„Lethal Weapon“. Gemeinsam mit Actionreihen wie „Stirb langsam“, „Mission: Impossible“, „Rambo“ und „Terminator“ sind Richard Donners Kultfilme in einem Atemzug zu nennen, sie gehören zweifellos zum Populärsten, was das Genre in den späten 80ern und frühen 90ern so hervorgebracht hat. Heute, fast dreißig Jahre nach dem Erscheinen des Erstlings „Zwei stahlharte Profis“, stellt sich jedoch auch die Frage nach der Vergänglichkeit des Kultreihe, danach, was die Filme dem heutigen Publikum noch zu bieten haben. Und das ist nach wie vor erstaunlich viel, wenngleich auch dieser Meilenstein des Actionkinos über die Jahre einige Federn lassen musste.
Während der etwas kindische Humor von „Zurück in die Zukunft“ heute mitunter Kopfschütteln hervorruft, ist „Zwei stahlharte Profis“ nach wie vor sehr witzig. Hier treffen zwei Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten, sich immer wieder amüsante Wortgefechte liefern und den Actionfilm so durchweg auflockern. Sprüche wie „ich bin zu alt für diesen Scheiß“ wirken mittlerweile zwar nur noch platt und regelrecht antiquiert, doch im Großen und Ganzen funktioniert das launige Buddy-Movie durchweg, über mangelnden Kurzweil kann man sich jedenfalls nicht beschweren. Sequenzen wie die, in welcher Sergeant Riggs einen suizidgefährdeten Mann mit fragwürdigen Mitteln vom Hochhausdach holt, untermauern nach wie vor den Kultstatus des Films. Dem damaligen Publikum dürften sie ohnehin in Erinnerung geblieben sein.
Dennoch ist „Zwei stahlharte Profis“ ernster, als seine Nachfolger später werden sollten. Man sieht einen alkoholisierten, des Lebens überdrüssigen Sergeant Riggs, dessen Todessehnsucht wie ein dunkler Schleier über dem sonst witzigen und zum Ende hin auch brachialen Treiben liegt. Unterlegt von melancholischer Musik, hat „Zwei stahlharte Profis“ so auch seine emotionaleren Momente, die aber meist umgehend wieder durch einen Gag aufgelöst werden. Bezeichnenderweise hat die dramatischste und eindrücklichste Szene des Films wenig mit dem eigentlichen Kriminalfall zu tun. Es ist die Sequenz, in der sich Riggs vor den Augen seines Partners selbst zu erschießen droht, in der er unmissverständlich klar macht, dass er es ernst meint.
So ist Richard Donner hier ein Actionfilm gelungen, der die volle Gefühlspalette bedient, ohne dass die Emotionen allzu aufgesetzt wirken würden. Das Ganze als ein Charakterdrama zu bezeichnen, ginge freilich zu weit, das ist aber natürlich auch nicht der Anspruch. Immerhin gelingt es dem Film so zumindest phasenweise aus den klassischen Good-Cop-Bad-Cop-Klischees auszubrechen und die beiden Protagonisten auch emotional an Profil gewinnen zu lassen. Das ist wichtig, weil die Reihe auch im weiteren Verlauf besonders mit den sympathischen Hauptfiguren steht und fällt, die glücklicherweise mit den beiden spielfreudigen Darstellern Gibson und Glover perfekt besetzt wurden.
Die Rahmenhandlung hält derweil zwei oder drei ganz nette Wendungen bereit, erfindet das Rad aber nicht gerade neu. Besonders in der zweiten Filmhälfte, wenn die Hintergründe des Mordes eigentlich schon aufgeklärt sind und es für die beiden Cops vor allem darum geht, lebend aus der Sache herauszukommen, ist der Film dann aber zu kalkulierbar. Zum Ende hin setzt Donner außerdem vermehrt auf Action. Diese ist durchaus ansehnlich inszeniert, aber auch nicht atemberaubend, typisch 80er eben. Es wird viel ins Leere geschossen, das eine oder andere Fahrzeug zur Explosion gebracht und der Bodycount zügig auf die Spitze getrieben. Das kann man sich durchaus ansehen, Spannung und Atmosphäre, wie sie nur ein Jahr später McTiernans „Stirb langsam“ auszeichnen sollten, kommen jedoch nicht auf, zumal die Stereotypen des Genres den Film am Ende dann doch einholen. Besonders der finale Faustkampf von Riggs und seinem Widersacher, den die restlichen Polizisten erst einmal laufen lassen, wirkt heute eher befremdlich als spannend. Unterhaltsam ist der Film dennoch bis zuletzt, auch wenn er am Ende eben etwas abbaut.
Fazit:
„Zwei stahlharte Profis“ ist ein gelungenes Buddy-Movie. Richard Donners Kultfilm wird von den beiden sympathischen Hauptfiguren getragen, die sich einen witzigen Schlagabtausch nach dem anderen liefern, ohne dass die Emotionen auf der Strecke bleiben würden. Im Gegensatz zu den Nachfolgern zeichnet sich dieser Film eben auch durch seine ernsten, melancholischen Momente aus. Das kalkulierbare Finale, das aus heutiger Sicher eher austauschbare Action beinhaltet und - schlimmer noch - einen durchweg kalkulierbaren Verlauf nimmt, bleibt ein Wermutstropfen, zumal die Story bis dahin weitgehend überzeugen konnte.
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