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Aus Seattle dringen schlechte Nachrichten bis zu Bella Swan (Kristen Stewart) vor, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht. Von Toten und Vermissten ist im Fernsehen die Rede, aber Bella weiß, dass dort eine Armee von Vampiren aufgebaut wird, die Victoria (Bryce Dallas Howard) für ihre Rache an Edward Pattinson (Robert Pattison) benötigt, der zuvor ihren Freund getötet hatte. Sie will Edward genauso treffen, indem sie dessen geliebte Bella ermorden will. Edward und seine Freunde wissen, dass ein schwerer Kampf auf sie wartet, auf den sie sich gut vorbereiten müssen.

In seiner Grundstruktur erinnert "Eclipse" an einen klassischen Howard - Hawks - Western. Ein scheinbar übermächtiger Gegner bereitet sich zum Angriff vor, den eine kleine Gruppe nur dann abzuwehren in der Lage ist, wenn sie sich über übliche Grenzen hinweg zusammenschließt. Tat sich ein John Wayne in "Rio Bravo" mit einem Säufer und einem Revolverhelden zusammen, kommen in "Eclipse" die traditionellen Todfeinde Vampire und Werwölfe aufeinander zu. Durch die Wahl fantastischer Wesen entsteht in "Eclipse" ein ähnlich rechtsfreier Raum, wie er noch im "Wilden Westen" vorgeherrscht hatte, so dass sich die Beteiligten ungestört von irdischen Gesetzeshütern auf das finale Duell vorbereiten können.

Damit enden allerdings auch die Parallelen zum Actionfilm, denn die Handlung stellt nur den Rahmen für eine Liebesgeschichte dar, in deren Mittelpunkt Bella und ihre widerstreitenden Gefühle stehen. Letztlich liegt darin auch die Basis für die Beurteilung des Films, denn dieser setzt konsequent seine bisherige Linie in der Beziehung zwischen Bella und Edward fort, deren Entwicklung sich immer mehr auf ihre finale Entscheidung zu bewegt. Da alles in Stephenie Meyers vierteiliger Romanvorlage verklausuliert ist, steht auch die sich auf einen Kampf zuspitzende Handlung für nichts anderes, als für die sich zuspitzenden Gefühle in Bellas Herzen, die sich für ein Leben als Vampir (und damit an der Seite Edwards) oder als Mensch entscheiden muss.

Für die menschliche Seite steht hier Jacob (Taylor Lautner), Teil eines alten Indianerstammes, dessen Mitglieder sich in Werwölfe verwandeln können. Jacob ist ebenfalls in Bella verliebt, was zwar den Vorteil hat, dass sich die Werwölfe mit Edwards Vampiren im Kampf vereinen, andererseits Bella vor die fast unmögliche Aufgabe stellt, sich zwischen den Männern zu entscheiden, die Beide um ihr Leben kämpfen wollen. Zumindest behauptet das der Film, der Bella in ständigem Hin und Her zwischen ihnen zeigt, aber objektiv ist die Sache natürlich klar. Gegen den erwachsen und cool wirkenden Edward, der auch in schwierigen Situationen immer souverän bleibt, hat der zwar sehr durchtrainierte, aber noch recht pausbäckige Jacob, der zudem jugendlich ungeschickt gegenüber Bella vorgeht, keine Chance. Fast wirkt es absurd oder - unter dem Gesichtspunkt, dass sie ihn zu ihrer Verteidigung braucht - egoistisch, dass sie Jacob immer wieder tröstet und damit erneut Hoffnung macht.

Überzeugender sind ihre Szenen mit den Vampiren, etwa wenn diese von ihrer Vergangenheit erzählen oder ein weiblicher Vampir ihren Neid darüber äußert, dass sich Bella für ein menschliches Leben mit Kindern und natürlicher Alterung entscheiden kann. Damit ist der Film an seinem Kernpunkt angelangt, denn um nichts anderes geht es in der "Biss"- Saga - um das Erwachsenwerden in seiner konservativ traditionellen Form, wie es Stephenie Meyer in ihren Romanen propagiert. Entscheidend dafür ist die Wahl des Partners und damit auch das Zulassen von Sexualität, welches in "Eclipse" einem neuerlichen Höhepunkt entgegen strebt. Wird Bella ihre Jungfräulichkeit, die sie zwischendurch ihrem Vater nochmals bestätigt, vor der Ehe verlieren?

Es würde nicht schwer fallen, einen Film wie "Eclipse" der Lächerlichkeit preis zu geben, gerade weil dieser so ungebrochen ernsthaft seine Thematik verfolgt. Auch hinsichtlich der Story mit ihren vorgeschobenen Actionelementen lassen sich leicht Mängel feststellen, aber man muss dem Film eine gewisse Einmaligkeit attestieren, in seiner minutiösen Beschreibung der weiblichen Psyche auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Allein die Figur der Bella sticht aus allem heraus, was an weiblichen Teenagerfiguren sonst auf die Leinwand kommt. Einerseits jung und hübsch, verzichtet sie andererseits auf jedes erotische Beiwerk, wirkt zwar ernst und konservativ, steht aber gleichzeitig in ihrer Verbindung mit den Vampiren außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. Sie bleibt dabei so normal, dass es schon wieder radikal ist. Durch die Vermischung dieser Figur mit einer verklausulierten Fantasiewelt, die zudem in gewohnter Glanzoptik umgesetzt wurde, vermeidet der Film in seiner eigentlichen Thematik sowohl zu schrille, als auch zu realistisch spröde Einseitigkeiten und trifft damit den Nerv der daran interessierten Zuschauer.

Darin liegt letztlich auch die Entscheidung für oder gegen einen Film, der aus seiner Zielsetzung kein Geheimnis macht. Und dem man zugestehen sollte, dass er diese gelungen umsetzte.(6/10)

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