Liest man sich einige Kritiken durch, könnte man meinen, manche Personen erwarten bei einem neuen Film von und mit Adam Sandler gehobene Unterhaltung mit reichlich Niveau. Dass dies die falsche Abteilung für den Mann ist, dürfte hinreichend bekannt sein. Also sollte man auch nicht mit großen Erwartung bezüglich Geschichte und Tiefe der Witze an diesen Film rangehen, denn "Kindsköpfe" ist nur eine seichte Familienkomödie. Der Ausklang des Sommers, der als solcher auch fabelhaft in den Kinos zu funktionieren scheint.
Versammelt hat Sandler die Elite der nicht ganz so niveauvollen Komödie. Kevin James, bekannt geworden als König von Queens und mittlerweile gut dabei, eine Kinokarriere als sympathischer Dicker zu starten; Rob Schneider, der gern verhasste Verfechter der manchmal wirklich schmerzenden Klamauk-Komödie; Chris Rock, der nicht ganz so nervige Nachfolger von Eddie Murphy; David Spade, der mir zumindest am meisten in Erinnerung geblieben ist durch seine kurze Filmpartnerschaft mit Chris Farley. Und natürlich Adam Sandler selbst, mal mehr, mal weniger lustig unterwegs.
Die alle waren als Kinder die Stars eines Basketball-Teams, das mit seinem Coach "Sirene" vor vielen Jahren die Meisterschaft gewonnen hat. Besagter Coach ist nun tot, und alle damaligen Freunde versammeln sich mitsamt Frauen und Kindern zur Beerdigung und anschließenden Ferien in einem Sommerhaus zwecks Feier des 4. Juli. Von da an fängt nicht gerade das an, was man unter einer Geschichte versteht. Man kann mir sagen was man will, ein festes Drehbuch wird selten existiert haben, vielmehr wurde die Kamera eingeschaltet und alle durften Faxen machen wie sie gerade lustig waren. Eine ganze Stunde wird nix großartiges erzählt, nur fünf Freunde, die sich allerlei Späße erlauben und über ihre eigenen Witze lachen.
Dem ein oder anderen mag das jetzt nervig vorkommen. Tatsächlich ist es manchmal etwas anstrengend, das die Schauspieler immer über ihre eigenen Witze lachen, von denen die meisten nicht mal sonderlich gut sind. Der Film hat auch Unglück im Glück. Eine fabelhafter Stab von Darstellern wartet auf, doch sind die knappen neunzig Minuten nicht dafür ausgelegt, jedem den gleichen Anteil am Kuchen zu überlassen. Meistens liegt der Fokus auf Sandler und James, Chris Rock zum Beispiel wird immer nur schemenhaft am Rand gezeigt und David Spade darf nur ein paar Single-Gags abspielen. Wirklich nervig sind größtenteils die Frauen der Männer, weil auch sie einen nicht kleinen Prozentsatz der Gags präsentieren, dafür aber einfach nicht geeignet sind. Die Fürze der anstrengenden Oma mal ganz ausgelassen.
Trotzdem punktet der Film ohne wenn und aber mit der Chemie zwischen den männlichen Hauptdarstellern, die auch privat gute Freunde sind. Und so lächerlich manche Witze sind... mein Gott, ich hab trotzdem gelacht. Dieses Pfeil-Roulette zum Beispiel, wenn jemand einen Pfeil mit Bogen gerade nach oben schießt und der gewinnt, der am längsten mutig an seinem Platz stehen bleibt. Auch schön die Episode im Wasserpark. Gefühlvolle Facetten hat das ganze natürlich auch wieder, ausnahmsweise mal durchaus nicht aufgesetzt. Thematisiert wird grundsätzlich die eigene Jugend und der fremdschämende Blick auf die eigenen Kinder, die statt draußen zu spielen lieber sinnlos im Wohnzimmer sitzen, PS3 spielen und der Nanny SMS schicken, was sie zu trinken und zu essen haben wollen. Ich hatte zwar noch nicht die Ehre, aber Väter werden hier ein Lied von singen können.
Letztlich ist "Kindsköpfe" eigentlich nur eine recht belanglose Sommerkomödie, die aber ungeheuren Spaß macht, wenn man sich drauf einlässt. Allein die Harmonie der Hauptdarsteller untereinander ist den Kinobesuch wert. Eine aufgesetzt dramatische Handlung (wie bei Kevin James' jüngsten "Der Kaufhaus-Cop" und Sandlers "Funny People") gibt es zum Glück nicht, stattdessen beschränkt man sich auf eine ausgelassene Wiederentdeckung der entfernten Jugend und dem Kind im Manne. Wer so einen Film ohne tiefe Botschaft nicht ernst nehmen kann, der lässt es eben einfach sein.
7/10