Review

Ach, die ganzen Filme über Helden. Sie retten die Welt, die Menschheit und bekämpfen Superschurken. Über Letztere gibt es einfach zu wenig und so schickte sich das Studio Illumination an, diese unterrepräsentierte Gattung an Figuren ins Rampenlicht zu holen. Im Ergebnis folgt man dem Schurken Gru bei seinem Tagwerk – und dieses beinhaltet alles von kleinen Gaunereien bis zu der Ausführung großer Missetaten. Doch wird er von einem jüngeren Bösewicht medienwirksam übertrumpft und so plant er einen neuen Coup. Den Mond will er stehlen, um wieder die Nummer eins unter den Schurken zu werden. Dabei kommen ihm drei Waisenmädchen gerade gelegen, die er in seinen Plan einbeziehen will.

Dass diese drei kleinen Damen das Vorhaben und den Charakter von Gru mit der Zeit auf den Kopf stellen, ist nun keine Überraschung. Dramaturgisch ist der von Pierre Coffin und Chris Renaud inszenierte Animationsfilm recht vorhersehbar und verläuft nach Schema F, das übliche Auf und Ab ist vorhanden. Den Unterschied macht, wie dies erzählt wird. 
Das Figurendesign hat hieran einen großen Anteil, sind die Charaktere doch recht sympathisch geraten. Denn trotz seiner Profession taugt Gru als Identifikationsfigur. Klar ist er ein Schurke, aber nie zu böse, sodass man ihn leicht gernhaben kann. Sein Witz geschieht in der Regel nicht von ihm beabsichtigt, sondern aus seiner Existenz und Rolle heraus, Steve Carells Stimme ist hierbei ein nicht zu unterschätzender Baustein. Dass man der Figur noch etwas Hintergrundgeschichte mitsamt einem Antrieb aus Kindheitstagen verpasst ist eine nette Idee.
Die drei Kleinen haben den Vorteil, dass sie entgegen der gängigen Praxis nicht nerven, sondern tatsächlich herzig sind. Das funktioniert auf dieser Ebene hier tatsächlich besser als bei vielen gleichartig erzählten Konstrukten. Die Annäherung zwischen ihnen und Gru erfolgt nicht zu vordergründig, sie verteilt sich gut über die Laufzeit und bleibt so angenehm unaufdringlich und dennoch nahbar.
Dazu beherbergt Gru noch eine Armada an Helferlein, den Minions. Und hier sind sie noch gelungenes Beiwerk, weit entfernt von dem anstrengenden Dauereinsatz der späteren (auch eigenen) Filme. Die kleinen Erfüllungsgehilfen leben und arbeiten in einem lächerlich großen Komplex unterhalb von Grus Anwesen und sind immer wieder für witzige Einlagen gut. Oder als Knicklicht. In ihrer Nähe trifft man auch öfters den ebenfalls zu Grus Truppe gehörenden Dr. Nefario, der allerlei Kram für den Superschurken bastelt. Zudem gibt es mit Vector einen unterhaltsam-nerdigen Konkurrenten, der sich alleine schon durch dadurch qualifiziert, wie er eine Pyramide im Garten versteckt.

Was zum Humor führt, der hier elementar ist und mit einer hohen Trefferquote glänzt. Dabei bemüht sich „Despicable Me“ nicht um ein Dauerfeuer, sondern sucht sich immer passende Gelegenheiten, die sich ob des Genres und Szenarios wiederholt bieten. Das Timing ist dabei gelungen und so finden die meisten Gags, ob verbal oder visuell, ihr Ziel.
Die Animationen sind flüssig und durchaus ansprechend, wenn sich auch nicht der höchste Detailgrad wiederfindet. Dennoch ist der Stil passend und bietet keinen Grund zu Klage. Die verschiedenen Designs, gerade auf die Schurkenrollen bezogen, heben sich gut voneinander ab und transportieren Teile des jeweiligen Charakters mit.

„He punched my shark!“

Aus einer Zeit, als die Minions noch keine überwiegend anstrengende gelbe Masse waren. Schurke Gru sucht den Coup und findet eine Familie, bleibt dabei aber immer schurkisch. Das macht Spaß, ist herzlich konstruiert und mit vielen sympathischen Charakteren garniert, sodass der erste Teil dieser Reihe immer noch Laune macht und einfach ein kurzweiliger Animationsfilm mit viel Humor und Charme ist.

Details