Review

Ach, selige Spät-in-der-Nacht-Ausstrahlungen, vor 30 Jahren hast du mir noch ungeahnte Perlen beschert, jetzt gibt es so etwas wie „Dark Beach“.
Darf man natürlich nicht falsch verstehen, denn es handelt sich nicht um einem beleidigend schlechten Film, sondern um ein offenbar für kleines Geld umgesetztes Projekt, dass auf dem Papier durchaus seine Meriten hat und den Zuschauer auf mehr hoffen lässt, in der Umsetzung aber stark abbaut.

Nun ist der australische Regisseur und Produzent Bill Bennett auch nicht versierte Horrorexperte, aber doch ein erfahrener Regisseur von 16 Filmen, ein bißchen mehr kreativer Einfallsreichtum hätte diesem Sujet allerdings gut getan.
Was bei uns videothekenkonform an Titel eingedunkelt wurde, nennt sich im Original schlicht und einfach „Unbewohnt“ und meint damit die kleine Koralleninsel des Great Barrier Reefs, auf der sich ein junges Pärchen für zehn Tage Campingurlaub absetzen lässt. Sie ist offenbar der intellektuelle und aktivere Part des Pärchens, er hat sich diesen Urlaub ohne Studium und Technik stark erbetteln müssen.
Ausgerüstet mit allem Nötigen inclusive Satellitentelefon, geht es sehr idyllisch los, doch dass man nicht allein auf dem Eiland ist, wird auch bald überdeutlich, als man eine Hütte und ein Tagebuch plus ein Grab findet. Später kommen dann noch zwei durchgeknallte griechische Fischer ins Spiel, die ein bißchen unüberdachte „home invasion“ betreiben und den beiden irgendwann Schlimmes wollen. Aber das ist schlussendlich gar nicht der Knackpunkt der Story, denn auf der Insel spukt es auch noch…

Das darf dem Leser schon etwas überladen vorkommen für so einen kleinen Aussteigergrusel, doch insgesamt ist „Uninhabited“ im Wesentlichen stinklangweilig. Erstmal werden diverse kostbare Minuten mit Ankunft, Schmusen und Herumflachsen verballert, wobei schon mal mehr als ersichtlich ist, dass die gute Beth als Meeresbiologiestudentin gut vorbereitet ist (sie weist auch schon mal auf einen tödlich giftigen Steinfisch im seichten Wasser hin), während Harry zwar schon mal Campen war, aber eigentlich ein lernresistenter Possenreißer ist, der nun so gar nicht zu ihr passt (außer in ihr Höschen vielleicht).
Irgendwann wird dann vor dem Zelt umdekoriert, ein Unbekannter nimmt Videofilme der Schlafenden auf und dann gibt es da auch noch die kleine Hütte im Wäldchen samt Grab. Natürlich geht das Telefon als Erstes flöten und natürlich hat man die grunzigen Griechen im Verdacht, die als Fischer schon aus Berufsgründen zu allerlei Grausamkeiten fähig sind.

Wer erfolgreich wach bleibt, darf sich dann irgendwann daran erfreuen, dass angeblich der Geist einer Frau auf der Insel umgeht, die mal in einen Steinfisch getreten ist und dann auch noch von ihren Begleitern dauervergewaltigt wurde, weswegen sie jetzt jeden Mann killt, der seinen Fuß auf die Insel setzt. Entgegengesetzt zum intellektuellen Niveau fährt ausgerechnet Beth auf die Story ab, während Harry ganz doll dicht macht. Und weil das Pärchen insofern doch mehr trennt als verbindet, folgt nicht mal Beth der Fluchandrohung mit besonderer Sorgfalt.

Das hätte alles noch einen kleinen passablen Film abgeben können, wenn der Plot nicht so dröge vor sich hin dümpeln würde und Bennett mit den ganzen Versatzstücken irgendwas anfangen würde. Aber der Spuk bleibt unterentwickelt, die Umsetzung des Fluch erscheint vom Zeitpunkt her irgendwie beliebig und wenn ich schon einen Geist präsentierte, dann sollte ich da nicht einfach eine stinknormale Schauspielerin hinstellen, die ein Messer hält.
Was hätte man mit verzerrter oder irrtümlicher Wahrnehmung, mit akustischen und optischen Highlights draus machen können (ähnlich etwa wie „Long Weekend“), stattdessen geht alles genau in die erzählerische Sackgasse, die sich nach und nach andeutet.
Erschwerend kommt hinzu, dass Henry James, der den lieben Harry spielt, einer der miesesten Darsteller unseres Jahrhunderts ist, einen zappeligen Grimassierer, der nie einen passenden Gesichtsausdruck hinbekommt und seine Gesichtsmuskeln nie unter Kontrolle kriegt, während er meistens nur ironisch gemeinten Kokolores von sich gibt.
Natürlich hat das alles auch noch eine Pointe, die reißt aber auch nicht eben zu Begeisterungsstürmen hin.

Eigentlich wären Location, Struktur und Ausgangsidee eine sichere Bank, doch „Dark Beach“ strapaziert weniger die Nerven als vielmehr die Geduld und kann kaum fesseln, obwohl er hier und da so seine Momente hat. (3/10)

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