißt das) und Samantha zur dampfenden Karikatur reduziert werden und das Frauenbild nicht eben gut dabei weg kommt, das hier transportiert wird, aber genau das will die Zielgruppe sehen: dort will man hin, den Tand will man auch haben, die Kohle ebenso, diesen Mann sowieso - nur würde man den Rest als welterfahrene Angstellte, Arbeiterin, Hausfrau viel besser machen.

Dennoch ist das, außer man legt den Fokus nur auf die Ausstattung, ein wenig dünner und blasser als beim ersten Durchlauf, zu penetrant die dauernde Modenschau, zu vorhersagbar die Witze, zu abgedroschen die Wendungen, zu klein und zu wenig ausgearbeitet der Konflikt.
Angesichts eigener Erfahrungen kann ich behaupten: die Fans stört das hinten wie vorn nicht, als (männlichen) Fan der Serie muß an der erzählerisch langsam kritischen Blutarmut aber für einen finalen dritten Film noch mal geschraubt werden. Denn Sex, Witz und das Geschlechtermiteinander, die kommen hier leider etwas zu kurz oder zu flach auf. Aber ich bin ja auch mehr der normale Zuschauer - ohne Boulevardmagazin, Gala-Abo und Dior-Vip-Card. (4/10)

Details
Ähnliche Filme