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Der deutsche Titel „Faustrecht der Prärie" ist wiedermal sensationell unpassend. Er suggeriert dem Zuschauer einen reinen Rachewestern mit vielen Schießereien und jede Menge Faustwatschen. Der Original Titel „ My Darling Clementine" ist da natürlich treffender. Den „My Darling Clementine" ist einer der schönsten Filme des Genres. John Ford der Meisterregisseur war wieder ganz in seinem Lieblings Genre gefangen und erschuf eine typische Westernwelt.



Die Geschichte spielt in Tombstone. Die Fronten zwischen Gut und Böse sind klar geregelt. Die Bösen sind eindeutig die Clantons, unrasierte Hinterwäldler die nur an Profit denken und keinen Sinn für die Kunst haben. Ganz anders sind da die Guten die Earps, eine Bande voll rechtschaffender Brüder die nur an ihre daheimgebliebenen denken und in Tombstone mal kurz rasten wollen. Und dann gibt es da Doc Holliday, ein ehemaliger Mediziner der nun in Tombstone einen Saloon betreibt, ständig hustet und einen leicht verkommenen Charakter hat.


Um die historisch korrekte Darstellung des Kampfes zwischen den Clantons und den Earps ging es Ford anscheinend nicht. Denn außer den Namen von Stadt und Protagonisten ist der Rest doch recht fiktiv. Ein Kenner der historischen Ereignisse wird hier einige Überraschungen erleben. Schiebt man diese Tatsache beiseite, so erlebt man einen stimmungsvollen atmosphärisch gelungen Western. Gerne stellt man sich als Zuseher vor, dass es damals in dieser Zeit so gewesen ist. Ein rechtschaffender Sheriff wie Wyatt Earp sorgt für Ruhe in einer wilden Stadt am Rande der Zivilisation. Dass Wyatt Earp die Stadt im Griff hat, zeigt John Ford in einer genial gefilmten Szene. Lässig sitzt Wyatt Earp in einem Stuhl vor dem Saloon, wippt hin und her und ankommende Fahrgäste einer Postkutsche werden genau gemustert und gegebenenfalls auch gleich aus der Stadt hinaus kommandiert. Henry Fonda als Wyatt Earp strahlt Autorität und Rechenschaft aus, wie vor und nach ihm nur wenige Helden aus Wild West Filmen.


Während Henry Fonda als Wyatt Earp hervorragend gewählt worden ist, tut man sich bei dem muskulösen Victore Mature als kranken Doc Holliday da schon schwerer. Die Regisseure die sich nach Ford mit der Earp Story befassten scheinen daraus gelernt zu haben. Kirk Douglas in „The Gunfigth at the OK Corral" wirkt da schon um einiges gebrochener und kaputter. Auch scheint die freundschaftliche Bindung zwischen Doc und Wyatt nicht so stark zu sein wie in den nachfolgenden Verfilmungen. Walter Brennan als bösartiger Old Man Clanton ist hingegen wieder eine vortreffliche Wahl gewesen. Den Western Fans ist Brennan als humpelnder Stumpy aus Rio Bravo ein Begriff. Hier spielt er allerdings keinen komischen Charakter sondern verkörpert das Böse im weiten Westen, das sich die Earps zur Aufgabe gemacht haben zu tilgen. Eine der besten gefilmten Szenen mit Bennan ist, wenn Ford kurz vor dem Schlussduell langsam sein grimmiges Gesicht aufblenden lässt und so einen Sonnenaufgang darstellt.


Doch nicht nur die Herren der Schöpfung werden von Ford gut in Szene gesetzt, sondern auch die Frauen dieser rauhen und wilden Landschaft werden schön ins Licht gerückt. Da gibt es die Bardame Chihuahua (Linda Darnell) eine eher zwielichtige Person die zwar schön singen kann, aber es mit Treue nicht so genau nimmt. Auf der anderen Seite Clementine (Cathy Dows) eine zierliche und fürsorgliche Person. Früher war sie die Krankenschwester und Geliebte von Doc Holliday. Diesem folgt sie auch nach Tombstone. Doch die Bardame liebt Doc Holliday und will ihn ganz für sich. Wyatt Earp verliebt sich klarerweise in die hübsche Clementine und hat nun auch einen Konflikt mit Doc. Ford gelingt es hier wiederum ohne viele Worte nur mit kleinen Gesten den Gefühlen seiner Figuren Ausdruck zu verleihen.


Als ich zum ersten Mal „My Darling Clementine" sah, war für mich noch die Geschichte im Vordergrund. Erst beim zweiten Anschauen entdeckt man, dass diese für Ford eher zweitrangig war und es ihm mehr um Atmosphäre und eine bilderreiche Sprache ging. Wenn man Monument Valley gleich zu Beginn des Films sieht, weiß man, man ist in einem John Ford Film gelandet. Diese Bilder und die zahlreichen Kleinigkeiten auf die Ford Wert legte machen den Film aus. Ford sollte in späteren Jahren eine eher pessimistische Welt des Wilden Westen zeichnen. Aber kurz nach Kriegsende 1946 war wohl noch Optimismus angesagt. So strahlt „My Darling Clementine" samt besagten Titellied im vollen Glanze. Ein Film S/W aber doch irgendwie recht farbenfroh und ein Genuss ihn wie ein Gemälde zu betrachten.


„Ma'am, I sure like that name ... Clementine"

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