Bei manchen Comic-Verfilmungen entdeckt man sogleich die Eigenart der Vorlage, sofern diese denn überhaupt bekannt ist. Adeles ungewöhnliche Abenteuer von Jacques Tardi dürfte hierzulande weniger populär sein, doch aus dem Bonus-Material geht recht deutlich hervor, wie äußerst zufrieden Tardi mit der Arbeit von Luc Besson sein muss.
Paris, um 1911: Aus dem Dinosaurierei eines Museums schlüpft plötzlich ein Pterodactylus und macht fortan die Straßen unsicher, während sich Schriftstellerin Adele (Louise Bourgoin) in Ägypten befindet, um den Leibarzt von Ramses nach Paris zu karren, der vom selben Professor reanimiert werden soll, der auch für die Reanimation des Dinosauriers verantwortlich ist. Und dann gibt es noch Adeles Schwester, die seit fünf Jahren regungslos verharrt…
Zwei Bände wurden in einen Film gepackt und das merkt man der etwas hektischen Handlung im Verlauf auch deutlich an, da es eine ganze Weile benötigt, bis die Stränge zusammenfinden und ziemlich gegen Ende ein neues Kapitel eingeleitet wird.
Zunächst der Flugsaurier und die etwas behäbige und manchmal reichlich tollpatschige Vorgehensweise der Polizei und auf der anderen Seite Adele in Ägypten im Innern einer Pyramide, womit man nicht von ungefähr an eine Mischung aus „Tomb Raider“ und „Indiana Jones“ erinnert wird, da es neben dem Bösewicht auch einige Fallen und Fallstricke gibt.
Mit der Hauptfigur wird man indes rasch warm, Adele ist eine leicht menschenfeindliche, aber direkte Person, oft schnippisch, leicht flapsig, zuweilen überschwänglich, aber immer direkt und sich ihrer Ziele bewusst. Da gestaltet es sich bisweilen recht witzig, wenn sie etwa in verschiedenen Verkleidungen versucht, einen zum Tode verurteilten aus dem Knast zu schleusen und immer wieder mit einem Arschtritt hinaus befördert wird. Sie scheut keine Gefahren und lässt sich sogar auf den Pterodaytylus ein, um einem Freund das Leben zu retten.
Der eigentliche Hingucker des Streifens ist jedoch die Maske. Bis zu fünf Stunden saßen manche Darsteller in der Modellierung, um aus einem Mann mittleren Alters einen Greis zu zaubern, der einschließlich der schrumpeligen Fingerkuppen auch haargenau so aussieht.
Große Ohren, knubbelige Nasen, faltige Haut, - anno 1911 sahen die Menschen nun mal ein wenig anders aus, im Comic ohnehin und das ist der Maske bravourös gelungen, denn so viele schräge Gestalten sah man schon länger nicht mehr, außer vielleicht bei Harry Potter.
Auch die Ausstattung kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen. Ob es sich um die schlichte Wohnung Adeles handelt oder Paris mit seinen zum heutigen Vergleich fehlenden oder ergänzten Gebäuden: Das verbreitet Stimmung, ist grundsolide gefilmt und weiß in seiner ansonsten eher temporeichen Vorgehensweise einen leichten Ruhepool zu setzen.
Leider ist das Skript leicht überladen, weshalb einige Handlungselemente etwas zu kurz kommen wie der Bösewicht, der nur zu Beginn und gegen Ende auftaucht oder der gewiss interessante Hintergrund des telepathisch veranlagten Professors, der hier nur minimal gestreift wird.
Auch das Verhältnis zwischen Adele und ihrer kranken Schwester Agathe hätte etwas mehr Substanz in Form von Flashbacks vertragen können, wie die Deleted Scenes veranschaulichen.
Familientauglich gestaltet sich das ganze schon, nur ist es schwer eine spezielle Zielgruppe auszumachen, da die Geschichte häufig zwischen Abenteuer, seichtem Horror, beschwingter Komödie und Ansätzen von Fantasy pendelt.
Dennoch erweist sich das Gesamtergebnis als überaus unterhaltsam, trotz kleiner Mankos und manchmal leicht plumper Humoreinschübe. Denn der Saurier wurde fast so toll animiert, wie die Mumien, die im letzten Drittel ins Spiel kommen und für einige Schmunzler sorgen und auch ein paar groteske Szenen erheitern das turbulente Abenteuer merklich.
Diverse Cliffhanger machen auf jeden Fall Lust auf mehr, doch bei Bessons Akribie dürfte es noch einige Zeit dauern, bis weitere Geschichten von Adele zu erleben sind, wenn überhaupt.
Vielleicht nicht sonderlich origineller Stoff und auch nicht tief greifend emotional, doch recht kurzweilig gestaltet, mit interessanten Figuren versehen und für Freunde kunterbunter Abenteuer gewiss eine Empfehlung.
7 von 10