Träume sind nicht nur Schäume
Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein Meisterdieb in der Industriespionage. Seine Methoden sind jedoch eher ungewöhnlich, schleust er sich doch in Träume von Menschen ein und entnimmt als sog. "Extractor" wertvolle Informationen dem Unterbewusstsein der Schlafenden. Ein durchaus riskanter Job, der auch in der Realität zu Risiken führen kann. Der Versuch, in das Unterbewusstsein des Geschäftsmanns Saito (Ken Watanabe) einzudringen, geht gründlich daneben, da dieser ein Abwehrtraining absolviert hat und sein Unterbewusstsein sich gegen Eindringlinge schützen kann.
Auf der Flucht fängt er Cobb ab und bietet ihm einen Deal an, der dafür sorgen könnte, dass dieser wieder nach Hause zurückkehren kann. Cobb ist angeklagt, seine Frau ermordet zu haben und befindet sich schon seit geraumer Zeit auf der Flucht. Saito verlangt, dass er in die Träume seines Konkurrenten Robert Fischer (Cillian Murphy) eindringt, allerdings nicht um etwas zu stehlen, sondern um eine Inception - eine Einpflanzung eines Fremden Gedanken - durchzuführen. Fischer soll sich von seinem Vater emanzipieren und nicht den Familienkonzern weiterleiten. Eine schier unmöglich scheinende Aufgabe, die Cobb dennoch angeht.
Regisseur Christopher Nolan (u.a. Memento, die neue Batman-Trilogie) erschuf mit Inception, für den er auch als Drehbuchautor verantwortlich war, einen Sci-Fi Thriller der Extraklasse. Die Thematik der Traumwelten ist zwar nicht gänzlich Neuland, wird hier aber sehr anschaulich präsentiert.
Der Film ist ein bombastischer Blockbuster und Kopfkino in einem. Spektakuläre visuelle Effekte treffen auf tiefgründige Gedankengänge.
Der gefährlichste Virus ist ein Gedanke dient als Leitmotiv der Geschichte und ist wahr, denn nichts breitet sich im Hirn schneller aus als Gedanken. Wie aber sollen nun fremde Gedanken im Hirn von anderen Menschen implantiert werden, so dass diese auch noch denken, es wären ihre Eigenen?
Mit dieser Frage beschäftigt sich Nolan ausführlich und gibt dem Zuschauer hierfür als Mentorin die Figur der Ariadne, die Cobb nicht nur bei seinem Auftrag helfen soll, sondern auch die ganzen Prozesse der Traumarchitektur und der verschiedenen Traumebenen erklärt.
Das Ganze ist aber sehr geschickt in die spannende Story eingefügt, so dass man nie das Gefühl hat, plötzlich einer Dokumentation zu folgen. Dennoch verlangt der Film vom Zuschauer stets volle Aufmerksamkeit, mehr als es für übliche Popcorn-Blockbuster notwendig ist. Die Thematik ist jedoch so packend aufbereitet, dass man quasi gar keine Wahl hat und immer mittem im Geschehen ist. Dies ist auch notwendig, ansonsten würde im Verlauf des Films ziemlich schnell den Überblick verlieren, was nun Realität und was Traum ist.
Ich habe mich selbst dabei erwischt, kurz überrascht zu sein, dass Cobb & Co. im Flugzeug aufwachen, weil ich die entsprechende Szene durch all die Traumsequenzen verdrängt hatte.
Der gesamte Cast ist hervorragend besetzt und liefert auch in kleinen Nebenrollen gute Performances ab. An dieser Stelle möchte ich aber vor allen Dingen für Leonardo DiCaprio eine Lanze brechen. Der Mann hat sich extrem entwickelt und in den letzten 10 Jahren einige wirklich herausragende Filme abgeliefert, die es schaffen sollten, sein ewig anhängendes Titanic-Schönling Image endlich loszuwerden. Ich gebe zu, dass ich früher kein Fan von ihm war, doch mittlerweile sehe ich ihn sehr gerne, zuletzt in Django Unchained.
Auch optisch präsentiert sich der Film von seiner Schokoladenseite und fährt in den Traumsequenzen bombastische CGI-Effekte auf, die einen staunen lassen. Hier wirkt nichts billig, was bei einem Budget von ca. 160 Millionen Dollar aber auch selbstverständlich sein sollte. Ebenso wirkungsvoll sind die wenigen, effektiv eingesetzen Actionenszenen, von denen insbesondere der Kampf in der Schwerelosigkeit zu überzeugen weiß.
Alles in Allem erfordert Inception schon ein wenig Mitdenken seitens des Zuschauers, belohnt ihn dafür aber auch mit einer durchweg packenden Story, glaubwürdigen Charakteren und visuellen Sahnehäubchen. Keine 08/15-Standardkost und ein Pflichtkauf für qualitätsbewusste Filmfans, der aber auch für die breitere Masse geeignet ist.