Tom Jeffers ist ein erfolgloser Architekt und Tüftler, der einen futuristischen Flugplatz plant, dafür aber keine Geldgeber findet und dementsprechend am Hungertuch nagt. Seine Frau Geraldine ist mit der Gesamtsituation unzufrieden, verlässt ihn und macht sich auf nach Palm Beach, um sich dort scheiden zu lassen (kapiere allerdings nicht ganz, warum es dort sein muss). Stattdessen will sie sich einen reichen Millionär angeln, allerdings nicht nur zu ihrem eigenen Wohl, sondern auch ihrem Mann zuliebe, den sie auf die Art finanziell zu unterstützen gedenkt. (Hat ein bisschen was von Prostitution, nicht?)
Für den ersten Teil der Strecke reist Geraldine mit einem Jagdclub im Zug mit, wo sie dann auch John D. Hackensacker kennen lernt, seines Zeichens einer der reichsten Männer der Welt. Sie erzählt ihm, sie sei auf der Flucht vor ihrem bösartigen Ehemann, John nimmt sie auf seiner Jacht mit nach Palm Beach, wo er zufällig ein Refugium hat. Natürlich verguckt er sich in sie…
Tom reist indes ebenfalls nach Palm Beach, wo Geraldine ihn aber vorsorglich als ihren Bruder ausgibt. Ebenfalls vor Ort ist Prinzessin Centimillia, die Schwester von Hackensacker, die zwei bis drei Augen auf Tom wirft…
Als sich 1934 in Hollywood der Production Code durchsetzt und „moralisch bedenkliche“ Darstellungen von Gewalt, Drogenkonsum oder Nacktheit verboten werden, wird die Screwball Comedy (deren Blütezeit bis ungefähr 1945 dauert; es gibt aber später immer wieder mal Versuche einer Renaissance des Genres) aus der Taufe gehoben: Diese Filme drehen sich mit Vorliebe um Liebesbeziehungen und Sex, zeigen freilich nichts Explizites, sondern beschränken sich auf Andeutungen und Dialoge.
So beispielsweise auch hier, wenn Geraldine ihren Mann mit einem Haufen Geld (der zum Bezahlen der gröbsten Schulden reicht) überrascht, der von einem mitleidigen alten Millionär stammt, und Tom sie verdächtigt, mit besagtem Millionär dafür in die Kiste gestiegen zu sein. Oder wenn Geraldine in ein Schlafabteil über dem von Hackensacker klettert, dieser aus seinem eigenen Abteil guckt und so seinen Kopf zwischen ihren Beinen hat oder wenn Hackensacker Geraldine ein Ständchen bringt, während diese es, wie der Zuschauer weiss, mit ihrem Noch-Ehemann treibt.
Auch für ihren Wortwitz ist die Screwball Comedy bekannt und PALM BEACH STORY hält da mit (wobei es durchaus furiosere Vertreter des Genres gibt), fährt zudem einige Slapstickeinlagen auf (Höhepunkt ist wohl die alkoholisierte Jagdgesellschaft, die beim Singen von ihren jaulenden Hunden begleitet wird oder ihr Abteil einer Wette wegen zu Klump schiesst). In den Hauptrollen haben wir, wiederum genretypisch, eine freche, selbstständige Frau (Superstar und Oscarpreisträgerin Claudette Colbert, geborene Französin, unter anderem zu sehen als Cleopatra im gleichnamigen Film von 1934) und einen netten, aber leicht vertrottelten Kerl (Joel McCrea, ebenfalls ein grosser Star vor allem der Western-Abteilung). Eine ähnliche Konstellation auch beim Geschwisterpaar John (Rudy Vallee, berühmter Musiker und Komödiendarsteller seiner Zeit) und Centimillia (Oscarpreisträgerin Mary Astor, beispielsweise bekannt aus RED DUST oder THE MALTESE FALCON). Etwas grenzwertig ist Comic Relief Toto (der deutsche Sig Arno), Pseudo-Franzose und Begleiter von Prinzessin Centimillia.
Das Tempo ist recht hoch und die 80 Minuten Laufzeit gehen schnell vorüber, der Soundtrack spielt ein paar gut gelaunte Stücke. Besonders erwähnen möchte ich den hübsch selbstreferentiellen Vorspann, der die Vermählung der beiden Protagonisten als Hochzeitskomödie in extrem geraffter Form präsentiert (schön gestaltet sind übrigens auch die Credits). Das Happy End schlussendlich kommt völlig aus dem Nichts und ist so was von unrealistisch, dass es nur noch als Parodie verstanden werden kann.
Was mir noch aufgefallen ist: In diesem Film kommen zur Abwechslung mal ein paar Afroamerikaner vor, allerdings nur als Bedienstete oder Comic Reliefs (und meist als beides gleichzeitig).
Alles in allem ist THE PALM BEACH STORY eine durchaus unterhaltsame Komödie mit ein paar sehr behutsam subversiven Anklängen. Es gibt spektakulärere welche auch aus der gleichen Zeit, aber einen Blick wert ist der Film auf jeden Fall.