Es klingt wie eine sichere Sache. L.A. Confidential hatte als überraschungsreicher Neo Noir gerade eine Erfolgswelle angerissen, Neve Campbell hatte seit Scream und Denise Richards seit Starship Troopers Wichsvorlagenstatus, oder sagen wir zumindest, es zu Starruhm unter den vornehmlich in ihrer zweiten bis dritten Lebensdekade befindlichen Zuschauern gebracht. Die beiden ein bisschen Bi sein zu lassen, hätte vermutlich schon genügt, um den Film zu verkaufen.
Da sich unter den Auflagen der amerikanischen Filmzensur jedoch nur bedingt ein wirklicher Erotikstreifen herstellen läßt, die Schauspieler außerdem hier auch noch ein Wörtchen mitzureden haben, mangelt es Wild Things selbst in der Unrated-Fassung aber an wirklich knisternder Ästhetik. Die Subtilität des 40er Hollywoodkinos am Wegesrande verschimmeln lassend, schafft es John McNaughton zwar, der Richards ihre Nippel bildlich festzuhalten, gibt sich aber als Voyeur von hartem, schmutzigem Sex zu erkennen, um die Augen zu verschließen, wenn es interessant wird.
Es tut Wild Things schon besser, daß er von einem roten Faden durchflochten wird, der sich mit Gewalt darum bemüht, vom Zuschauer unentdeckt zu bleiben. Allein die Namen klingen schon nach Hauptfiguren eines abgebrühten Kriminalheftes. Kurz gesagt wird dem Lehrer Sam Lombardo vorgeworfen, seine Schülerin Kelly Van Ryan vergewaltigt zu haben. Und wir, die Zuschauer glauben zu wissen, daß dies erstunken und erlogen ist. Doch was die reiche Göre nun im Sinn hat und was noch alles geschehen wird, das wird uns erst langsam beigebracht. Bevorzugt wird jedes kleine Puzzlestück urplötzlich mit dem Holzhammer in unsere Köpfe geprügelt.
Nicht, daß ich etwas gegen Filme mit Überraschungen hätte, Gott bewahre. Wild Things gibt sich dabei nur synthetisch bis plump, wenn es darum geht, den Zuschauer an der Nase herum zu führen. Jedesmal geht ein Ruck durch den flüssigen Ablauf und immer wirkt es auch, als habe jemand in einer Runde das Drehbuch an sich gerissen, um nun seinen weiteren Verlauf der Geschichte aufzuzwingen.
Auch Wild Things ist dabei nur ein Destillat des Kinos und so wird sicher jeder Überschneidungen mit dem eigenen Erfahrungsschatz finden. Mir persönlich fiel zum Beispiel eine Verbindung zu Nur die Sonne war Zeuge auf, wo sich Autor Stephen Peters bestimmt nicht unbewußt einige Inspiration geholt hat. Von einer Auseinandersetzung mit anderen Stoffen kann hingegen kaum eine Rede sein. Eher würfelt man die glücklicherweise weitestgehend passgenauen Versatzstücke im mit ziemlich allen möglichen Klischees ausgestatteten, schwülen Florida zusammen.
Der Genuß von Wild Things kann also nur eine subjektive Sache sein. Auch ich bin in der entsprechenden Altersgruppe, um mich mit diesem potentiell skandalösen Werk der beiden Hauptdarstellerinnen auseinander setzen zu wollen. Bezeichnenderweise müssen diese hinter Kevin Bacon und Matt Dillon eher zurückstecken, scheinen wenig kompatibel mit den ihnen durch das Script angedichteten Eigenschaften. Hätte ich den Film aber zum Hoch der Popularität der weiblichen Aktricen angesehen, hätte er mich vermutlich weit mehr aus der Bahn geworfen, als er es heute tut. Es stehen einfach etwa 12 Jahre persönlicher Entwicklung dazwischen, zu der auch eine Reflexion weit anspruchsvollerer Werke gehören.
Ungeachtet dessen halte ich Wild Things nicht einmal für einen schlechten Film. Er bleibt nur so ärgerlicherweise unterhalb der Möglichkeiten, schert sich mehr darum, kurzfristig haltbare Sensationen zu generieren. So auf dünnen Stelzen um Aufmerksamkeit haschend erklärt sich von selbst, daß man sich kaum wegen der virtuosen Inszenierung an das Werk erinnern wird. Auch in Sachen Frivolität hat es in den 100 Jahren Kino zuvor schon Aufregenderes gegeben, und das liegt nicht an den nur für Schnellspritzer geeigneten zeigfreudigen Szenen, sondern eher an der Erzählung selber.
Nur als Eintagsfliege tauglich öffne ich gern mein Herz für einen durchaus knapp überdurchschnittlich unterhaltsamen Thriller, bezweifle aber, daß ich ihn ein weiteres Mal ansehen muß. Bewußt darüber, daß man möglicherweise eine engere, aber auch losere Bindung zu Wild Things aufbauen kann, sehe ich kaum Veranlassung, den Film mehr über den grünen Klee zu loben, als er sich auf seinen fragilen Gehhilfen selber über das Kraut erheben kann. Dies soll keinesfalls als Warnung verstanden werden, kann es doch sogar förderlich sein, die Erwartungen im Vorfeld zu bremsen. So es denn noch ein interessiertes Publikum für diese Konstellation gibt.