„Wild Things“ ist ein kleiner, aber sehr spannender Thriller, der mit zahlreichen Finten aufwarten kann.
Sam Lombardo (Matt Dillon) ist der allseits beliebte Vertrauenslehrer in seiner Kleinstadt nahe der Everglades. Diverse Mädchen machen ihm schöne Augen, darunter auch Kelly (Denise Richards), die Tochter der reichsten Frau der Stadt, Sandra Van Ryan (Theresa Russell). Als Sam einen Vortrag über Sexualverbrechen hält, hat er als Gast den Polizisten Ray Duquette (Kevin Bacon) eingeladen – was die Schülerin Suzie Toller (Neve Campbell) wahnsinnig aufregt. Damit stellt der Film die meisten seiner zentralen Charaktere bereits in den ersten paar Minuten vor und erklärt ungefähr, wie sie (scheinbar) zueinander stehen.
Eines Tages bieten Kelly und eine Freundin an, Sams Wagen zu waschen – als Geschenk der Abschlussklasse. Nach der Wasserorgie steht Kelly nass und verführerisch vor Sam. Zeitsprung: Eine wütende Kelly stiefelt davon. Ein bekannter Kniff, die Ereignisse in dem Haus nicht wirklich zu zeigen, denn die Ungewissheit darüber, was wahr ist und was nicht, gehört zu den wichtigsten Stilmitteln von „Wild Things“.
Am Tag darauf platzt Kelly mit einer unglaublichen Geschichte heraus: Sam soll sie vergewaltigt haben. Während Sam nur den windigen Anwalt Kenneth Bowden (Bill Murray) engagieren kann, schlägt Sandra mit aller Macht zu und Sam erscheint geächtet. Als dann auch noch Suzie behauptet, Sam habe sie ebenfalls vergewaltigt, scheint sein Schicksal besiegelt. Doch dies ist nur Teil einer komplexen Intrige…
„Wild Things“ beginnt sehr langsam mit der klassischen Frage: Hat Sam es getan oder will Kelly ihm irgendetwas heimzahlen. Doch bald kommt raus, dass mehr hinter der Sache steckt und je weiter der Film fortschreitet, desto schneller kommen verschiedene Wendungen, die alles vorher Geschehene in einem anderen Licht erscheinen lassen. So ändert der Film vor allem im Finale mehrmals die Richtung und selbst im Abspann kommen noch Szenen, welche noch zusätzliche Erklärungen bieten, mit denen man den Film erst richtig versteht. Also Abspann gucken und nicht direkt nach Filmende ausschalten.
Doch auch in der wendungsärmeren, ersten Hälfte ist „Wild Things“ keineswegs unspannend. Diverse Auslassungen gewisser Ereignisse lassen den Zuschauer immer im Unklaren über die wahren Hintergründe des Geschehens und heben den Spannungspegel. Zudem beschreibt der Film sehr glaubhaft wie Auswirkungen eines Vergewaltigungsverdachts unter diesen Umständen aussehen könnten (Einschüchterung und gesellschaftliche Ächtung Sams usw.). So ist diese Hälfte auch bei mehrmaligem Sehen immer noch gleich spannend, während die zweite etwas nachlässt, wenn man die Überraschungen schon kennt.
Ebenfalls als gelungen kann man die Atmosphäre des Films bezeichnen: Die heiße und schwüle Atmosphäre der Sümpfe kommt gut rüber und wird von Regisseur John McNaughton auch in die richtige Optik gepackt. Zudem besitzt der Film auch ein sehr erotisches Flair, das mit nur wenig nackter Haut auskommt und trotzdem prickelt. Auch die musikalische Untermalung, welche neben atmosphärischen Instrumentalklängen auch leichten, aber eingängigen Rock bietet, weiß zu gefallen. Außerdem bietet der Film noch ein gewisses Maß an sarkastischem Humor, vor allem durch die Figur des Winkeladvokaten Kenneth Bowden wunderbar rübergebracht.
Matt Dillon und Denise Richards agieren ziemlich gut, wobei Denise Richards zudem sehr sexy aussieht. Doch von Kevin Bacon und Neve Campbell werden sie an die Wand gespielt, da beide wirklich famos sind. Neve Campbell bietet mit ihrer Darstellung der alternativen Suzie einen Gegenpol zur offeneren Denise Richards, besitzt aber genauso viel Sex-Appeal (obwohl sie weit weniger zeigt als Fräulein Richards). Die Nebendarsteller, darunter Theresa Russell, Robert Wagner und Bill Murray, sind von ähnlicher hoher Qualität.
Intelligentes wie wendungsreiches Script, tolle Darsteller und gelungene Atmosphäre – auch wenn der Film bei mehrmaligen Sehen nicht mehr ganz so spannend ist, so ist „Wild Things“ doch sehr gutes Genrekino im Thrillerbereich.