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Wenn ein Horrorfilm Realität wird

Legendäre und nicht selten sogar charismatische Filmkiller von Freddy bis Hannibal gucken wir uns mit Spaß und Begeisterung an. "Cropsey" ist eine knapp einstündige Doku über einen ähnlichen Fall... nur gruseliger und in echt. Zumindest sagt es so die Legende von Staten Island, einem New Yorker Stadtteil. Dort waren in den 70ern und 80ern Kinder (meist mit Behinderungen) spurlos abhanden gekommen und ein Mann ist dafür ins Gefängnis gekommen. Andre Rand, ein ehemaliger Betreuer mit auffälligem Aussehen und passender Backstory, der bis heute im Gefängnis sitzt und verschweigt, wo die Leichen der Kinder vergraben sind... oder weiß er es etwa gar nicht?

Am Ende dieses Gänsehaut-TV-Specials ist man ziemlich überzeugt von dessen Schuld, zu viel spricht gegen ihn und die überraschende Wendung im Prozess bleibt aus. Trotzdem lassen die Macher ihm, sich und uns eine kleine Hintertür auf. Es ist interessant zu sehen, wie Folklore und Realität verschwimmen und sich über die Jahre gegenseitig hochschaukeln. Ein weiterer Beweis, dass kein noch so verstörender Horrorfilm an die Realität herankommt. Jede Folge Aktenzeichen schlägt den dreizehnten Jason, jede Tagesschau tut mehr weh als "Scream 7". Die Szenen aus der Nervenheilanstalt der Kinder oder die Nachtwanderung durch die womöglich satanistischen Ruinen gehen mir wahrscheinlich noch lange durch den Kopf. Und ich wette Köln kann da mithalten in Sachen gruseliger Legenden und ungeklärter Mordfälle. Deine Stadt auch. Ihr müsst nur tief genug graben...

Fazit: der Candyman von Staten Island? Oder mehr Folklore als alles andere? Monster oder bemitleidenswerter Geisteskranker? Oder nur Teil eines größeren Unheils? "Cropsey" wirft einen sehr interessanten Blick in den düsteren Unterbauch New Yorks.

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