4
Als kleiner Bengel sind mir mehrere Ausgaben der Adele-Comics von Jacques Tardi in die Hände gefallen. Die sind düster, makaber, blutrünstig und absolut nicht kindgerecht - und haben mich damals schwer beeindruckt. Und obwohl sich einige Motive der Comicreihe (der Flugsaurier und die Mumien) in den Film hinüber retten konnten, ist von der unheimlichen Stimmung nichts übrig geblieben. Denn die Verfilmung ist bloß ein seichter Kostüm- und Abenteuerfilm geworden, pompös, mit viel lauter und dummer Action und von Anfang bis Ende bemüht lustig (allerdings nie wirklich witzig). Mit anderen Worten: Es ist ein hohles, schnörkelloses Produkt, wie es Hollywood andauernd auf den Markt wirft, mit allen Klischees, die man von so einem Machwerk erwarten würde. Selbst die in der Vorlage so nachdenkliche und ernste Adele ist nun nur noch eine Sprüche klopfende, kesse Powerfrau mit einem Tick für alberne Verkleidungen.
6
Adéle ist eine zweiseitige Medaille. Einerseits wurde ich von der schwungvollen Abenteuergeschichte, die es ihre Heldin eben nicht wie üblich in die entlegensten Winkel der Welt verschlägt, positiv überrascht. Auch gefiel mir die toughe Hauptfigur überaus gut. Bessons Werk bleibt dabei recht oberflächlich, dem tut auch die Dramatik in den Motiven Adéles keinen Abbruch. Für seichte Unterhaltung völlig ausreichend! Bitter stößt mir auf, dass die erweckten Mumien - ein Blick auf Filmplakat oder Cover reicht aus, um hier keinen Spoiler vorwerfen zu können - scheinbar fließend Französisch sprechen und die zeitgemäße Verhaltens-Knigge in petto haben. Dieses ständige "Warum ist das so?" im letzten Drittel hat mir den Spaß deutlich getrübt. Ein detailversesseneres Skript und Adéle hätte bei mir abgeräumt. 6/10
8
Hin und wieder kommen immer wieder einmal Fantasy-Movies auf den Markt, die mich tatsächlich positiv überaschen. So ist es auch mit dem neusten Werk von Luc Besson, der mich mit seinem letzten Film, Arthur und die Minimoys 2, eher nicht beeindrucken konnte. Adele wiederum scheint fast wie eine Entschuldigung an seine Fans zu sein. Herrlich frisch und unkonventionell lässt der Schöpfer seine liebevoll gezeichneten Charaktere in ein märchenhaftes Abenteuer, welches einfach nur Spaß macht und immer wieder mit herrlichen Humoreinlagen seine Laufzeit wie im Fluge vergehen lässt. Einzig der etwas zäh geratene Anfang trübt das Bild ein wenig. Trotzdem ein durchaus gelungenes Fantasy-Märchen, das man allerdings eher mit älteren Kindern besuchen sollte. Auch wenn die FSK eine Ab 6 Freigabe vergeben hat.