Reiner Männerfilm, selbstverständlich und so wunderbar 80er-Jahre-like: formelhafter Plot, flache, stereotype Charaktere, weitläufige Klischees, One-Liner und viele Tote! Ja, so muss das aussehen! "The Expendables" ist endlich mal wieder ein fetziger Actionfilm, der sich nicht pseudo-intelligent gibt und sich auf das konzentriert, was wir kleinen Action-Geeks sehen wollen: kernige Typen, coole Sprüche und Action satt!
Protagonistischer Kern des Geschehens, wer hätte das gedacht, sind die Expendables, ein bunt zusammengewürfelter Experten-Slöldnertrupp. Anders ausgedrückt: Sylvester Stallone hat für sein kleines persönliches 80er-Reunion gesorgt, mit dem ein oder anderen namenhaften B-Action-Kollegen aus eben jener Zeit. Und das macht hier selbstredend den Ruf dieses großartig erwarteten Actionfilms aus.
Dabei muss man gleich zu Beginn konstatieren, dass die Figuren allein durch das Charisma ihrer Darsteller leben und selbst hier gibt es Einschräkungen: Stallone und Jason Statham geben bei den "Expendables" klar den Ton an, womit ihnen auch die größte Aufmerksamkeit zuteilwird. Jet Li hat noch seine Szenen, während Randy Coutoure und Terry Crews blosses Anhängsel sind, der Tuppes mit den deformierten Ohren und der Waffennarr... eben der Rest. Was wohl der Preis ist, muss man soviele Darsteller in seinem Film unterbringen.
Dahingehend ist es auch allein Stallone und Statham gegönnt, Beziehungen zum anderen Geschlecht zu haben, wobei garantiert, dass der weibliche Anteil nicht weit über das "Damsel in Distress"-Motiv hinausgeht. Letzten Endes ist das reine Männersache, Männersache der 80er, weswegen 90er-Jahre girly talk eben um dieses Thema ganz flott abgewürgt wird.
Eine kleine Ausnahme bietet wieder mal Dolph Lundgren, der sich als Psycho irgendwo zwischen den Reihen bewegt, mit ambivalenter Beziehung zu den Helden der Geschichte. Das tut er, wie man ihn kennt, in gewohnter formidabler Art und Weise.
Antagonistisch verhält es sich vergleichbar: David Zayas gibt den fehlgeleiteten Revolutionär mit vielleicht ursprünlich lauteren Zielen, dessen Machtübernhame in etwas andere als von ihm geplante Bahnen gerät. Nämlich in die Hände des eiskalten, rücksichtslosen, ein Gewissen missenden Ex-Agenten James Munroe, den Julia Roberts älterer Bruder Eric (Dank den Actiongeeks, dass Weiberfilm "Eat Pray Love" gegen Männerfilm an den Kinokassen verloren hat...) in der "Dark Knight"-erprobten Darstellung des schmiergen Geschäftsmanns gibt, bei dem das Geld Gewissen, wie Grausamkeit diktieren.
In bester Bond-manier gesellen sich ihm mit Steve Austin und Gary Daniels (dessen Beteiligung mir zuvor gar nicht bewusst war, umso größer die Freude indes) zwei Hau-Drauf-Sidekicks zur Seite, die extra für den Endkampf reserviert sind. Wobei beide sich kaum profilieren können, Daniels gar noch ein bisschen weniger, während Austin immerhin als Hühne der Klöppe verteilt ins Auge sticht.
Abseits der Chefetage hat Zayas seine Armee aus dem "Rambo"-Pool rekrutiert, sprich eine Ansammlung von wandelnden Zielscheiben, die zu hunderten sterben dürfen. Und das selbst Hunderte nichts gegen unsere Helden in petto haben, dürfte selbsterklärend sein, das kennen wir schließlich aus einer gewissen Epoche des Actionfilms, auf die dieser Film hin und wieder anspielt... im Geiste dessen gibt es denn manch überzogene Szenerie, in der die Schergen regelrecht das Schießen vergessen, ungeachtet der Chancen die Expendables ganz schnell zu verexpendablen - in "Commando" haben sie wenigstens noch auf Ahnold geschossen... wenn auch nie getroffen.
Wo wir gerad von Berner Würstel sprechen: Schwarzenegger und Bruce Willis gönnen sich einen herrlich Cameo, der in einem großartig selbstironischen, besonders amüsanten Wortkampfduell zwischen Ex-Mr. Universum und Stallone gipfelt. Ja, dieser Auftritt ist absolut sinnlos, keine Frage. Aber die Hommage! Die Erinnerung an diese Zeiten, in denen sich testosteronüberbrodelnde Actionmachos schon ohne schweres Geschütz verbal die Kugeln um die Ohren fliegen ließen!
Womit der zentrale Punkt erreicht wäre: die Action.
Und hier bekommt die per se schon bröckelnde 80er-Fassade die größten Risse: Nicht die Action an sich! Die ist reibungslos. Es wird viel geschossen, alles fliegt in die Luft und gestorben wird reichlich, wirklich reichlich... und blutig. Naja, CGI-blutig. Nicht in weiter Ferne liegt beim Gewaltgrad der vierte Rambo, werden die Gegner doch ähnlich zerfetzt. Zerschossene Köpfe, Durchkraterte und -löcherte Torsos oder gleich zur Gänze zersplatterte Oberkörper, Halsabschneidereien in Nahaufnahme und mit Armen und Köpfe balzende Macheten. Eine regelrechte Schlachterrei. Herrlich!
Die gibt es dann gleich alle fünf Sekunden und im Grande Finale scheint es wesentlich mehr Handlanger als die angegebenen 200 zu fragmentieren, die alle aus ihren Löchern kriechen, um sogleich die "Rambo"-Rechnung zu kassieren, so dass der Film beinahe an "Commando"-Qualitäten reicht. Jet Li sorgt zwischen Kugel und Messer für den Faustnahkampf und für die Offenbarung der größten Schwäche der Actionszenen: die Inszenierung! Dieser dumme, unübersichtliche, Kopfschmerzenerzeugende, lediglich leidlich Tempo evozierende, Paul Greengrass-Bourne Wackelkamera-Stakkatoschnitt-Stil! Was bei den Schießereien nocht ertäglich ist, obschon dort selten auszumachen ist, wer hier gerade eigentlich wen erschießt, wird im Nahkampf zur regelrechten Tortur. Man mag Stallone zugutehalten, er habe keine Erfahrung im Martial-Arts-Genre. Das kann letztendlich jedoch nicht entschuldigen, dass bei Vollkontakt-Handgreiflichkeiten gar nichts mehr zu erkennen ist, nichts mehr auszumachen ist und nicht mehr nachvollziehbar ist, was zum Teufel eigentlich gerade geschieht. Das ist die Sabotage von Jet Lis Kampfszenen, die mit ein Highlight des Films hätten sein können, allein durch die Kontrahenten, auf die er trifft.
Und dennoch: der Film ist ein riesiger Spaß! Denn obwohl handwerklich nicht alles ganz sauber ist, gibt es Action nicht zu knapp und wenn die Schlacht beginnt, dann mit Glanz und Glorie, Fanfaren und Trompeten. "The Expendables" trifft genau den Nerv für reaktionäre, gewaltverherrlichende Actionfilme, bei denen der Bodycount und spektakuläre Schießereien und Explosionen mehr zählen, als Intellektualität, Narration oder Charaktere. Die Darsteller hatten sichtlich ihren Spaß und sie vereint vor der Kamera, konzentriert auf einen Punkt, ist für den geneigten Actionfan ein orgastischer Paroxysmus in jeder Actionszene. Die One-Liner sitzen, die Action krawallt kontinuierlich und persistent und die (alten) Herren beweisen einmal mehr, warum sie die rechtmäßigen Könige des Actionfilms sind. Wo "John Rambo" zur Ermüdung neigte, trumpft "The Expendables" mit voller Unterhaltsamkeit auf, auch dank der begrenzten, doch voll ausgefüllten Laufzeit.
"The Boys Are Back In Ton" ertönt es über den Credits von Thin Lizzy.
Gott sei dank! Sie sind es! (7/10)