Review

Jeder von uns Ü30-jährigen ist mit Filmen wie "Rambo", "Terminator", "Universal Soldier", "American Fighter", "Stirb Langsam" oder "Alarmstufe Rot" aufgewachsen und wir alle stellten eine Tendenz fest, die uns nicht glücklich machte: Die goldene Zeit der Actionfilme war vorrüber und solche Granaten wie anno damals kamen kaum noch auf den Markt. Das lag zum einen dran, dass die Schauspieler ausgingen - die, die es drauf hatten wollten sich in anderen Genren probieren. Dann gab es ja auch noch die, die in die Politik wechselten, Bekanntschaft mit dem Knast machten, den Sixpack-Body gegen einen Dirk Bach-Körper eintauschten oder auch Schauspieler, die falsche Entscheidungen trafen und billige B-Movies im Ostblock produzierten.
Zum anderen war auch der Fortschritt der Technik Schuld, da heftige Schnittgewitter und der Einsatz von CGI plötzlich "in" war. Nur bis heute frage ich mich, wer auf Wackelkamera oder computeranimierte Einschüsse steht. Ich kenne keinen. Und trotzdem sind diese beiden Stilmittel bei den Regisseuren beliebt.

Es war im November 2008: Stallone kündigte "The Expendables" an, ein Film, der den Actionfilmen aus den 80ern und 90ern Tribut zollen sollte und nicht nur das - er versprach, ein ganzes Star-Ensemble auflaufen zu lassen. Zumindest dieser Punkt ist ihm einigerweise gelungen.

Der Hype im Internet wurde immer größer, die namhaften Personen auf der Castingliste stiegen an und dennoch mussten sich Filmfreunde bis August 2010 gedulden, bis der Film endlich in die Kinos kam.

Natürlich freute man sich über den Cast und den Film. Wirklich schlecht ist "Expendables" nicht ausgefallen. Aber die Erwartungen, die ins Unermessliche stiegen, konnte Stallone nicht erfüllen.

Fehler 1:
Stallone verfrachtete so viele namhafte Schauspieler in sein Werk, versäumte es jedoch, diesen Rollen auch nur einen Ansatz von Charaktertiefe einzuhauchen. Den Großteil an Tiefe verbuchen Stallone und Statham, Lundgren und Li noch ansatzweise und bei Rourke ist man schon dankbar, dass er etwas heraussticht und einen anderen Charakter spielen darf als der ultimative, muskelbepackte, unverwundbare Kickass-Söldner. Alle anderen sind so platt geraten, dass man schon von Statisten-Rollen sprechen kann. Ein Steve Austin beispielsweise steht nur im Bild, spannt die Muskeln an, schaut mit dem Motherfuckerblick und darf zwei Sätze sagen.
Dass das ganze auch anders geht, sieht man an Beispielen wie "Alien 2" oder "Predator", viele Akteure mit ganz viel Tiefe. Und wenn ich schon bei den Schauspielern bin, was bitteschön haben in so einem Film Terry Crews oder Randy Corture zu suchen? OK, beide verfügen über die Statur, Crews hat auch schon in Nebenrollen mitgespielt. Aber konnte nichts namhafteres gefunden werden?

2. Fehler:
Der Film ist zwar sau blutig, leider setzt Stallone viel zu viel CGI und Wackelkamera ein. Unter "Tribut zollen" verstehen wir alle etwas anderes. Etwas weniger wäre mehr gewesen, denn gerade dieses Schnittgewitter trübt den Filmspaß sehr.

3. Fehler:
Das Zusammentreffen der drei Großen: Stallone, Willis und Schwarzenegger. Es ist schon klar, dass Willis und Arnie nur Cameo-Auftritte haben, jedoch wirkt dieses Szene wie ein Fake. Stallone bekam es in keiner Einstellung gebacken, alle drei mal zusammen in einem Bild zu zeigen. Zumindest nicht von vorne, damit man komplett ausschließen kann, dass vielleicht nicht doch mal ein "Stuntman" kurz einsprang.

Das ist natürlich ein Jammern auf ganz, ganz hohem Niveau - "The Expendables" ist mit Sicherheit ein guter Actionfilm weit über dem Durchschnitt. Doch die Erwartungen kann der Film zu keiner Zeit erfüllen.

Hoffen wir, dass Stallone aus dieser "Katastrophe" gelernt hat und es bei Teil 2 besser macht, in dem wir auch Van Damme und Chuck Norris bestaunen dürfen.

5/10

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