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Bei vielen Filmen über Serienkiller geht es um die reine Abarbeitung der Biographie, inszeniert als Slasher, angereichert mit polizeilichen Ermittlungsarbeiten und meistens wird dem Ganzen eine Menge falscher Tatsachen hinzugedichtet.
Diese Geschichte beruht hingegen auf der Korrespondenz eines gewissen Jason Moss, der in seinem Buch „The Last Victim“ unter anderem Kontakt zum Serienkiller John Wayne Gacy aufnahm, der innerhalb von vier Jahren 33 männliche Opfer zwischen 14 und 21 Jahren vergewaltigte und tötete.

Zu dieser Zeit war Moss (Jesse Moss, nicht verwandt) noch ein blutjunger Student und wollte als Hausarbeit im Fach Kriminologie etwas über Gacy (William Forsythe) schreiben.
Unter Vortäuschung falscher Tatsachen und der Unterstützung leicht homosexuell anmutender Fotos gelingt es Moss, Gacys Vertrauen zu gewinnen.
Doch noch ahnt er nicht, auf welch manipulatives Spiel er sich eingelassen hat…

Wer es auf die Jagd nach einem Killer abgesehen hat, dürfte rasch enttäuscht werden, denn nur wenige Flashbacks offenbaren Teile von Gacys Taten, da die Handlung in den letzten Monaten vor seiner Hinrichtung 1994 angesiedelt ist.
Vielmehr steht der blauäugige Student Jason im Vordergrund, der zunächst ohne konkreten Plan an die Sache herangeht und Gacy nachfolgend genauer studiert, um eine Seelenverwandtschaft vorzutäuschen.
Gacy antwortet prompt, doch er stellt gleichzeitig Forderungen, die Jason immer tiefer in einen Sog aus Gewalt und Machtspiele hineinziehen.

Da die Inhalte der Briefe jeweils im Off verlesen werden und im Verlauf auch Telefongespräche stattfinden, baut sich die Spannung kontinuierlich und häppchenweise auf.
Allerdings erscheint Jasons Entwicklung phasenweise ein wenig lückenhaft, weshalb nicht ganz nachvollziehbar ist, warum er so schroff gegenüber seiner Freundin und den Eltern auftritt oder den Peiniger seines jüngeren Bruders ohne Ankündigung krankenhausreif schlägt. Auf der anderen Seite sind sieben Monate Kontakt mit einer menschlichen Bestie durchaus eine Erklärung für eine Wesensveränderung, doch dieser fehlen zuweilen ein paar Details.

Hinzu kommen einige Klischees und Kuriositäten, welche nur aufgrund der biographischen Vorlage ihre Glaubwürdigkeit behalten, denn Gacy bekommt nicht nur Jasons geheime Telefonnummer heraus und kann jederzeit telefonieren, auch Jason hat zuweilen ungeheures Glück, etwa als er im Stricher-Milieu landet, um an Fakten zu kommen und ihm prompt ein versetzter Drink verabreicht wird.
Leider ist das Drumherum wenig ansprechend in Szene gesetzt, denn Jasons Umfeld interessiert kaum bis überhaupt nicht und auch die Nebenfiguren erscheinen reichlich blass.
Bis auf die gelungene musikalische Untermalung bleibt die Erzählung eher farblos bis trist, zumal das Pacing nicht immer optimal abgestimmt ist und im Mittelteil leichte Hänger aufweist.

Was allerdings punktet, sind die beiden Hauptakteure. Der oftmals unterschätzte Forsythe hält sich dicht am Original und hat offenbar sämtliche Archivaufnahmen des Serienkillers einstudiert, um so nah an Gacys unheimliche Präsenz heranzureichen.
Aber auch Jesse Moss zeigt ein nuanciertes Spiel mit vielen Facetten, obgleich seine Figur nicht so tiefgründig gezeichnet ist und manche Charakterwandlung verborgen bleibt.

Am Ende ist es der eher ungewöhnlichen Prämisse mit realem Hintergrund zu verdanken, dass die Geschichte bis zum Finale einigermaßen zu fesseln vermag.
Zwar lässt sich die Erzählung Zeit und integriert einige Randnotizen ohne Nährwert, doch das Aufeinandertreffen eines durchtriebenen Monsters und dem unerfahrenen Kriminologen mit ungewöhnlichen Herangehensweisen fällt durchaus unterhaltsam aus.
Allerdings, über den Menschen Gacy erfährt man hierdurch auch nicht mehr…
6,5 von 10

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