Andy ist kein kleiner Junge mehr, sondern ein angehender College-Student, der gerade in seinen Umzugsvorbereitungen steckt. Für Woody, Buzz und die übrigen Spielzeuge hat er keine Verwendung mehr, weswegen sie in einer Tüte, bestimmt für den Dachboden landen. Aufgrund einer Verwechslung enden die Spielzeuge letztlich in einem Kindergarten, der ihnen zunächst wie ein Paradies erscheint. Doch dann entpuppt sich ihr neues Heim als Hölle, in der sie tagsüber von kleinen Kindern terrorisiert und nachts von einem tyrannischen Teddybären, der ein strenges Regiment führt, unterdrückt werden.
Die Animationsformate "Ice Age" und "Shrek" aus dem Hause Fox bzw. Dreamworks haben sich über die Jahre und ihre Fortsetzungen hinweg gewissermaßen totgelaufen und kranken an fortwährenden Qualitätsverlusten. Sieht man dagegen, was Pixar so Jahr für Jahr herausbringt, möchte man fast meinen, dass es gar nicht so schwer sein kann, immer wieder innovative Animationsfilme herauszubringen und Filmreihen eben nicht an die Wand zu fahren. Denn nach den drei kommerziell wie qualitativ hervorragenden Filmen "Ratatouille", "Wall-E" und "Oben" tritt Pixar mit "Toy Story 3" einmal mehr den Beweis an, dass das Studio für fortwährende Qualität und andauernden Einfallsreichtum steht.
So ist "Toy Story 3" vor allem eines nicht: Eine einfallslose Fortsetzung der beiden Vorgänger, die mit 3D-Effekten und ein paar neuen Figuren, aber eben alten, bekannten und gängigen Konzepten einen größtmöglichen kommerziellen Erfolg zu verbuchen versucht. Und dies zeigen die Macher bereits am Anfang mehr als deutlich auf. Der Film beginnt mit dem Abschied der Spielzeuge, deren Lebenssinn die Liebe ihres Besitzers Andy ist, der mit ihnen spielt, und dies findet schnell, abrupt und ohne überlange Sentimentalitäten statt.
Und auch im weiteren Verlauf findet sich "Toy Story 3" nur selten und bedingt in den Mustern ein, denen die Vorgänger noch folgten. Stattdessen wirkt er an manchen Stellen etwas radikaler und erwachsener als Teil 1 & 2. So ist der Bösewicht, der despotische Teddy, der eine ganze Reihe Anhänger benutzt, um die übrigen Spielzeuge im Kindergarten zu unterdrücken, deutlich teuflischer als seine Vorgänger und auch das Finale auf der Müllkippe, die fast wie eine apokalyptische Welt entworfen ist, fällt doch deutlich düsterer aus, als man es vom Film erwartet hätte. Nach "Wall-E" und besonders nach "Oben" zeigen die Pixar-Studios auch hier erneut, dass sie immer reifer werden und immer ernstere Themen angehen.
So auch den endgültigen Abschied von Andy, der seinen Spielzeugen (fast) entwachsen ist. Die Thematik wird am Ende schließlich erneut aufgegriffen, wird dann jedoch mit authentischen Gefühlsregungen und ohne allzu gekünstelte Sentimentalitäten behandelt, wie es Pixar seit jeher auszeichnet. Damit endet schließlich ein hervorragender Animationsfilm, der durchgehend mitreißt, kaum sympathischer sein könnte und auch mit zahlreichen amüsanten Stellen und Gags überzeugt. Ohne allzu naiv oder infantil zu erscheinen, bringt Regisseur Unkrich, der zuvor als Bildeditor für Pixar tätig war, die Gags in den Film ein und sollte damit auch die kleinen Zuschauer in jeglicher Hinsicht zufrieden stellen.
Dabei ist "Toy Story 3" im Endeffekt natürlich nicht nur ein Film der großen Gefühle, sondern auch in handwerklicher Hinsicht gelungen. Die Animation ist ausgezeichnet, die Bewegungen und Mimik der Figuren wirken natürlich und besonders bei den Action-Szenen zeigt sich, wozu die moderne Animationstechnik so imstande ist. Da mit dem emotionalen, getragenen Score zudem auch der akustische Rahmen durchaus stimmt, ist auch audiovisuell alles in bester Ordnung.
Fazit:
"Toy Story 3" überzeugt nicht nur animationstechnisch, sondern besonders deshalb, weil er authentische Gefühle vermittelt und dabei zu keinem Zeitpunkt übersentimental oder infantil wirkt. Dabei gibt es keinerlei Qualitätsverlust zu den Vorgängern zu beklagen, womit der Film auf jeden Fall empfehlenswert ist.
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