Teil 7: Inception (2010)
Thema: Träume
Film Nummer 7 aus der Filmografie eines Christopher Nolan ist nun „Inception“. Nachdem ich alle vorigen Filme erst im Heimkino entdecken konnte, war Inception der erste Film von Christopher Nolan, den ich im Kino sehen konnte. Ich mochte damals auch einen Leonardo DiCaprio sehr, weniger seine klassischen Scorsese-Rollen, mehr seine anderen Filme, wie z.B. „Blood Diamond“. „Inception“ hat mich damals brennend interessiert und noch heute kann ich sagen, dass ich für diesen Film brenne.
Dom Cobb ist einer der Besten auf seinem Gebiet der Industriespionage. Durch die Entwicklung des Traum-Sharing ist es möglich, Gedanken und Informationen aus dem Unterbewusstsein heraus zu stehlen – eine sogenannte Extraction. Das Dom Cobb der Beste seines Fachs ist, ist Fluch und Segen zugleich, kann er deswegen nicht mehr in die vereinigten Staaten zu seinen Kindern zurück und deswegen hat er auch seine Frau in den unendlichen Traumwelten verloren. Als eine Extraction bei dem japanischen Geschäftsmann Saito schief läuft, bietet dieser Cobb einen Deal an. Er soll einen Gedanken bei einem wichtigen Konkurrent einpflanzen, wofür er für die sorglose Einreise Cobbs sorgt. Cobb stellt daraufhin ein Team zusammen, dass in den Untiefen des menschlichen Unterbewusstseins auf gefährlichen Widerstand stößt. Widerstand, der Ihre Mission bis an den Rand des Scheiterns bringen könnte.
Was ist Inception ? Inception bedient sich an der klassischen Prämisse jedes Heist-Movies, denn der Diebstahl von Gedanken ist ja immer noch ein Diebstahl. Auch wenn hier wie in Nolans Erstling „Following“ nichts gestohlen, nur etwas verändert wird, um denjenigen zu beeinflussen, der „beklaut“ wird. Christopher Nolan gibt uns viel Zeit und Erklärungen, die Welt, in der er uns und seine Protagonisten eintauchen lässt, zu verstehen. Die ganze Auseinandersetzung mit Träumen, dem Unterbewusstsein und den Eigenarten im Traum ist hochkomplex und wird auch von Nolan mit unglaublicher Präzision vielschichtig und verschachtelt erzählt. Die visuellen Kameraeinstellungen und Schnitte, die handgemachten Effekte – nahezu alles ist ein Traum. Von einem Kampf mit der Gravitation in einem Hotelflur bishin zum unendlichen Spiegel, den Penrosestufen und einem invertierten Paris sind die Aufnahmen unglaublich atemberaubend.
Die Musik von Hans Zimmer und dieser „BRAM-Sound“, der auf ihn UND Zack Hemsey zurückgeht, der nebenbei den Edith Piaf-Song „Non, je ne regrette rien“ in extrem langsamer Geschwindigkeit abspielt, hat danach maßgeblich auch die musikalische Gestaltung vieler nachfolgender Filme beeinflusst. Zudem ist es sehr meta, weil Marion Cotillard, Bestandteil des Casts für ihre Darstellung der Edith Piaf in „La Vie En Rose“ ihren Oscar für die beste weibliche Hauptdarstellerin bekommen hat.
Inception kann auch eine Liebeserklärung und Parabel über das Filmemachen im Allgemeinen sein. Wir (Robert Fischer), bekommen einen Film (Traum) vorgesetzt, der uns nach Verlassen des Kinosaals beeinflussen soll. Der Film hat einen Regisseur (Cobb), einen Produzenten (Saito), mehrere Kreative (Ariadne, Yussuf, Arthur) und auch Schauspieler (Eames).
Alle Schauspieler, und damit meine ich alle, machen hier in diesem Film einen wunderbaren Job. Doch das höchste Risiko hat zweifelsohne der von Leonardo DiCaprio gespielte Cobb. Die emotionale Tragweite, die Ambivalenz seines Charakters lassen eine tiefe Verbundenheit mit ihm entwickeln, woraus der Film einen Teil seiner Emotionen schürt und das Zusammenspiel zwischen ihm und Marion Cotillard ist perfekt. Einen weiteren Bärendienst leisten Cillian Murphy und Pete Postlethwaite, da die Vater-Sohn-Beziehung eine im emotionalen Kern wichtige Angelegenheit des Films ist. Der Rest des Casts ist natürlich auch dazu da, zu erklären, ein paar humorvolle Witze beizusteuern (vor allem von Tom Hardys Eames). Aber die Spannung des Films ist allgegenwärtig und die Schraube dreht sich bis zum Ende unaufhaltsam weiter. Aber die wichtigste Frage, die der Film aufwirft ist die, ob der Kreisel am Ende weiterdreht oder umfällt – Ob die Erlebnisse am Ende für Cobb noch ein Traum oder bereits real ist. Der ganze Fokus auf diesen sogenannten Totems und ihrer Funktionsweise ist ein Trugschluss, der unzählige Theorien hervorgebracht hat: Ist der „Kreisel“ nun das Totem von Mal oder Cobb ? Wenn der Kreisel nicht Cobbs Totem ist, ist es dann der Ehering, den er nur in den Traumsequenzen trägt ? Theorien über Theorien – ich kann nur sagen, dass sich jeder das Ende selbst interpretieren sollte. Selbst Nolan hat ja mal verlauten lassen, dass diese Fragen und die Antwort darauf nicht wichtig sind. Allgemein ist der Film durch seine verschachtelte und vielschichtige Erzählung ein Paradebeispiel dafür, wie man mit unumkehrbaren Entscheidungen auf unterschiedlichen Erzählebenen eine nahezu unendlich aufeinander aufbauende Aktstruktur strukturieren kann, die trotz aller intellektueller Stimulierung noch verständlich bleibt. Somit bleibt für mich bei all dem Ganzen nur zu sagen, dass ich „Inception“ liebe, für die Spannung, die Dramatik, die Emotionen. Durch „Inception“ habe ich auch damals den guten Tom Hardy entdeckt, der sich bis zum heutigen Tage zu einem meiner Lieblingsdarsteller entwickelt hat.
„Wieviel Realität steckt in der Fiktion und wieviel Fiktion steckt in der Realität ?“
„Inception“ - Multiple Look – 10/10 Punkte