Als Teenager habe ich mir sehr viele Actionfilme ganz unterschiedlicher Qualität angeschaut. Harte Männer, die auch den skrupellosesten, zumeist zahlenmäßig überlegenen und viel besser ausgerüsteten Bösewichtern auch noch in der scheinbar ausweglosesten Lage grimmig trotzen und auch aus den blutigsten und tödlichsten Konflikten als Sieger hervorgehen. Ein klares Gut-Böse-Schema. Und dann die Schauwerte: Schießereien, Explosionen, Verfolgungsjagden, Schlägereien und sonstige Stunts aller Art. Das alles ist natürlich purer Eskapismus – für den Jungen ja besonders empfänglich sind. Heute mag ich Actionkino in Reinform nicht mehr so gern, weil es sehr oft viel zu durchschaubar und zu eindimensional ist. Man wird eben auch erwachsen und fragt mehr nach den Inhalten. Aber so erwachsen, dass ich gegen die Klassiker des Genres resistent geworden wäre, bin ich dann doch nicht. Und dafür bin ich dankbar, denn sie haben ganz eindeutig ihre Qualitäten, was auch immer Cineasten und Arthouse-Kino-Freunde an Argumenten gegen sie vorbringen mögen: Stupidität, manichäische Schwarz-Weiß-Malerei, Klischeeüberladenheit, Gewaltverherrlichung, Zynismus, Chauvinismus, Misogynie, usw. Das alles mag in vielen Fällen auch gar nicht unberechtigt sein. Ich selber mag auch anspruchsvolles Kino, sogar lieber als reines Unterhaltungskino, aber diese mit dem Gestus der intellektuellen Allwissenheit und moralischen Unfehlbarkeit vorgetragene Kritik am Unterhaltungskino (in diesem Falle: am klassischen Actionfilm) enttarnt sich manchmal doch recht schnell als Snobismus. Aber vielleicht fühle ich mich solchen großen Geistern auch einfach nur unterlegen und werde deswegen an dieser Stelle unangebracht persönlich. Allerdings sind meine Filmkritiken auch immer bewusst und betont subjektiv. Außerdem wehre ich mich gegen Einseitigkeit. Ich schweife ab. Also: Worum geht es? Ach ja, die zeitlosen Klassiker des Actionfilms.
„Lethal Weapon“ – oder auf Deutsch: „Zwei stahlharte Profis“ – ist unbestritten ein solcher Klassiker. Zusammen mit dem ihm gegenüber noch etwas überlegeneren „Stirb langsam“ war dieser Film wohl der Grundstein des modernen Actionkinos der späten 80er- und der 90er-Jahre und revolutionierte das Genre, ja begründete es in seiner Reinform vielleicht sogar. Man könnte mit etwas gutem Willen noch James Camerons Frühwerk, also „Terminator“ und „Aliens“ hinzurechnen, aber Camerons frühe Filme sind höchst eigenständig, auch gegenüber seinen späteren Filmen ab „Terminator 2“ (welcher sich eher dem Actionkino Joel Silvers annäherte als umgekehrt), und haben keine wirklichen Nachahmer gefunden, waren letztendlich also weniger stilbildend. (Sowohl „Lethal Weapon“ als auch „Stirb langsam“ wurden übrigens von Joel Silver produziert, wie später übrigens auch „Matrix“, der die zweite Revolution des Hollywoodactionfilms einleitete.) „Lethal Weapon“ ist darüber hinaus der Höhepunkt des spätestens seit „Nur 48 Stunden“ extrem populären Subgenres der ‚Buddy-Movies’, gewissermaßen dessen frühe Vollendung. „Lethal Weapon“ kommt im Gewand des guten alten Cop-Films daher, erhöht dessen Actionanteil und behält weitgehend dessen sorgfältige Charakterzeichnung bei. Martin Riggs und Roger Murtaugh sind psychologisch glaubwürdige Figuren ohne Superhelden-Glamour, beide haben kleinere (Murtaugh) und größere (Riggs) Probleme. Sie passen überhaupt nicht zusammen und mögen sich zunächst überhaupt nicht, trotzdem raufen sie sich in der Not zusammen und werden Freunde, sogar die besten. Aus den Gegensätzen der beiden Protagonisten erwächst auch der Großteil des ironisch-sarkastischen, hier noch häufig grimmigen Humors des Films. (In den anschließenden Fortsetzungen wird der Humor immer klamaukiger, ohne dabei jedoch an Qualität einzubüßen. Der spezifische Witz bleibt neben der Old-School-Action immer die Stärke der Reihe, während die Handlung von Film zu Film leider kontinuierlich nachlässt.) Die Handlung des Films ist solide, wenn auch etwas spannungsarm, und kann daher nicht mit der wirklich hervorragenden Charakterzeichnung des ungleichen Cop-Duos mithalten, während die Actionszenen für einen Film aus der Mitte der 80er-Jahre mit eher durchschnittlichem Budget sicherlich spektakulär sind, jedoch für den heutigen Zuschauer auch nichts bieten, was er mittlerweile nicht woanders schon viel aufwendiger gesehen hätte. Dafür sind die Szenen aber sehr souverän und geradlinig inszeniert. „Lethal Weapon“ ist eines der wenigen Originale, die Actionfilme, wie wir sie heute kennen, überhaupt erst möglich gemacht haben. Richard Donners Regiestil ist - wie von ihm gewohnt - sehr ungekünstelt und zweckmäßig, also vorbildlich. Mel Gibson und Danny Glover haben hier beide die Rollen ihres Lebens gefunden, wenn auch viele bei Gibson ‚Mad’ Max Rockatansky und William Wallace anführen mögen. Als Martin Riggs kann er sein eher durchschnittliches schauspielerisches Talent eindeutig am Besten einsetzen und macht im Zusammenspiel mit dem liebenswerten, urkomischen Glover einfach am meisten Spaß, auch in seinen ernsten Szenen (die es so nur im ersten und ansatzweise noch um zweiten Teil der Reihe gibt).
Angesichts solcher Filme wie „Lethal Weapon“ bin ich sehr froh, mir das Kind im Manne bewahrt zu haben und auch einfach nur knapp zwei Stunden sehr gut gemachter Unterhaltung genießen zu können, jenseits aller möglichen Bedenken. Die Amerikaner nennen das 'guilty pleasure'. In diesem Fall bin ich gerne schuldig. Es macht einfach zu viel Spaß.