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Die fünfjährige Tochter einer Lehrerin kommt bei einem tragischen Unfall zu Tode. Doch war es wirklich ein Unfall? Die Nachforschungen der Lehrerin ergeben, dass zwei ihrer Schüler am Tod ihrer Tochter Schuld sind, und so beginnt der Film damit, dass die Lehrerin am letzten Schultag vor den Ferien, die beiden Mörder vor versammelter Klasse benennt. Doch dem nicht genug: Die Lehrerin infiziert die beiden Jungen mit HIV. Nach den Ferien hat die Klasse einen neuen Klassenleiter, doch das Vermächtnis ihrer Lehrerin hängt wie ein dunkler Schatten über der Klasse. Ein von Mobbing geprägtes Leben in Isolation erwartet die Kindsmörder, die mal mehr, mal weniger Reue zeigen. Und doch tragen beide Verantwortlichen ihr ganz eigenes Schicksal mit sich herum, wodurch es zu der Tat kam…

CONFESSIONS (vom Regisseur von KAMIKAZE GIRLS und MEMORIES OF MATSUKO) ist eine beinharte Mischung aus Heranwachsenden-Drama und Rache-Thriller in OLDBOY-Manier. Der Film beginnt damit, dass die Lehrerin die beiden Mörder ihrer Tochter vor versammelter Klasse anprangert. Man fragt sich folglich, wie der Film wohl weitergehen wird. Doch anhand vieler Rückblenden wird die Vielschichtigkeit der Tat aufgedeckt und die Charaktere der einzelnen Täter bis ins Tiefenpsychologische seziert. Der Film entbehrt einer zentralen Figur. Nacheinander erzählen verschiedene Rollen über ihren Werdegang und Leidensweg. Der eine Täter entpuppt sich als von seinen Eltern verstoßenes Kind, das ständig um Anerkennung ringt und nicht die Spur von Schuldgefühlen zeigt. Der andere als verstörter Einzelgänger, der sich nach einem Freund sehnt.

Das Japan das Land ist, in dem sich anscheinend grundsätzlich jeder als Versager fühlt, kommt in CONFESSIONS mal wieder überdeutlich zur Geltung. Ferner liefert der Film viele depressive Jugendliche und mehr Schuluniformen als in BATTLE ROYALE. Der Film erzählt seine tragische Geschichte in wahrlich beeindruckenden Bildern, fachmännisch fotografiert und mittels Zeitlupe mit ordentlich Melancholie und Weltuntergangsstimmung unterlegt. So prasselt der Regen in Zeitlupe vom Himmel, ein Schmetterling hält kurz auf einer Fingerspitze inne und ein Schüler verfällt in einen wilden Blutrausch, wobei dann natürlich auch das Blut in Slow-Motion spritzt. CONFESSIONS ist allgemein ein Meister darin, das Seelenleben und innere Vorgänge nach außen zu kehren bzw. es sichtbar, sinnbildhaft darzustellen. Dass dabei ein Drama entsteht, das sowohl zum Mitfühlen zwingt (vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an die dargebotenen Jugend-Martyrien, wie Einsamkeit oder das Gefühl der Wertlosigkeit), als auch ein Rache-Thriller, der mit blutigen Momenten nicht gerade geizig umgeht (eine zerhackstückelte Schülerin im Kühlschrank inklusive), ähnlich einem depressiv angehauchten Werk von Shion Sono, nur wesentlich benutzerfreundlicher, ist eine frappierende Leistung.

Heulende Japaner: (+)(+)(+)(+)(-)
Gewalt: (+)(+)(+)(-)(-)
Zeitlupe: (+)(+)(+)(+)(-)

“Betrachte das als meine Rache und deine Hölle.”

Fazit:
Ein Rache-Drama in malerisch schönen Bildern. Selten war ein Drama so blutig.

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