Eigentlich sollten intelligente Filme wie "Inception" an der Spitze der erfolgreichsten Filme der Welt stehen und nicht Animationswunder wie "Avatar", die nicht viel mehr als einen (eindrucksvollen) Kampf gegen Gut und Böse zu bieten haben. Der Brite Christopher Nolan darf sich mit seinen gerade mal vierzig Lenzen nicht nur wegen "Batman Begins" oder "The Dark Knight" zu den ganz großen Regisseuren zählen, sondern er verdiente sich seine Karriere mit Ausnahmefilmen wie "Memento" oder dem spannenden Psychothriller "Insomnia". Meist lieferte Nolan das Drehbuch gleich mit, wobei es sich mit "Inception" storytechnisch noch einmal selbst übertroffen hat. Jeder wünschte sich den nächsten Batman herbei, da schüttelt Nolan quasi sein Traumprojekt aus dem Ärmel und landet damit verdient einen Hit. Nicht mal die extrem hohen Produktionskosten von 160 Millionen Dollar dürften bei dieser brillanten Idee abgeschreckt haben, Nolan fungierte nebenbei noch als Produzent.
Dominick Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein Extraktor, er kann in das Unterbewusstsein eines träumenden Menschen eindringen und dort wichtige Informationen sicherstellen. Doch nun soll er für den Geschäftsmann Saito (Ken Watanabe) eine weitaus schwierigere Aufgabe übernehmen. Er soll einen sogenannten "Inception" vornehmen, einen Gedanken in das Unterbewusstseins eines Menschen verpflanzen. Es geht um Robert Fischer Jr. (Cillian Murphy), der nach dem Tod seines Vaters dessen Energiekonzern leiten soll und so jede Konkurrenz außer Kraft setzen könnte. Cobb und seinem Team (Ellen Page, Joseph Gordon-Levitt, Tom Hardy und Dileep Rao) steht eine schier unmögliche Aufgabe bevor, doch sie wagen den Schritt in eine eigens konstruierte Traumwelt, bestehend aus drei Etappen. Doch schnell treten Komplikationen auf und der scheinbar perfekte Plan läuft völlig aus dem Ruder.
Eine Story von derartiger Komplexität gab es schon lange nicht mehr, jegliche Zukunftsprognose des Zuschauers stellt sich als falsch raus. Von Nolan ist man es allerdings gewöhnt, dass er sich intensiv mit seiner Hauptfigur beschäftigt und dabei auch reichlich Emotionen einstreut. So nimmt der Strang mit Cobbs Frau Mal (Marion Cotillard) auch reichlich Einfluss auf das hauptsächliche Geschehen, inklusiver einiger böser Überraschungen. Allerdings braucht man seine Zeit, bis man richtig bei der Musik ist und man sollte schon genau zuhören, denn die kleinsten Versäumnisse lassen einem hinterher ratlos dastehen. Besonders wenn die Chose beginnt sich auf mehreren Ebenen abzuspielen. Doch zuerst muss Cobb das Team für diesen schwierigen Auftrag zusammentrommeln, wegen seiner besonderen Fähigkeiten wird er auch international gesucht. Sein sehnlichster Wunsch zu seinen beiden Kindern zurückzukehren soll nach erfolgreichem Abschluss des Auftrags in Erfüllung gehen. Doch um einen "Inception" durchzuführen, muss ein lückenloser Plan kreiert werden, der kleinste Fehler und das ganze Gerüst bricht zusammen. Auch wenn Nolan in der ersten Filmhälfte mit Action haushaltet, so sorgen die interessanten Charaktere und die Entstehung des perfiden Plans für lückenlose Unterhaltung. Vor allem nutzt Nolan diese Zeit, um dem Zuschauer zahlreiche Erklärungen zu liefern. Nur diese Maschine, an deren Entwicklung auch Miles (Michael Caine) beteiligt gewesen zu sein scheint, bleibt etwas rätselhaft. Vielleicht wäre auch ein Blick in Cobbs Vergangenheit hilfreich gewesen, wie er sein Handwerk erlernte. Aber andererseits hätte Nolan dann viel zu weit ausschweifen müssen und man verzeiht ihm das Fehlen einiger Hintergrundinfos gern. Denn solch einen schier unverfilmbaren Stoff dem Zuschauer plausibel zu präsentieren, ist ihm auf jeden Fall gelungen.
Und mit Beginn der schwierigen Operation kracht "Inception" auch richtig los. Nicht nur action- oder spannungstechnisch geht es richtig zur Sache, sondern Nolan lässt den Plot einige Haken schlagen. Auch kann man sich zu keiner Zeit sicher sein, ob Cobbs Vorhaben wirklich Erfolg hat, denn es tauchen schnell unerwartete Probleme auf. So kann sich das gut beschützte Unterbewusstseins eines Menschen durchaus mit Gewalt zur Wehr setzen. Die schick choreographierten Actionszenen verzichten zwar völlig auf ausufernde Gewalt, doch trotzdem vermasselt Nolan diese Sequenzen nicht durch hektische Schnitte, wie es sonst gerne üblich ist. Es wird geschossen, verfolgt und auch einige Zweikämpfe werden geboten, vor einer sehr wandlungsfähigen Kulisse. Besonders das Einnehmen der Eisstation ist ein Hammer, eigentlich ist die ganze zweite Halbzeit eine lange Actionszene ohne Verschnaufpause. Doch dabei geraten werder die Story noch die Charaktere je in den Hintergrund. Auch die Geschichte mit Mal findet noch ihr plausibles Ende. Noch etwas unterscheidet "Inception" von anderen Genrevertretern und das sind die durchweg brillanten Effekte, mäßige Animationen muss man wirklich mit der Lupe suchen. Doch gerade bei den Actionszenen ist erstaunlich viel handmade, auch die gewaltigen Zerstörungsorgien.
Ausnahmslos hochwertig agieren auch die Darsteller, neben Leonardo DiCaprio (Titanic, Shutter Island) liefern Ellen Page, Cillian Murphy, Ken Watanabe, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt und Tom Hardy glaubwürdige Verkörperungen ihrer vielseitigen Figuren. Auch die zwei Urgesteine Michael Caine und Tom Berenger sind mit von der Partie.
Es fällt ein wenig schwer seine Freude hier in Worten zu fassen, aber "Inception" ist für mich der Kinofilm im Jahr 2010. Eine derart verschachtelte Story so plausibel und optisch hochwertig dem Zuschauer näher zu bringen, erfordert schon einen Meister seines Fachs. Es gab selten, dass ein Plot auf mehreren Ebene spielend so lückenlos ineinander verschmolzen ist und nebenbei hat Nolan auch die Action nicht vergessen. Über die gesamte Distanz von über 140 Minuten bleibt "Inception" hochspannend und fesselnd, die Darsteller spielen durchweg brillant. Nolan hat hier auf jeden Fall ein Stück Filmgeschichte geschrieben.