Review

Nein, einen Originalitätspreis werden Pierre Coffin und Chris Renaud mit ihrem Animationsdebüt "Ich - einfach unverbesserlich" für Universal Pictures wohl nicht gewinnen, dazu hecheln sie zu sehr den Pixarschen Vorbildern hinterher und dazu ist die Geschichte jetzt auch nicht wirklich innovativ, aber man kann auch aus bekannteren Versatzstücken einen rundum unterhaltsamen Film zaubern und das ist ihnen dann doch gelungen.

Tatsächlich lieferten sie und ihr Team sich einen thematischen Wettlauf gegen die Animationsabteilung von Paramount und Dreamworks, die eine ähnliche Superheldenverhackstückung mit "Megamind" in der Mache hatten. Zum Glück unterschieden sich die Filme, die auf Superschurken fokussieren dann doch genügend, um beide unterhaltsam zu geraten, aber wo Dreamworks teilweise technisch feiner und optisch gerundeter agierte, setzte man bei "Ich" dann doch auf die eher jugendliche Zielgruppe und stellte drei niedliche Kinder neben eine Armee von vor sich hinnuschelnden tolpatschigen Schurkengehilfen, den Minions, deren Eskapaden, Unfälle, Scherze und Maskeraden die eher hausbackene Hauptstory immer wieder fröhlich in den Hintergrund drängten.

Der Kern des Plots ist recht angejahrt: der böse Mann, der für seinen furchtbaren großen Masterplan drei kleine Kinder aus niederen Beweggründen adoptiert und dessen Herz sich nach und nach für die Kleinen erwärmt, das ist sowohl klassisches Material als auch universell funktionabel.
Erzschurke Gru ist etwas aus dem Takt geraten, verbrät für seine bösen Pläne zuviel Geld und muß tatenlos mitansehen, wie ihm die jüngere (und penetrantere) Generation das Wasser abgräbt. Technonerd und Trainingsanzugträger Vector (in der deutschen Fassung geradezu unangenehm passend von Jan Delay synchronisiert) hat nämlich gerade die Cheops-Pyramide geklaut, die jetzt (seltsamerweise unbemerkt) auf seinem Grundstück steht. Genauso befindet sich in seinem Haus ein Schrumpfstrahler, den Gru braucht, um den Mond zu schrumpfen und so zu stehlen. Um in das Haus zu gelangen, will er sich der Keksverkaufskünste dreier kleiner Mädchen aus dem Waisenhaus bedienen, die nicht nur ziemlich desillusioniert daherkommen, sondern auch mit allen Wassern gewaschen sind. Dennoch wollen sie wie alle Filmkinder dieser Couleur natürlich nur eine Familie und Gru sieht sich wachsenden Herausforderungen gestellt, die kleine Kinder nun mal so mit sich bringen.

Aus diesen Gegensätzen destilliert die Story relativ vorhersagbaren Humor, aber den eben mit Charme und Verve. Bösartige Waffen und Gimmick, extreme Übertreibungen, Parodien auf Bond und Superhelden - dann trifft der Kleinkindercharme auf das Hauptquartier des Bösen, wo alles eckig, spitz und gefährlich ist. Und bald ist alles weich, bunt und ziemlich laut.
Wann immer der schmale Plot hakt, springen die Minions ein, die wie gelbe Tic-Tacs mit Latzhosen aussehen und ungefähr genauso nützlich sind, wenn man sie nicht stetig kontrolliert. Die kleinen Chaoten sind absolutes Dynamit für die jüngeren und jüngsten Zuschauer, funktionieren aber auch bei Erwachsenen, obwohl die Beziehung zwischen dem dämonisch-spitzen Gru (den Oliver Rohrbeck auch noch mit einem russischen Akzent verziert) und den winzigen Kindern durchaus auch ihre Meriten hat.

Ecken und Kanten wird man hier kaum finden, "Despicable Me" ist einfach ein leichter und kunterbunter Spaß für Jüngere und Junggebliebene, der die üblichen Tretfallen (Held, Heldin, Schurke, Sidekick) vermeidet oder auf den Kopf stellt und sich dabei selbst genug ist. Sicher ist "Megamind" ein bißchen intelligenter und gewitzter ausgefallen, wenn es darum ging, die Superschurken zu dekonstruieren und zu parodieren, aber "Ich - einfach unverbesserlich" ist dafür weniger angestrengt und von leichterer Hand zusammen gerührt.
Und weil er dabei so unaufdringlich agiert, wird er vermutlich zeitlos auf Kinderpartys seine Runden machen, wenn man endlich mal alle Kleinen an einem Platz versammeln will. (8/10)

Details