Review

Mäßiges TV-Remake des alten Western „Stagecoach“, das mit Johnny Cash, Kris Kristofferson und Willie Nelson gleich drei schauspielernde Countrysänger auffährt.
Als der Indianerhäuptling Geronimo und sein Stamm gerade mordsmäßig die Verkehrswege des Wilden Westens unsicher machen, geht den Weißen natürlich mächtig die Muffe und das Reisen wird zur gefährlichen Angelegenheit. Soldaten bewachen die Wege so gut es geht, doch der zweite Postkutscher von Buck (John Schneider) springt trotzdem ab. Nur mit einem Trick kann dieser den Marshall Curly Wilcox (Johnny Cash) überreden dessen Platz zu übernehmen.
Auch bei den Passagieren handelt es sich nur um Leute, die dringende Gründe haben nach Lordsburg zu kommen, wie z.B. die schwangere Frau eines dort stationierten Soldaten. Gemeinsam macht sich die kleine Gruppe ins Ungewisse auf…

Den ganzen Film über hängt also die Bedrohung durch die Indianer wie ein Damoklesschwert über der Truppe – oder beinahe, denn „Höllenfahrt nach Lordsburg“ schlägt trotz des reißerischen Titels wenig Kapital daraus. Besonders lächerlich wird es dann, wenn die Indianer dann kurz vor Schluss doch endlich auftauchen, aber die ganze Attacke weniger als fünf Minuten einnimmt und kaum für Nervenkitzel sorgt. Natürlich stirbt kein ansatzweise sympathischer Charakter, nur vom überflüssigen Nebenfigurenpröttel darf einer dran glauben.
Stattdessen folgt man die meiste Zeit den Einzelschicksalen der kleinen Reisegruppe und deren Beziehungen untereinander, doch leider kann „Höllenfahrt nach Lordsburg“ auch hieraus kaum etwas machen. Die Figuren bleiben flache Schablonen, sodass sich der Zuschauer keinen Deut um sie sorgt und ein Klischee jagt das nächste: Die Geburt des Babys ohne dass ein echter Doktor zur Hand ist, also muss Doc Holliday (Willie Nelson), an sich Zahnarzt einspringen usw. Große Überraschungen gibt es auch nicht, denn jeder halbwegs mitdenkende Zuschauer weiß z.B. direkt, was es wohl mit dem Reisenden auf sich hat, der seine geheimnisvolle Tasche wie einen Schatz hütet, sonst aber kein Gepäck dabei hat.

Allenfalls der Strang um den flüchtigen Sträfling Ringo Kid (Kris Kristofferson) kann noch etwas Pfeffer in die dröge Angelegenheit bringen: Der Marshall kann ihn stellen und will ich einbuchten, doch Ringo behauptet unschuldig zu sein. Da seine Dienste bei einem eventuellen Angriff aber hilfreich sein könnten, muss der Marshall überlegen, ob er ihm vertrauen kann. Die ganze Sache nach dem Ankommen in Lordsburg noch ein recht spannendes, gelungenes Nachspiel, das mehr Unterhaltungswert als der Rest des Films besitzt.
Kris Kristofferson ist ja als Schauspieler deutlich erfahrener als Willie Nelson und Johnny Cash, trotzdem spielt jeder der drei ziemlich gut. Im Bereich der Nebendarsteller wird immerhin ordentliches TV-Niveau geboten, doch wirklich herausragende Leistungen sollte man nicht erwarten.

„Höllenfahrt nach Lordsburg“ ist im Endeffekt unterer Durchschnitt, bei dem vor allem die ordentliche Ausstattung und der Handlungsstrang um Ringo Kid überzeugen, der aber zuwenig Schauwerte und zu schwache Charaktere hat, um mitreißen zu können.

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