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"Der Junge ist 17, der spielt nicht mehr mit uns."

Andy hat seine Spielzeuge schon seit einiger Zeit in einer Kiste ausrangiert. Nun, wo er auf das College gehen wird, weist seine Mutter ihn an seine alten Spielzeuge zu sortieren und gegebenenfalls auf dem Dachboden unterzubringen. Nur sein Lieblingsspielzeug Woody will er mit auf das College nehmen. Versehentlich landet die Tüte mit den restlichen Spielfiguren jedoch auf dem Müll statt dem Dachboden. Woody versucht seine Spielzeug-Freunde zu retten. Buzz und die anderen Spielzeuge haben innerhalb der Tüte aber nicht mitbekommen, dass Andy sie nicht absichtlich für den Müll vorgesehen hat. Daher verstecken sie sich nach ihrer Befreiung in einer Kiste mit Spielsachen, die an einen Kindergarten gespendet werden soll. Im Kindergarten werden sie zunächst freundlich von dem Teddybären Lotso anderen Spielzeugen begrüßt. Die dortigen, ungestümen Kinder strapazieren die neuen Spielfiguren jedoch übermäßig, sodass sie sich schließlich entscheiden zu ihrem ursprünglichen Besitzer zurück zu kehren. Lotso lässt sie jedoch nicht gehen und sperrt sie ein.

Mit den ersten beiden Spielzeuggeschichten vor rund 15 und 11 Jahren erschienen zwei technisch einwandfreie Animationsfilme voller Action, ungewöhnlicher Figuren und einer überschaubaren Handlung. "Toy Story 3“ steht dem im Prinzip in Nichts nach. Kenner der beiden Vorgänger dürften jedoch vor allem Neuerungen missen und in ihrem Glauben bestätigt werden, dass Animationsfilme mit klaren Mustern nicht sequelisiert werden sollten.
Woody, Buzz und Co. sind auf ihre Art natürlich immer noch unterhaltsam, in ihrer Einfachheit aber bereits bekannt und damit ausgeschöpft. Selbiges lässt sich über ihr neues Abenteuer sagen. Wie in den ersten beiden Filmen geht es wieder einmal darum, zurück nach Hause zu finden. Spielzeug quälende Kinder gab es schon im Ersten, einen Gegenpart, der sie gefangen hält, bereits im Zweiten. Zu diesen bereits bekannten Handlungssträngen kommen zahlreiche direkt übernommene Sequenzen und Momente, wie beispielsweise Rettungen im letzten Moment, Gruppenplanungen und die Sorgen über eine ungewisse Zukunft.

Was auf den ersten Blick nach einer einzigen frechen Kopie bekannter Elemente aussieht, erweist sich aber dennoch mit fortschreitender Laufzeit als kleine Erweiterung des Spielzeug-Universums. Denn "Toy Story 3" beschreitet die bereits in anderen Animationtsfilmen erfolgreich vermittelten düsteren Pfade. Erstmalig geraten die Spielzeuge in ernsthaft gefährliche Situationen und die Gefangenschaft erinnert geradezu an vergangene politische Modelle. Den kindlichen Aspekt verliert der Animationsfilm dadurch aber nicht, denn der häufig auftretende Humor lockert selbst die dramatischsten Situationen schnell wieder auf.
Einen Gefallen tut sich Pixar mit der hochfrequentierten Einbindung des Humors aber nicht immer. Denn neben frischen und einfallsreichen Ideen erinnern zu viele bereits bekannte Gags immer wieder an die beiden Vorgänger. Dadurch kommt es immer wieder vor, dass der Witz nicht so recht zünden will und dann doch hin und wieder langweilt.

Ähnliches betrifft die Figuren sowie die erzählte Geschichte. Selbst für Neulinge ist die Handlung sehr vorhersehbar, die Figurenkonstellationen erleben nur wenig Abwechslung. Eine große Anzahl neuer Charaktere kommt hinzu, die alle potentiell interessant wirken, größtenteils aber farblos bleiben. Zu sehr verlässt sich Pixar hier auf altbewährtes was auch funktioniert, viele Ansätze aber ungenutzt lässt oder abseits gar zum Kitsch neigt.

Technisch ist "Toy Story 3" auf Höhe der Zeit. Zwar nutzt Pixar erneut die alten Designs mit sehr grellen Farbpaletten und vielen einfarbigen Flächen, bietet daneben aber noch malerische Landschaftsbilder und detailliert ausgebaute Settings. Besonders auffällig sind die flüssigen Animationen der Figuren sowie die nur leicht comichaft designten Gesichter der Menschen, die so bislang in noch keinem "Toy Story"-Film zu bestaunen waren.

Sonderlich originell ist "Toy Story 3“ nicht geworden. Als Familienfilm funktioniert er durch seine amüsanten Figuren, jeder Menge Action und einigen emotionalen Momenten recht gut. Insgesamt betrachtet stellt sich aber dennoch die Frage, ob dieser dritte Teil eine Daseinsberechtigung hat. Pixar hat in seinen kürzlich vorangegangenen Filmen bewiesen, dass sie ein Talent dafür haben, außergewöhnliche Geschichten mit äußerst gut ausgearbeiteten Charakteren zu erschaffen, die sowohl die kleinen als auch die großen Zuschauer durch ihre verschiedensten Erzählebenen fesseln und begeistern können. Die Tatsache, dass "Toy Story 3“ eine Fortsetzung eines sehr eingeschränkten Erzählbereichs ist, lässt von Anfang an kaum Möglichkeiten für Innovationen. Und sich auf solchen Standards auszuruhen hat dieses Animationsstudio eigentlich nicht nötig.

7 / 10

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