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"Wenn du mich willst, musst du meine sieben teuflichen Ex-Lover besiegen."

"Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" ist knallbuntes Actionabenteuer und nur für Nerds oder deren Sympathisanten geeignet. Bereits zur 8-Bit Variante des Universal Logos wird klar: Hier werden nur die wenigsten mit glücklich. Diese dafür aber umso mehr.

Scott Pilgrim (Michael Cera) ist ein unscheinbarer 22-jähriger. Er lebt mit dem homosexuellen Wallace (Kieran Culkin) in einem Bunker, ist wenig erfolgreich mit seiner Rockband "Sex-Bob-omb" und leidet noch unter seiner letzten, zerbrochenen Beziehung. Von seinen Freunden kassiert er häufig Seitenhiebe, als er sich auf eine Beziehung mit dem 17-jährigen, asiatischen Schulmädchen Knives Chau (Ellen Wong) einlässt. Nur wenige Tage später begegnet Scott seiner absoluten Traumfrau. Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead) will aber nicht so einfach erobert werden. Denn zwischen beiden steht eine Schar an vergangenen Lovern, die Pilgrim zunächst in Duellen stellen muss.

Das ganze Leben ist ein Videospiel. In der Welt von Scott Pilgrim wechseln Personen mittels raffinierter Schnitttechnik innerhalb derselben Einstellung von einem Ort zum nächsten, bunte Herzchen steigen bei Küssen in die Höhe und Lautschriften weisen auf den ursprünglichen Comic hin.
Geht Scott auf die Toilette, erscheint ein Pinkel-Fortschrittsbalken, natürlich in Gelb. Kämpft er gegen Ramona's Ex-Lover, dann mit der übermenschlichen Kraft, die nur durch viele Stunden an der Spielkonsole erreicht werden kann. Punktestand und erkämpfte Extraleben werden in ratternden Ziffern angezeigt, und am Ende fallen die Gegner als klimperndes Kleingeld zu Boden.

Die Verweise zu Videospielen sind zahlreich, was "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" zu einem sehr verspielten und ideenreichen Erlebnis macht. Zu dem fetzigen Soundtrack gesellen sich beispielsweise Melodien bekannter Videospiel-Reihen, nicht offensichtliche Zahlen kündigen die gleich folgenden Duelle an und farbige oder ungewöhnliche Frisuren sorgen für Skurrilitäten.
So viele Details gehen jedoch auf Kosten der Charaktere und dem Inhalt. Denn die Figuren sind oberflächlich und die Handlung wird vorhersehbar und ohne richtige Höhen erzählt. Die kitschige Romanze wird zu einem Zugeständnis um die einfallsreichen Actionszenen zu rechtfertigen. Abseits dessen kann der Film aber durch seine witzigen Dialoge und die verrückte Situationskomik überzeugen.

Die Kämpfe sind herrlich kreativ. Da wird der erste Kampf im Bollywoodstil aufgezogen, eine Art Battle of the Bands wird später zum virtuellen Kampf eines Chinesischen Drachens gegen einen Rock-Golem und wieder ein anderer Kampf ist eine Art Guitar Hero an der Bassgitarre. Die Duelle sind abgedreht und jenseits der physischen Bodenständigkeit inszeniert, dadurch an manchen Stellen dann auch entsprechend sperrig.

Schauspielerisch gibt es keine Höhen, die Darsteller erweisen sich in ihren Rollen aber als sehr passend. Neben der hohen physischen Präsenz von Michael Cera ("Juno") und Mary Elizabeth Winstead ("Stirb langsam 4.0", "The Thing") sorgen Ellen Wong, Kieran Culkin ("Eine wie keine") und gar Chris Evans ("Sunshine", "Captain America") für herrlich spaßigen Support.

"Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" kann man nur lieben, wenn man sich im Videospielbereich entsprechend heimisch fühlt, nicht nur wegen den inhaltlichen Referenzen. Auch die Inszenierung ist comichaft überzeugen und physikalisch losgelöst. Die Stärken des Films liegen im audiovisuellen Bereich. Handlung und Charaktere gehen dabei sehr unter. Dies stört aber nur zu Beginn, denn später überzeugt das kunterbunte Actionabenteuer durch weitestgehend einzigartige Actionszenen.

8 / 10

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