Danny Glover sprach sein berühmtes Zitat einst in einem weitaus jüngeren Alter aus, doch Silvester Stallone ist mit inzwischen 64 Lenzen nicht müde, seinem Image vergangener Tage hinterher zu hecheln wie ein Hund seinem Herrchen - wofür ihm keine Muckibude zu anstrengend und keine Schönheitsoperation zu teuer ist. Und wir, die Zuschauer schauen diesem Treiben, dass man böswillig als stark verspätete Midlife-Crisis interpretieren könnte, vergnügt zu. Zugegeben, im Falle eines Rocky Balboa konnte man tatsächlich von einer selbstreflexiven Abrechnung mit dem Alter und dem Abgesang auf die eigene Jugend sprechen. Das gleiche ließ sich bei Stallones zweiten großen Alter Ego John Rambo etwas schwieriger an – immer noch schießwütig, aber mit der Zeit doch schwerfällig in seinen Bewegungen. Den körperbetonten Showdown kommentierte er daher gleich lieber aus der Ferne. Auf seine Art, versteht sich. Hurra, er lebt noch.
Etwas anderes lebt ebenfalls noch: Das Actionkino der alten Schule – brutal, dreckig und reaktionär, sinnfrei und unterhaltsam, zumeist getragen von sprücheklopfenden Machos mit dicken Wummen und noch dickerern Oberarmen. Fehlten letztere, so konnte dieses Defizit durch fortgeschrittene Fähigkeiten in unterschiedichsten Kampfsportarten wieder ausgeglichen werden. Hauptsache, die bösen Jungs kriegen ordentlich auf Mütze. In der Welt der Megablockbuster und Eventfilme für die ganze Familie haben derartige Werke keinen Platz mehr – die alte Garde der Ein-Mann-Armeen fristet ihr Dasein längst in Videothekenregalen. Doch es gibt sie noch – dank der treuen Schar von Fans, denen auch der fünfte Seagalactioner des Jahres noch nicht genug ist. Höchste Zeit, dieser Gemeinde ein Geschenk zu machen. Es nennt sich The Expendables und würde seinem Titel alle Ehre machen, wenn der Cast nicht die bekannten Namen jener vergangener Tage in sich vereinigen würde.
Inhaltlich unterscheidet sich das Werk nämlich kaum von denen unzähliger Vorgänger: Eine Truppe Söldner wird von dubiosen Auftraggebern auf einen Diktator angesetzt und heizt den uniformierten Schergen bis zum Endgegner ordentlich ein. Hätte es Stallone bei dieser Prämisse belassen und sich einfach auf ausufernde Ballereien konzentriert, wäre sicherlich ein passabler Film für einen bierseligen Männerabend dabei herausgekommen. Doch Stallone wollte mehr: Die ultimative Huldigung an das Genre und die dort gern zelebrierten und inzwischen verlorengegangenen männlichen Tugenden: Tapferkeit, Loyalität und selbstlose Hingabe an seine Mission. Stallones Figur geht es nicht, wie er am Ende selbst sagt, um den Oberbösewicht selbst, sondern um die Bewältigung der männlichsten aller Aufgaben: Der Rettung einer holden Maid aus den Klauen des Ungetüms. Kein unüblicher Beweggrund, doch als wenn dieser nicht sofort jedem Zuschauer klar wäre, lässt Stallone kaum eine Gelegenheit aus, diese Motivation in Form von mehr oder weniger belanglosen Dialogen und einem nicht enden wollenden Monolog seines alten Kumpanen Mickey Rourke wieder und wieder zu erklären. All dies wäre gut zu verkraften, wenn es den Minimalplot nicht merklich ausbremsen würde.
Ähnlich durchwachsen verhält es sich mit der Zurschaustellung seiner Mitstreiter, die (leider) weder eine dramaturgische Funktion hat noch die erhabene Wirkung entfalten kann, die ihr scheinbar ursprünglich angedacht war: Bereits erwähnter Mickey Rourke ist nicht mehr als ein Stichwortgeber, Jason Statham darf den neuen Stecher seiner Flamme vertrimmen (der selbige natürlich misshandelt) und Dolph Lundgren läuft im „UniSol“-erprobten Psychomodus. Und Jet Li? Der wird hier komplett zur Witzfigur, indem quasi in Dauerschleife Sprüche bezüglich seiner geringen Körpergröße fallen. Ein Running-Gag, der nebenbei bemerkt schon beim ersten mal nicht witzig ist. Die einzige halbwegs erinnerungswürdige Performance liefert Terry Crews ab, der nicht nur über seine Waffe philosophieren darf, sondern selbige später auch spektakulär in Szene setzt. Verdammt, ist die laut!
Womit wir auch schon bei der Quintessenz eines jeden Actioners wären. Tatsächlich bekommen wir hier auch alles geboten, was dazu gehört: Shoot-Outs, Nahkämpfe, einen „Warnschuss“ und passend dazu das eine oder andere fliegende Körperteil. Alle Szenen mit gefühlten 130 Schnitten pro Sekunde, die oftmals nur mit Mühe erkennen lassen, wer eigentlich gerade wen erledigt. Die Behauptung, dass dieses epilepsieauslösende Bildergewitter nur dazu diente, die mittlerweile leicht eingeschränkte Beweglichkeit mancher Protagonisten zu kaschieren würde allerdings nur ein Verächter in den Raum stellen. Warum auch immer alles so aussehen musste, wie es aussieht – man weiß, dass es anders geht. Der Geist des Actionkinos vergangener Tage kann auch mittels comichafter Überzeichnung besser und unterhaltsamer beschworen werden wie die jüngste Filmversion des Marvelrächers mit dem Totenkopfsymbol grandios unter Beweis stellte.
Sly Stallones mitgefilmtes Treffen der Genreikonen ist nüchtern betrachtet eine zwiespältige Angelegenheit geworden. Einerseits freut man sich wie ein Kind, die vielen bekannten Gesichter vielleicht ein letztes Mal, und dann auch noch zusammen, auf der Leinwand zu sehen - das erhoffte Konglomerat aus Unterhaltungsfilm für Männer und Hommage an eine längst vergangene Ära ist es aber nur in Ansätzen geworden, da der Regisseur es schlicht nicht verstand, eine überschaubare Geschichte wie aus einem Guss zu inszenieren und gleichzeitig seine Stars ins rechte Licht zu rücken. Wenn selbige sich nicht gerade gegenseitig die Show stehlen, so wirken sie in allem, was sie früher auszeichnete derart hölzern, dass man nach dem Kinobesuch direkt das Verlangen verspürt, sich Red Scorpion, Cobra oder andere geschätzte Genrebeiträge zu Gemüte zu führen. Oder darüber nachzudenken, welchen anderthalbminütigen Auftritt man für die Promotion einer Fortsetzung einsetzen könnte.