Review

Auch Argentinien ist nunmehr von der Liste exotischer Reiseziele gestrichen, - zumindest für junge hübsche Damen, die so naiv sind und allein durch die Einöde streifen.
Die Geschichte gab´s schon vor ein paar Jahrzehnten im Streifen „Tödliche Ferien“, der seinerzeit noch recht innovativ wirkte. Doch mittlerweile sind „Hostel“ und Konsorten Standard, - da hätte man sich für ein müdes Remake schon etwas mehr einfallen lassen müssen.

Da sind sie also, unsere beiden Damen auf Fahrrädern, Stephanie (Amber Heard) die Vernünftige und Ellie (Odette Annable) die ignorante Partymaus, die am letzten Tag vor ihrer Abreise in einem kleinen Kaff landen und am Abend in der Kneipe feiern gehen. Am nächsten Tag streiten sich die beiden, Ellie bleibt sonnenbadend zurück und ist kurz darauf verschwunden.
Steph setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre Freundin aufzuspüren, doch die verschlossenen Einheimischen sind ihr dabei kaum eine Hilfe…

Schon übel, wenn der Verlauf mit Nichtigkeiten verprasst wird, denn von sorgfältigen Figurenzeichnungen sind wir weit entfernt. Die beiden radeln durch die netten Landschaften, checken im Hotel ein und gehen abends ein wenig süppeln, bis ein junger Einheimischer etwas zudringlich und vom merkwürdigen Michael (Karl Urban) vertrieben wird.
Erst nach über einer halben Stunde kommt zum ersten Mal überhaupt so etwas wie Suspense ins Spiel, als Steph den Cop alarmiert und den Ort des Verschwindens absucht.

Doch nachfolgend steigert man sich zu wenig, da die Handlung nur wenige Protagonisten impliziert und jede davon komplett durchschaubar in Szene gesetzt ist. Rasch ist der Übeltäter ausgemacht, ebenso der Drahtzieher und sein Motiv, - da sind keinerlei Überraschungen zu erwarten, auch wenn sich der Showdown um eine deutliche Temposteigerung bemüht.
Denn trotz kleinerer körperlicher Auseinandersetzungen bleibt das Geschehen weitgehend frei von Gewaltszenen, von Folter ganz zu schweigen.

Hinzu gesellen sich eklatante Logiklücken, denn gefangene Damen werden selten gefesselt, - da reichen offenbar drohende Worte aus, um eine Flucht zu verhindern und wenn eine Freundin bereits drei Monate vermisst wird, hat der Lover nichts besseres zu tun, als im Kaff zu verharren, anstatt vielleicht mal die Botschaft zu konsultieren oder zumindest die übernächste Polizeistation. Auch innerhalb der Konfrontationen stellen sich die Typen oftmals dämlich an, gute Gelegenheiten werden achtlos vertan und zuweilen wird auf Seiten der Drahtzieher ein reichlich waghalsiges Spiel veranstaltet.

Was der Geschichte letztlich ein wenig zugute kommt, sind die teilweise düsteren Landschaften und die kühle Farbgebung einiger Kulissen, wie eine heruntergekommene Fabrik oder der Wasserfall, an dem die Freundinnen zunächst noch glücklich verweilen.
Darstellerisch pendelt sich die Sache auf einem passablem Niveau ein: Amber Heard ist in der eigentlichen Hauptrolle als toughe und mutige Kämpferin einigermaßen überzeugend, Karl Urban als undurchsichtiger Helfer unauffällig, während die übrigen Mimen eher etwas steif bleiben.

Bei diesem Streifen herrschen Vorhersehbarkeit und über weite Teile Langeweile vor, denn das erste Drittel wird mit Alltäglichem vergeudet, während die zweite Hälfte null Originalität parat hält und kaum ein Mitfiebern ermöglicht.
Vor allem eingefleischte Genrefans dürften hier Gewalteinlagen und wirklich fiese Szenen vermissen, - der Ablauf gestaltet sich harmlos, meistens tempoarm und nur im letzten Drittel ein wenig unterhaltsamer.
Dabei hätten die schlichte Grundidee und das gefällige Ambiente durchaus Besseres zugelassen, aber so bleibt´s ein müder Aufguss und ein eher unnötiger Genrebeitrag obendrein.
3,5 von 10

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