Hätte „Carrie“ damals geahnt, dass sie beim Abschlussball mit Schweineblut in den traurigen Mittelpunkt gerückt würde, wäre sie vielleicht ähnlich vorgegangen wie unsere Verrückte, die mit Dads Hilfe einige Jungs einsammeln lässt, um sie anschließend parallel zur Prom Night zu misshandeln.
Die Frage ist nur, wie lange man mit einem tiefen Loch in der Stirn überhaupt existenzfähig bleibt…
Es ist mal wieder die glückliche Zeit vorm Abschlussball, doch Lola (Robin McLeavy) erhält von Brent (Xavier Samuel) eine Absage, da er mit seiner Freundin Holly verabredet ist.
Kurzerhand entführt Lolas Dad den angepeilten Prinzen, dem die Hölle einer kranken Familie bevorsteht…
Hier findet man fast ausschließlich gescheiterte Existenzen vor: Brent ist völlig traumatisiert vom selbst verschuldeten Unfalltod seines Vaters, ritzt sich regelmäßig und ist depressiv. Mom scheint kaum mehr zu schlafen und ist auffallend dünn, während die befreundete Familie mit Dad Cop ihren Sohn verlor.
Richtig krank geht es natürlich bei Lola und ihrem Dad zu. Brent ist nicht ihr erstes Opfer, wie ein Photoalbum anschaulich verdeutlicht. Zudem scheinen die beiden ein leicht inzestuöses Verhältnis zu haben, während Mom das Gehirn bereits einige Zeit beiseite gelegt hat und mit starrem Blick stumm vor sich hin vegetiert.
Da ist er nun, der langhaarige Brent, auf einem Stuhl gefesselt und den unberechenbaren Stimmungsschwankungen der an sich hübschen Lola ausgesetzt.
Der australische Langfilm-Debütant Sean Byrne macht das genau richtig, denn Nebenhandlungsstränge reduziert er auf ein Minimum, wie das coole Gothic Girl mit ihrem neuen Typen, die sich vorm Ball so richtig zuziehen oder die bangenden Mom, Freundin und Cop, die schon ahnen, dass Brents Verschwinden einen kriminellen Hintergrund hat.
Der Fokus der Handlung liegt klar im Haus der Verrückten, wo die effektive Kamera dafür sorgt, dass die Gesichter noch ein wenig groteskere Formen annehmen und einige Bewegungen fast unmenschlich erscheinen. Auch der genau abgestimmte Score fördert enorm Suspense, während die Sounduntermalung sehr gut arrangiert ist.
Folterfans dürften bei der Chose allerdings nicht allzu sehr auf ihre Kosten kommen, auch wenn Messer in den Füßen und ein Bohrer in der Stirn keine angenehmen Vorstellungen sind.
Das Ritzen mit der Gabel wird als fertiges Produkt präsentiert, danach folgt sozusagen das Salz in der Suppe.
Was Brents Stimmbänder widerfahren sein könnte, lässt sich anhand einer Spritze hingegen nur erahnen, die Artikulation bleibt auf jeden Fall dauerhaft röchelnd.
Was der Dramatik der Geschichte ungemein hilft, ist die tolle Besetzung und die gute Figurenzeichnung der Hauptcharaktere, die mit wenig Aufwand auf den Punkt kommt.
Man leidet unweigerlich mit Brent mit, freut sich über die Auflockerungen durch das Gothic Fräulein und wünscht Daddy mit seiner Hitler-Gedächtnis-Frisur und dem beherzten Griff zum Hammer einen radikalen Gegenschlag an den Hals.
Auch die Sorge von Freundin und Mutter wurde recht sensibel eingefangen und vermittelt stärker als ähnlich gelagerte Streifen Glaubwürdigkeit und Emotionalität.
Aufgrund der zigfach bekannten Handlung, die im Endeffekt keine Überraschungen offenbart, kann man dem Skript ein wenig Ideenlosigkeit und mangelnden Hintersinn vorwerfen, handwerklich ist die Geschichte hingegen grundsolide umgesetzt und zeugt von inszenatorischem Feingefühl, während die Darsteller ihren Job ohne Makel erfüllen.
Erinnert ein klein wenig an „Wolf Creek“ gepaart mit „Mum & Dad“, geizt jedoch nicht mit Augenzwinkern, Blutvergießen und spannenden Momenten.
Für Freunde des Genres durchaus empfehlenswert,
7 von 10