Blues (und auch Jazz) verbindet man im Allgemeinen mit Louisiana, mit ländlichen, heißen Gegenden und Leuten in karierten Hemden, die entweder auf der Gitarre klimpern oder auf einer Holzkiste sitzen und Mundharmonika spielen.
All dies bietet den Rahmen für einen Road Trip, dessen Originaltitel "Redemption Road" wie die Faust aufs Auge passt.
Bailey (Morgan Simpson) ist begeisterter Blues-Musiker, doch er leidet unter enormen Lampenfieber. Zudem hat er Schulden bei Boyd (Luke Perry), mit dessen Tussi er sich zudem vergnügte. Da kommt der Hüne Augy (Michael Clarke Duncan) gerade recht, der ihm erklärt, dass sein Opa gestorben sei und ihm etwas hinterlassen würde. Beide begeben sich auf die Fahrt nach Alabama und freunden sich an, doch dort angekommen, offenbart Augy den wahren Grund für Baileys Reise...
Mit den typischen nordamerikanischen Klängen zwischen Mundharmonika, Gitarre und eventuell Piano kann man hierzulande meistens nicht viel anfangen, denn das Lebensgefühl ist ein völlig anderes und auch die Menschen leben in einem gänzlichen anderen Umfeld.
Das ungleiche Gespann fragt während der Reise bei einem Blinden nach dem Weg, der draußen inbrünstig ein paar coole Tonabfolgen auf der Harmonika schmettert, - ein solches Bild ist geradezu stellvertretend für die Individuen, die ihre Gefühlswelt mit der Musik verarbeiten, zumal Live-Bands in kleinen Clubs recht häufig vertreten sind.
Figurentechnisch ist die Geschichte ansprechend gestaltet, da der Zugang zu beiden Hauptfiguren durch einige interessante Facetten leicht gemacht wird und mit Duncan zudem ein überaus charismatischer Mime mit einer geradezu magischen Stimme an Bord ist.
Boyd ist hingegen ein bemitleidenswerter Loser, der häufig zu tief ins Glas schaut und sich nicht traut, seinen tiefen Ängsten zu stellen, weshalb er auf der Bühne trotz des musikalischen Könnens häufiger versagt. Als die beiden im Truck "Charlene" aufbrechen, ahnt man schon, dass da gegen Ende irgendeine Bombe platzen könnte.
Allerdings dümpelt das Geschehen trotz diverser angerissener Handlungsstränge ein wenig vor sich hin, da sich Regisseur Mario Van Peebles zu sehr auf die Wirkung der musikalischen Einlagen verlässt. Jene sind zwar überzeugend vorgetragen und transportieren das Lebensgefühl der ländlichen Regionen recht atmosphärisch, doch storytechnisch tritt die Erzählung dadurch phasenweise ein wenig auf der Stelle.
Auch die Frauen erhalten in der Geschichte nicht mehr Raum als eine Randnotiz, obgleich ihr Einfluss im Allgemeinen unübersehbar ist.
Anbei geht es noch um einen tragischen Unfall, es muss ein Trauma überwunden werden und am Ende werden gleich zwei Twists aus dem Ärmel geschüttelt, welche für ein paar recht bewegende Momente sorgen, auch wenn sich diese bereits ein wenig im Vorfeld ankündigten.
Gelegentlich kommt es zu kleinen Humoreinschüben, das ein oder andere Mal wird ein Stück Lebensgeschichte aufgedeckt und am Ende hätte man sich vielleicht einen anderen Ausgang gewünscht, obgleich dieser nicht gänzlich verstimmt.
Performt ist das Ganze hervorragend, auch der eher unbekannte Morgan Simpson, der auch gleichzeitig das Drehbuch verfasste, spielt recht authentisch und nuanciert. Nur gegen den großen dunklen Mann, der im vergangenen Jahr leider viel zu früh aus dem Leben schied, kommt er in keiner gemeinsamen Einstellung gegen an. Recht gut sind jedoch auch Luke Perry als selbstgerechter Geldeintreiber und Tom Skerritt als Barbesitzer, als auch Taryn Manning als Love Interest.
Zweifelsohne ist "Redemption Road" ein Film mit Herz und Seele und einigen emotionalen Wendungen, dem zwischenzeitlich ein wenig die klare Linie verschwimmt und bei dem man nicht weiß, ob nicht vielleicht nur der Weg das Ziel ist. Das letzte Drittel belehrt uns eines Besseren, auch wenn hier etwas zu geballt aufgetischt wird.
Ein toll gespielter und fotografierter Streifen mit einiger Atmosphäre und vielleicht etwas zuviel Blues an einigen Stellen, aber im Gesamtbild durchaus sehenswert.
7,5 von 10