Sylvester Stallone hat schon einiges hinter sich: Up & Down beim Stellungswechsel als potenter Porno-Stecher, Erfolge und Niederlagen als Box-Champion, gefährliche Einsätze als wortkarge City-Cobra, den Vietcong, Afghanistan, Laos und eine turbulente Ehe mit Brigitte Nielsen.
Er hat nichts ausgelassen und das harte Filmgeschäft ist an dem Action-Hero der 80er und 90er Jahre nicht spurlos vorbei gegangen: aufgedunsen das Gesicht, aufgeblasen der Bizeps, die Falten mühevoll hinter die Ohren geliftet, die Augen ohne Glanz.
Im Renten-Alter will es Stallone dann noch einmal seinen alten und neuen Fans zeigen, dass er mit weit über 60 noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Und so hat er für sein Spätwerk "The Expendables" einen beachtlichen Cast vor die Kamera geholt: wenn Stallone zusammen mit Dolph Lundgren (die beiden waren in "Rocky IV" Gegner im Boxring), Eric Roberts (Stallones Kontrahent in "The Specialist"), Jason Statham und Jet Li gemeinsam vor der Kamera steht, kann man schon vom Treffen der Generationen sprechen. Die alte, aber noch nicht ausgediente Riege der Actionstars trifft auf die neuen Helden des Genre, und Stallones früherer Konkurrent Arnold Schwarzenegger, Botox-Junkie Mickey Rourke und "Die Hard"-Recke Bruce Willis machen den außergewöhnlichen Besetzungs-Coup perfekt.
Und auch sonst bietet Stallone als Hauptdarsteller, Co-Drehbuchautor und Regisseur einen feurigen Action-Cocktail alter Schule, aufgepimpt mit lästigen CGI-Effekten, die dem Film mehrmals den anvisierten Charme der 80er Jahre rauben.
Die Story ist altbekannt und dürfte jedem Actionfan seit "Die Wildgänse kommen" und dessen unzähligen Italo-Plagiaten hinreichend bekannt sein. Die Dialoge lassen den Witz früherer Werke vermissen und vor allem in der ersten Hälfte kommt "The Expendables" mehrmals zum Stocken.
Dafür sind die Actionszenen, sofern man diverse CGI-Shoot-Outs unbeachtet lässt, gewohnt routiniert inszeniert und von erlesener Qualität. Faustkämpfe können dabei genauso überzeugen wie das explosive Bombardement, das die Pyrotechniker eindrucksvoll abfeuern.
Teilweise sind die Fights etwas zu schnell geschnitten, was dem Style moderner Actionfilme geschuldet ist, doch das brechreizerregende Schnittstakkato hält sich erfreulicherweise in Grenzen.
Das Gipfeltreffen der drei Superstars - Stallone, Schwarzenegger und Willis - ist zwar ein toller Gag, doch leider ist es vor allem diese Szene, die gründlich in die Hose gegangen ist: auf Teufel komm raus wurde Schwarzenegger eine kleine Rolle auf den Leib geschrieben, um seine Teilnahme zu rechtfertigen, doch leider wirkt die kurze Szene viel zu krampfhaft inszeniert.
Schwarzeneggers Kurzauftritt, der aus dem hellen Lichtschein heraus in eine kleine Kirche tritt, wirkt übertrieben, nahezu theatralisch. Bis auf eine kleine ironische Anspielung auf dessen politischen Ambitionen lässt diese Sequenz jeglichen kultigen Charakter vermissen, den man erwartet hätte.
Die Dialoge zwischen Stallone und Schwarzenegger wirken wie ein müder Schlagabtausch eines alten Ehepaares, hier fehlt es einfach an Esprit und gepfefferten Onelinern.
Bruce Willis dagegen vermag mit seinem coolen Auftritt das eigentliche *Highlight* dieses Films noch halbwegs zu retten - doch auch er kann nicht viel dazu beitragen, dass diese Zusammenkunft der drei größten Actionstars der Filmgeschichte nicht zu einem unvergesslichen Moment wird.
Insgesamt gesehen ist "The Expendables" viel besser als Stallones "John Rambo", aber vom Charme der 80er-Jahre ist auch dieser Film weit entfernt. Das Ziel, mit einem beachtlichen Staraufgebot, das allein mit seinen klangvollen Namen für nonstop Action und irre Stunts steht, einen Old School-Actioner zu inszenieren, scheitert leider zu oft an den Einflüssen des modernen Actionkinos.
Der Cast hat zudem den Nachteil, dass zu viele Stars in einem Film auch gleichzeitig bedeutet, dass ihren Rollen - bis auf wenige Ausnahmen - jegliche Substanz und Charaktertiefe fehlen.
Die unbekannteren Namen wie Terry Crews und Randy Couture, aber auch der hierzulande beliebte Jet Li werden in kaum beachteten Nebenrollen verheizt, während das Hauptaugenmerk eindeutig auf Stallone und Statham liegt, denen das Drehbuch dann auch ansatzweise etwas Tiefe verleiht.
B-Movie-Recke Eric Roberts Rolle als Bösewicht ist zwar geschwätzig, dafür aber überzeugend verkörpert.
"The Expendables" ist dann auch nichts weiter als eine stargespickte, völlig sinnfreie Actiongranate, die die Testosteron- und Adrenalinwerte in unglaubliche Höhen jagt. Ein kerniges Stück Macho-Movie mit Bizeps, Bikes und Babes.
Und wenn es einer schafft, nen harten Kerl wie Mickey Rourke auf der großen Leinwand weinen zu lassen ohne dass es unfreiwillig komisch wikt, dann ist es Altmeister Stallone, der hier zwar nicht zu 100 % zu alter Form gefunden hat, aber immerhin auf dem besten Weg dorthin ist.
6,75/10