Review

Wenn der Aggressor zahnlos wird

„Kickboxer“. Eine Serie, die einst von Van Dammes fliegendem Spagat und seiner eindrucksvollen Fähigkeit, Kokosnüsse mit den Schienbeinen zu massakrieren, getragen wurde – und die danach in eine Art videothekengetränkte Parallelwelt abbog, in der Logik und choreografischer Feinschliff vor der Tür stehen mussten. Nachdem Jean-Claude Van Damme nach Teil eins das Feld räumte, erbte Sasha Mitchell die Handschuhe – und gab als David Sloan in „Kickboxer 2“ und „Kickboxer 3“ einen beachtlichen Ersatzmann ab. Hier gibt es also nun die vierte Runde dieses filmischen Schlagabtauschs und das dritte Mal, dass Sasha Mitchell als David Sloan in den Ring steigt. Regisseur Albert Pyun, der nach Teil zwei wieder das Ruder übernimmt, versucht erneut, Action, Martial Arts und Crime-Plot in seinem unverkennbaren Stil zu kombinieren. „Kickboxer 4 – The Aggressor“ ist dabei weniger ein rechter Haken als ein müdes Schlenkern der Faust. Ironisch, dass der Titel „The Aggressor“ lautet, wo doch kaum etwas weniger aggressiv wirkt als das, was hier als Action und Story verkauft wird.

Die Handlung verwurstet Altes, ignoriert Etabliertes und präsentiert Neues, das in der Logik der Reihe keinerlei Sinn ergibt. David Sloan wird in diesem Teil in eine Undercover-Mission verwickelt. Er soll sich in ein brutales Turnier einschleusen, um seine entführte Frau zu retten, und den mal wieder übermächtig agierenden Tong Po zu Fall zu bringen, der sich – warum auch immer – zu einer Art martialischem Drogenkartell-Pate im Wüstennirgendwo hochgeschummelt hat. Die Atmosphäre changiert zwischen pseudo-exotischem Turnierflair und holprigem Guerilla-Action-Geblubber, ohne jemals das zu erreichen, was der Reihe einst ihre Stärke verlieh. Was bleibt, ist ein Flickenteppich, der sich selbst zu ernst nimmt, um als Trash zu funktionieren, aber zu inkonsequent ist, um als ernsthafte Martial-Arts-Action durchzugehen.

„Kickboxer 4“ wirft dem Publikum zwar zahlreiche Fights vor die Füße, beinahe im Minutentakt, doch Qualität schafft der Film daraus nicht. Die Kämpfe sind choreografisch erschreckend fade und oft uninspiriert gefilmt. Während gerade die ersten beiden Teile brutale, intensive Momente boten, bleibt „The Aggressor“ erstaunlich zahm. Weder ist die Action besonders blutig, noch vermittelt sie die Brutalität oder Eleganz, die Martial-Arts-Filme der 90er oft auszeichneten. Sie lassen jene Präzision, Wucht und Dynamik vermissen, die Genre-Kenner erwarten dürfen. Dem Turnier selbst fehlt es an charakterstarken Gegnern, an ikonischen Moves, an dramaturgischen Peaks.

Albert Pyun ist ein Filmemacher, der bei aller Trashigkeit zumindest visuell oft interessante Ansätze zeigte. Hier aber wirkt er, als hätte er mit angezogener Handbremse gedreht. Vielleicht lag es am Budget, vielleicht an der Produktion, vielleicht am Drehbuch, doch die Kameraarbeit ist weitgehend funktional, selten inspiriert und nur selten mehr als ein reines Abfilmen der Action. Pyuns sonst so markante Handschrift – experimentelle Lichtsetzung, ungewöhnliche Perspektiven, leicht futuristische Stilfragmente – bleibt hier auf ein Minimum reduziert.

Sasha Mitchell macht seinen Job, wie schon in den Teilen davor, ordentlich. Er bringt eine gewisse Ruhe und Bodenständigkeit mit, die David Sloan zumindest eine Grundsympathie verleiht. Doch auch Mitchell kann gegen das wackelige Gerüst dieses Films nicht ankämpfen. Tong Po wird hier nicht mehr von Van Dammes Buddy Michel Qissi verkörpert, sondern von Kamel Krifa, der wie eine Karikatur der Originalfigur wirkt. Optisch wurde er nur notdürftig angepasst, was zu einer Art „Discount-Tong-Po“ führt, der weder bedrohlich noch charismatisch wirkt. Kamel Krifa trägt weder die physischen Attribute noch die Ausstrahlung, um die Figur überzeugend zu verkörpern.

Fazit

„Kickboxer 4 – The Aggressor“ setzt auf mehr Kämpfe und mehr Drama – erreicht aber seltsamerweise weniger als seine Vorgänger. Die Story ist wirr, das Drehbuch hanebüchen, die Atmosphäre flach, die Action schwach choreografiert und der neue Tong Po eine herbe Enttäuschung. Am Ende bleibt ein Werk, das nur die hartgesottensten B-Movie-Pyunderen begeistern dürfte – oder jene, die in den Tiefen des 90er-Jahre-B-Actionkinos nostalgisch stöbern. Für alle anderen ist „The Aggressor“ ein laues Lüftchen, das die eigenen Ambitionen kaum in Bewegung setzt.

Details
Ähnliche Filme