Review

Teens wollen in ihrer ungestümen Abenteuerlust eine mystische Kreatur sichten und werden dabei selbst zur potentiellen Beute, - dieses Grundgerüst nährt seit annähernd drei Jahrzehnten das Subgenre des Monsterhorrors im Crossover mit dem stinknormalen Teen-Slasher.
Dabei treten zuweilen regionale Legenden in den Vordergrund, mal geht es um Werwölfe, manchmal sorgen auch globale Klimaveränderungen für das Auftauchen einer bereits totgeglaubten Kreatur.
Beim Debüt des Briten Simeon Halligan wird hingegen erst spät klar, wessen sich die Jugendlichen erwehren müssen, was die geneigte Zielgruppe nicht ausschließlich mit Wohlwollen quittieren dürfte.

Hauptfigur Sophie (Holly Weston) wird allerdings klassisch in Form eines Kindheitstraumas eingeführt, da sie als Mädchen ständig von Alpträumen in Form einer Bestie unter ihrem Bett geplagt wurde.
Mittlerweile erwachsen, kann sie vier Freunde dazu überreden, in den Wäldern Nordwales` zu campen, um zumindest kameratechnische Beweise eines blutrünstigen Monsters einzufangen, welches bereits vermehrt das Vieh einiger Landwirte gerissen hat.
Eine Spur führt sie zu einem verlassenen Waisenhaus…

Leider kann sich niemand der übrigen Figuren etablieren, es finden sich lediglich Stereotypen wie die beste Freundin, zwei Poser und der schüchterne Nerd mit der Kamera.
Als weitere Randfiguren treten ein Priester und ein offenbar Geisteskranker in Erscheinung. Beide wissen von der Existenz der Bestie, doch der Geistliche wird dem Geschehen erst recht spät hinzugefügt, während die Rolle des Irren lange Zeit nebulös bleibt.
Was wiederum des Erscheinens der eigentlichen Bedrohung geschuldet ist, worüber man, um nicht den kompletten Hintergrund der Geschichte zu spoilern, besser so wenig wie möglich verrät.

So verbringen wir einige Zeit mit der kompletten Gruppe im Wald, diverse Spannungen kommen schnell auf, da Sophie recht verbissen an ihrem Vorhaben festhält, während die Jungs nur Erobern und Protzen wollen. Nach einer halben Stunde ist man immerhin soweit, das Geschehen in die verlassenen Räume des einstigen Waisenhauses zu verlagern, wo dann erstmals so etwas wie eine beklemmende Atmosphäre zu verspüren ist.
Die Gruppe ist getrennt, Sophie findet sich eingesperrt wieder, während die übrigen erst am nächsten Morgen mit einer Suchaktion starten.

Im Mittelteil herrscht phasenweise ein Mangel an spannenden Momenten, auch wenn unsere Sympathieträgerin mehrere Fluchtversuche aus dem Gefängnisraum unternimmt und den Irren bei merkwürdigen Ritualen und debilen Selbstgesprächen beobachtet.
Viele Szenen ergeben auf den ersten Blick keinen Sinn, da ihnen ein kausaler Hintergrund fehlt und man bis zum letzten Drittel tatsächlich nicht so genau weiß, von wem die wenigen Splattereffekte wie vier Halsbisse, ein Biss in den Arm und andere kleine Nicklichkeiten ausgehen.
Der Handlung fehlt zuweilen der Fortschritt, weil der Showdown augenscheinlich mindestens zwei Wendungen bereit halten dürfte, welche man sich tatsächlich für die letzten erklärenden Minuten aufbewahrt.

Und an diesen könnten sich letztlich die Gemüter spalten, da man zwar recht konventionell an der Temposchraube dreht und auch nicht am Klischee des scheinbar unkaputtbaren Endgegners rüttelt, doch man bindet auch erklärende und gleichermaßen emotionale Hintergründe ein, die für die Aufklärung des kompletten Sachverhalts unabdingbar sind.
Neu erscheinen die Ideen dahinter zwar nicht, doch der Kontrast zum üblichen Gemetzel mit steifen Verlaufsformen wirkt ansatzweise erfrischend.

Ein Burner ist „Splintered“ deshalb nicht. Dafür performen annähernd alle Darsteller zu hölzern und zwischenzeitlich hätte man die Geschichte mit weniger durchschaubaren Alptraumeinschüben, denn mit kleinen Schreckmomenten anreichern können.
Doch auf der Habenseite steht ein handwerklich solider Level, eine figurentechnisch nicht unspannende Hauptfigur und letztlich die Beantwortung der Frage, wer oder was hier auf die (leider etwas minimal dargestellte) Menschheit losgelassen wird.
Anhänger des klassischen Monsterfilmchens sollten ihre Erwartungen demnach einen Gang herunterschalten, wer jedoch Abwechslung im Metier sucht, könnte ansatzweise fündig werden.
6 von 10

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