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In den 90ern war das Getümmel unter deutschen Nachwuchsfilmern im Independentbereich recht groß und jeder mit einer Video-8-Kamera ging mit Freunden und etwas rotem Schmödder in den Wald, um seinen Splatterbeitrag abzuliefern. 1999 war offenbar das Jahr der Person, welche sich das wenig originelle Pseudonym Flesh Goredon verpasste, denn neben vorliegendem Kurzfilm erschien auch „Auf der Suche nach der goldenen Unterhose“.

Als sich Heinz und Eduard im Wald treffen, beobachten sie im Hintergrund einen Meteoriteneinschlag. Nach kurzer Inspektion der Einschlagstelle befällt ein Wurm Eduards Haupt und er mutiert zum Zombie. Heinz muss sich rüsten, dem außerirdischen Feind zu trotzen…

Mit digitalen Hilfsmitteln ist es inzwischen ein Kinderspiel, bewegte Bilder in eine halbwegs ansprechende Form zu bringen, - das wissen selbst ernannte Infaulenzer nur zu gut. Doch in den 90ern waren Amateurfilmer eher schwach ausgestattet, denn analoge Tapes nutzten sich schnell ab und jeder Take wollte gut überlegt sein, was dem fertigen Werk sogar halbwegs anzumerken ist.

Die Macher wussten natürlich um ihr trashiges Endergebnis, denn der Wurm wurde mit Bandsalat per Tape in Szene gesetzt und wahlweise mit Händen oder einem durchsichtigen Stab durch die Gegend bewegt. Die Laien mühen sich redlich um Overacting und bis auf wenige Einstellungen in einer kleinen Innenstadt spielt sich das Geschehen im Wald und in zwei recht beliebigen Wohnungen ab. Wobei es definitiv lustig ist, wenn jemand drei Stockwerke abklappert und auf jeder dort aufgesuchten Toilette derselbe Typ auf dem Kump sitzt.

Die Splatteranteile halten sich derweil in Grenzen. Es gibt abgetrennte Gliedmaßen und einen Ast im Kopf (so dünn, dass er vor jeder Schädeldecke abgeknickt wäre), wobei die Effekte einigermaßen zweckdienlich ausfallen. Gleiches gilt für den eher minimalen Score und der Ausstattung, welche neben dem zerknüllten Band noch aus einem alten Staubsauger besteht, der immerhin stets funktioniert, weil die mitgeführte Kabeltrommel scheinbar endlos lang ist und man nach Waldbesuch kurz durch die Stadt gehen kann, um anschließend eine Wohnung zu betreten.

So ist im Hintergrund auch mal ein deutliches Kichern zu vernehmen und vor der Kamera sieht man den Beteiligten durchaus die Bemühungen an, sich nicht im nächsten Moment einem ausladenden Lachanfall hinzugeben, was die Angelegenheit schon wieder sympathisch erscheinen lässt. Spannend gestalten sich die rund 23 Minuten nicht, aber aus leicht nostalgischer Sicht recht unterhaltsam, weil man den Mut besaß, dummdreistes Treiben ohne jeglichen Anspruch der Öffentlichkeit preiszugeben. Netter, kleiner Trash.
6 von 10

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