Wenn sich Ärzte über Naturgesetze erheben, ernten sie in der Regel das Böse, was Mary Shelley bereits vor rund 200 Jahren mit ihrem zeitlosen Klassiker „Frankenstein“ feststellte.
Seither stand dieses Werk zahlreiche Male Pate für mehr oder minder variable Ergüsse im Bereich Horror und Science Fiction.
Vorliegender erinnert auch ein wenig an Gordons „Re-Animator“.
In einem geheimen Forschungszentrum arbeiten die besten Mediziner an illegaler Stammzellenforschung, um totes Gewebe zu reanimieren. Dr. Elizabeth Barnes (Tiffany Shepis) entwickelt in diesem Zusammenhang ein Serum, welches kurz darauf bei dem just erschossenen David zum Einsatz kommt…
Leider gibt es bei diesem Streifen fast kein Tageslicht zu sehen, da die Handlung annähernd komplett in den sterilen Fluren und Forschungsräumen angesiedelt ist.
Die Rahmenhandlung besteht hingegen aus einer Befragung durch zwei FBI-Beamte, welche Elizabeth von ihren Erlebnissen berichten lassen, wodurch wir nach und nach erfahren, wie die Experimente ein unberechenbares Ausmaß annahmen.
Zunächst benötigt die Erzählung eine Weile, um die Rahmenbedingungen und die wesentlichen Figuren zu etablieren, wobei die Besetzung treffend ist und darstellerisch ein solides Mittelmaß geboten wird.
Allerdings bietet der Stoff auch einige trockene Passagen, die sich mit viel Theorie beschäftigen, während sich zwischenzeitlich ein Mangel an Bewegung abzeichnet.
Zwar werden immer wieder ethische Aspekte eingestreut, doch unter die Haut gehen derartig vage Thematisierungen kaum.
Hier embryonales Material von einer Patientin vor Ort, dort eine Einschüchterung durch eine obsessive Kollegin, ein paar lauernde Wachleute, ein Cage-Fight, der zunächst überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun hat und ein paar dröge Berichte ohne nennenswerte Höhepunkte.
Erst als David durch das Serum reanimiert wird, gewinnt der Stoff an Unterhaltung.
Es ist zwar völlig hanebüchen, dass ein von einer Revolverkugel durchbohrtes Gehirn annähernd komplett funktionstüchtig wiederhergestellt wird und nur die Erinnerungen und das emotionale Zentrum außen vor bleiben, doch die Lernprozesse des Probanten sind durchaus interessant zu verfolgen, was mit Sprachbildung, über Lesen, bis zum Auswendiglernen geht. Was diesen Schritten folgt, geht zwar arg ins Groteske über, bietet jedoch gleichermaßen ein paar spannende Momente, die bis dato schmerzlich vermisst wurden.
Obgleich das Tempo im letzten Drittel merklich anzieht, findet die Geschichte zusätzlich Raum, sich mit weiteren moralischen Fragen zu beschäftigen. Inwieweit der Zweck die Mittel heiligt und eine Ärztin unter Druck noch fähig ist, richtige Entscheidungen zu treffen, wird genauso angesprochen, wie die Rolle des Versuchskaninchens, dessen Reanimation natürlich auch nicht unerhebliche Nebenwirkungen aufweist.
Zum Ende hin müssen zwangsläufig einige Köpfe rollen, was teilweise wörtlich zu nehmen ist. Neben dem Abziehen einer Gesichtshaut und einem offenen Hals deuten sich weitere Gewalttaten lediglich an oder es sind allenfalls die entsprechenden Leichen zu sehen.
Demgegenüber kann der Ausgang überzeugen, da diesem ein leicht bitterer Beigeschmack anhaftet und die oben genannte These voll bekräftigt.
Was dem Streifen insgesamt merklich fehlt, ist die Abwechslung innerhalb der vorhersehbar ablaufenden Story bekannten Musters.
Ein zusehends mutierender Prometheus ist nun mal hinlänglich bekannt und auch wenn die obligatorischen Zutaten größtenteils in sich stimmig sind, hält sich das Mitfiebern doch arg in Grenzen.
Tiffany Shepis überzeugend zwar überraschenderweise als emotional agierende Wissenschaftlerin, doch auch sie kann nicht verhindern, dass die Chose bis zur wesentlich besseren zweiten Hälfte kaum in die Gänge kommt.
Passabel und mit soliden Ansätzen ausgestattet, doch im Grunde eher etwas für absolute Fans der Frankenstein-Thematik.
5,5 von 10