Das Great Barrier Reef an der Nordostküste Australiens, das mit rund 1000 Inseln das größte Korallenriff der Erde ist, dient als Kulisse für einen Geisterfilm, was statt Grusel zunächst einmal Fernweh verursacht, da Regisseur Bill Bennett die Szenerie fast wie einen gut komponierten Werbeclip einfängt. Seine Geistergeschichte will indes nie so recht an Fahrt aufnehmen.
Beth (Geraldine Hakewill) und ihr Freund Harry (Henry James) gönnen sich zehn Tage Urlaub auf einer kleinen einsamen Insel. Doch bereits am ersten Abend im Zelt vernehmen sie merkwürdige Geräusche und entdecken am nächsten Tag Fußspuren. Und dann sind da noch zwei russische Fischer, welche ebenfalls für Unzulänglichkeiten sorgen…
Leuchtender konnte man diesen Teil des Pazifischen Ozeans kaum einfangen, denn das Türkis des Wassers glitzert enorm im Kontrast zur kleinen Sandinsel, dessen Zentrum leicht mit Bäumen bewachsen ist. Doch was macht unser junges Paar als erstes? Anstatt zunächst die Insel zu erkunden, wälzt man sich am Strand, geht schwimmen und baut das Zelt auf.
So werden die beiden eigentlichen Hauptakteure nicht allzu günstig eingeführt: Sie ist immerhin noch Meeresbiologin und erkennt beim Fischen den äußerst giftigen Steinfisch, doch er ist eigentlich nur ein Lutscher, zu dem man keine Bindung aufbauen kann.
Allerdings gelingt es der Erzählung recht gut, die bedrückende Stimmung langsam zu steigern, kleine mysteriöse Einlagen einzustreuen und das Misstrauen des Paares stets zu intensivieren, wobei man ja nicht zwangsläufig auf der Insel bleiben müsste.
Mal hängen Klamotten in den Bäumen, dann kleine Fußspuren im Sand, ein paar Knochen im Wald und letztlich eine Hütte mit angrenzendem Grab, dem Zentrum des Geisterspuks.
Unser Paar erkennt die Zusammenhänge allerdings viel später, als der halbwegs geübte Zuschauer, der bei den unberechenbaren Russen bis dato weitaus mehr mitzittert.
Leider wird das letzte Drittel etwas übers Knie gebrochen, der Showdown erhält kaum eine dramaturgische Steigerung und auch der Ausgang ist weit im Vorfeld absehbar.
Die Hintergrundgeschichte wirkt ein wenig altbacken, die Umsetzung auf auditiver Ebene, mit Soundeffekten und einem sehr spärlichen Soundtrack ist hingegen sehr gut gelöst worden und kann zumindest auf dieser Ebene ein wenig Atmosphäre schüren.
Darstellerisch überzeugt Geraldine Hakewill deutlich besser als ihr männliches Pendant, was allerdings auch an den recht unterschiedlichen Figurenzeichnungen liegt, da Harry in zu vielen Situationen zu passiv reagiert. Grundlegend arbeitet die Kamera solide, allerdings verliert man bei den wenigen Temposzenen ein wenig die Orientierung im Halbdunkel des Waldes und auch die oft zu große Distanz zu den Figuren ist nicht immer von Vorteil.
„Dark Beach“ ist einer dieser Streifen, die mit wenigen Mitteln passable Unterhaltung liefern, obgleich noch jede Menge Luft nach oben gewesen wäre. Die Schockeffekte und Gruselmomente halten sich arg in Grenzen, das Mitfiebern mit den Figuren ebenso, allerdings kann die Kulisse im Gesamtbild einiges kaschieren, während der Sound durch die Bank gelungen ist.
Aufgrund der schwachen Charakterzeichnungen und der mangelnden Chemie zwischen den Mimen offenbart sich das auffälligste Manko des Streifens, der aus guten Einzelideen nicht genug herausholt, um überdurchschnittliche Unterhaltung zu liefern.
5 von 10