Nichtsnutze in Ruinen
Bitterböses und drastisches Unterschichtendrama von meisterhafter Statue direkt zu Beginn seiner Karriere: der berühmt-berüchtigte Pier Paolo Pasolini erzählt in "Accattone" von einem armen Mann mit dem titelgebenden Spitznamen, der sich in einem Vorort von Rom durch's Leben schlägt (u.a. als Zuhälter) und dessen Beziehungen zu Frauen sich und ihn über die Zeit verändern...
Kompromisslos wie Pasolini
Ein heftiges Charakterporträt. Und auch Porträt einer Stadt, einer Zeit, einer Epoche, einer Gesellschaftsschicht. Pasolini geht hier schon in die Vollen, das spürt man sofort. Pasolini brachte mit "Accattone" eine neue Art von Dunkelheit und Ehrlichkeit in den Neorealismus, die schon mehr als andeuten sollte, was er später für Filme machen und was für einen Ruf er "genießen" sollte. "Accattone" ist ein Brett. Sicher nicht gänzlich frei von Hoffnung und sogar religiösen Motiven. Aber seine Schatten und Makel bzw. die seiner Subjekte sind dermaßen grabentief und erbarmungslos, dass man um ein ungutes Gefühl in der Magengegend nicht herumkommt. Und das ist ein ganz anderes Gefühl als etwa die Armut eines "Fahrraddiebe" noch im Jahrzehnt zuvor übertragen hat. Dazu kommt Pasolinis genialer Blick und Winkel als Maler, den er ideal auf die Leinwand überträgt und einen ultrahübschen Film schafft. Dazu kommen Performances von den jungen Männern für die Ewigkeit. Citti erinnert oft schon an Tony Montana aka Pacino in Höchstform zwei Jahrzehnte später. Nur noch deutlich trauriger und melancholischer und wesentlich tiefer in der Hackordnung. "Accattone" streift das Gangstergenre, er nimmt keine Blätter vor den Mund, er ist sehr kritisch gegenüber Italien und den damaligen Verhältnissen. Und er wird auch heute keinen kalt lasse, das verspreche ich. Ein enorm wichtiger Film für das italienische Nachkriegskino - aber weit mehr als nur ein rein zeitgeschichtliches Ausrufezeichen!
Vom Schornstein bis zum Beileid
Fazit: wenige Regiedebüts waren je besser... Pasolini direkt mit einem semi-neorealistischen Kracher zu Beginn. "Accattone" ist mächtig und (nicht nur) für's italienische Kino unumgänglich, enorm einflussreich! Noch immer verdammt gut, packend, düster. Niederschmetternd.