Nachdem Australien schon gelungene Beiträge wie "Wolf Creek" oder den kompromisslosen "Strom Warning" verbuchen kann, wagt sich Sean Byrne (auch Drehbuch) mit seinem ersten Spielfilm auf die Leinwand. "The Loved Ones" kann sich auch sehen lassen, wobei ich den Hype auf dem Fantasy Filmfest nicht ganz nachvollziehen kann. Es hagelte nur so gute Kritiken, doch im Endeffekt kann auch Byrne das Genre kaum innovativ bereichern. Dennoch in jedem Fall mal eine Sichtung wert.
Brent (Xavier Samuel) ist immer noch nicht über den Tod seines Vaters hinweg. Der starb vor sechs Monaten bei einem Autounfall, den Brent verschuldete. Mit diversen Drogen und seiner hübschen Freundin Holly (Victoria Thaine) versucht er das Ganze zu vergessen, nun steht auch der Abschlussball an. Die Anfrage der schüchternen Lola (Robin McLeavy) an Brent zusammen auf den Ball zu gehen wird von Brent ausgeschlagen, ungeahnt welche Folgen dies nach sich zieht. Denn plötzlich wird Brent von Lolas Vater (John Brumpton) in deren abgelegenes Haus verschleppt und sieht sich dort sadistischen Folterspielen ausgesetzt. Lola und ihr Daddy haben nämlich ihre eigene Art einen besonders blutigen Abschlussball zu feiern. Derweil macht sich Holly Sorgen und mobilisiert den Sheriff.
Der Abschlussball ist seit "Prom Night" eine sehr beliebte Grundlage für einen Slasher, doch in "The Loved Ones" findet neben dem regulären Abschlussball auch noch ein privater statt, der es wahrlich in sich hat. Doch zuerst die Vorgeschichte, welche aufgrund des jungen Brents am Steuer etwas an "Disturbia" erinnert. Es kommt zum Unfall, wobei Brents Vater sein Leben lässt. Natürlich hat Brent Probleme darüber hinweg zu kommen, auch glaubt er seine Mutter gibt ihm die Schuld dafür. Byrne erzählt seine Geschichte mit dem nötigen Tempo, er gibt den Charakteren knapp zwanzig Minuten um sich zu präsentieren, bevor das Martyrium für Brent beginnen kann. Der wird von Lolas Vater entführt und vorerst auf einen Stuhl gefesselt. Fieserweise spritzt man ihm noch etwas in den Hals, damit er nicht mehr schreien kann. Dennoch hält sich Byrne mit Brutalitäten erstmal zurück, denn die eigentliche Folter beginnt für Brent erst nach seiner ersten Flucht. Die Nebenhandlung wird dabei sehr gering gehalten, Holly und Brents Mutter machen sich Sorgen, informieren den Sheriff, während der Part mit Jamie (Richard Wilson) und der Tochter des Sheriffs eigentlich völlig unnütz ist und wahrscheinlich nur dazu dient, um "The Loved Ones" auf eine vernünftige Länge zu ziehen. Die hocken nämlich nur im Auto und dröhnen sich zu, um schließlich vom Rektor des Schulballs verwiesen zu werden.
Da ist Lolas Privatparty wesentlich interessanter, wobei es wahrlich übertrieben ist, wie Brent gewisse Schmerzen wegsteckt. Nach einer missglückten Flucht bekommt er jeweils ein Messer durch den Fuß gerammt, während der Höhepunkt der Folter wohl mit der Bohrerszenen erreicht ist. Richtige Nahaufnahmen präsentiert uns Byrne selten, dennoch wirken die Foltereinlagen sehr drastisch, besonders wenn wir mitbekommen, was mit Brent eigentlich passieren soll. Hier gibt es noch eine kleine Überraschung bezüglich des Unfalls mit Brents Vater und wir erfahren, dass Lola und ihr Daddy nicht zum ersten Mal morden. Da gab es schon einige Opfer und gerade deswegen hätte es mal jemand auffallen müssen. Ein paar Informationen mehr über Lola und ihren Daddy hätten nicht geschadet, vor allem warum sie ihre eigene Mutter, beziehungsweise Frau, auch gefoltert haben. Ein Motiv gibt es natürlich nicht, aber dank des hohen Tempos bleibt für eine Hinterfragung nur wenig Zeit. Im Finale wird es sogar richtig garstig, wenn das Geheimnis unter der Falltüre in der Küche gelöst wird und sich Lola in eine wahre Furie verwandelt. Dabei überzeugen besonders Robin McLeavy (48 Shades) und John Brumpton (Red Hill, Storm Warning) als geisteskrankes Vater-Tochter Gespann.
"The Loved Ones" will etwas Außergewöhnliches sein, ist aber im Endeffekt nur ein gutes Folterfilmchen mit glaubwürdigen Darstellern. Immerhin hat Hauptfigur Brent Profil und Byrne lässt uns nicht lange warten, bis es zur Sache geht. Besonders im letzten Drittel wird es richtig blutig, aber auch diese Geschichte läuft nach dem üblichen Schema ab. Richtig spannend wird es selten und fraglich bleibt der Nebenpart mit Jamie und dem Gothic-Girl, weil völlig unnütz. Dennoch sehr gute 6 Punkte wert.