Review

Wenn alternde Actionstars reinen Tisch machen, dann ist das so eine Sache. Genauso erging es Filmlegenden wie Lee Marvin und John Wayne. Lange Zeit auf die Heldenrolle abonniert, mussten sie mit jedem drittklassigen B- Actioner vorlieb nehmen, um über die Runden zu kommen. Diesen Zenit haben auch aktuelle Actionstars überschritten. In den letzten 10 Jahren war es schon eine Gewohnheit berühmte Actionfiguren auf die Leinwand zurückzubringen. Seien es der Terminator, Rocky, Predator oder wie sie alle heissen mögen. Weil neue Formate nicht den erhofften Erfolg brachten, griff man zu Actionikonen der 80er und 90er zurück. Aus meiner Sicht liefen die Filme nur mässig in den Kinos. Das Original wurde damit nicht übertroffen. Somit kommen wir zum eigentlichen Hauptdarstellers dieses Filmes: Sylvester Stallone. Er hatte schon mit Machwerken wie "Get Carter" und "Driven" vergeblich versucht ein Comeback zu starten. Mit dem Langweiler "Avenging Angelo" erreichte er den Tiefpunkt seiner Karriere. Aber Stallone hatte wieder einmal ein Ass im Ärmel, indem er seine Lieblings-alter-Egos Rocky und Rambo das x-te mal zum Leben erweckte.


Für ehemalige Fans waren die neuen Abenteuer von "Rocky Balboa" und "John Rambo" nicht der Rede wert. Vielleicht waren ja diese zwei Filme nur eine Aufwärmphase für den nächsten Blockbuster, auf den viele lang ersehnt gewartet haben. "The Expendables" macht Werbung damit mit dem grössten Actioncast aller Zeiten aufzuwarten. Aber was nützt eine Riege namenhafter Actiondarsteller, wenn die Handlung nicht vielen zusagt. Als ich den Vorspann sah, kam mir das wie eine Direct-to-Video-Produktion vor. Allerdings können sich die ersten 10 Minuten sehen lassen. Stallone und Co. befreien Geisel. Und da geht es gerade nicht zimperlich zur Sache. Einige Combatszenen erinnern an die kurzen Splatterorgien aus "John Rambo". Aber den vorläufigen Höhepunkt bildet das zusammentreffen der Auftragsgeber Church(Bruce Willis) und Trench (Arnold Schwarzenegger). Ich will nicht zuviel verraten, aber wer diese Szene verpasst oder überfliegt ist selber Schuld. Ein weiteres Highlight ist das aufeinandertreffen zwischen dem Hünen Dolph Lundgren und Kung- Fu- Spezi Jet Li. Wer Lundgren's Rolle als St. Andrew Scott in "Universal Soldier" geliebt hat, der kommt hier gelegentlich auf seine Kosten. Aber gerade, wo er in seinem Element ist, wird das Ganze durch einen blöden Zwischenfall unterbrochen.

In dem ganzen drumherum darf ein Workaholic wie Mickey Rourke auch nicht fehlen. Weil das Schicksal mit ihm übel mitgespielt hat, heult er sich bei Stallone aus. Ach ja, Jason Statham ist auch mit von der Partie. Verglichen mit "The Transporter" und "Crank" ist sein Spiel hier etwas harmloser geraten.

Stallone macht unerwaretet mit seinen 60 Lenzen eine gute Figur. Nicht umsonst hätte er sich beinahe während der Dreharbeiten das Genick gebrochen. Als Regisseuer und Drehbuchautor hat er das Ganze in 80er Jahre Manier abgedreht. Was auch nicht zu bemängeln ist, ist der reichliche Goregehalt. Von allen Seiten wird scharf geschossen und jede Menge Zeug in die Luft gejagt. Aber irgendwie konnte ich mich mit "The Expendables" nicht zufrieden geben. Alles in allem erinnert mich das Ganze an einen lauwarmen "Rambo 3".

Wenn man zu hohe Erwartungen an einen Film steckt, dann kommt manchmal dabei das Gegenteil heraus. Schlecht ist der Film nicht, aber auch nicht so grossartig, wie in der Werbung angepriesen wird. Ein bisschen Selbstironie darf bei einem Actionfilm natürlich auch nicht fehlen. Vor allem, wenn es um Actionikonen aus den 80ern und 90ern geht. Es ist auch köstlich zu sehen, wie Jet Li sich als klischeehafter Chinese auf den Arm nimmt. Und was ein C- Actionerheld wie Gary Daniels in diesem Film zu suchen hat, bleibt mir ein Rätsel.
Ich weiss, ich weiss, bin nur am rummeckern. Vielleicht leide ich ja unter Geschmacksverkalkung. Stallone soll ja vor kurzem angekündigt haben eine Fortsetzung zu drehen. Dann kann er vielleicht vergessene Martial- Arts- Experten wie Jean- Claude Van Damme und Steven Seagal neu rehabilitieren.

FAZIT:
Grosses Bum- Bum- Kino, dass auf Video besser aufgehoben wäre. Der Rest kommt über typische Stallone / Schwarzenegger- Action nicht hinaus. Hier wurde gutes Potenzial verschenkt. Sorry, aber zwei Punkte gibt es für die Action und drei Punkte für die Besetzung.

5 / 10

Details
Ähnliche Filme