Review

"The Last Action Hero"

Sylvester Stallone weiß ganz genau, wer im aktuellen Actionkino noch die reichlich verwitterte Flagge hochhält. Warum sonst wohl hätte der sich mit Vorliebe selbst inszenierende Veteran ganz bewusst einen Co-Star für sein Genre-Revival The Expendables ins bereits randvolle Boot geholt. Tatsächlich liefert der kantige Brite Jason Statham seit gut einer Dekade mit schöner Regelmäßig- und Verlässlichkeit geradlinige Actionreißer ab und ist damit der einzige legitime und ernst zu nehmende Nachfolger von Schwarzenegger, Stallone, Seagal und Co.

Mit der Transporter-Reihe, den beiden Crank-Filmen und dem Death Race-Remake hat sich Statham langsam aber stetig zum unangefochtenen Genreprimus geballert wie geprügelt und damit seinen sich lediglich noch im mausgrauen Direct-to-DVD-Bereich tummelnden Kollegen wie VanDamme, Lundgren oder Snipes schmerzlich vor Augen geführt, dass für sie das Etikett „B" noch einen wohlwollenden Euphemismus darstellt.

Stathams aktueller Streich The Mechanic - die Neuauflage des Hitman-Thrillers Kalter Hauch - knüpft nahtlos an diese Tradition an. Charles Bronson gab damals den schweigsamen Auftragskiller Arthur Bishop, der einen jungen Zögling ausbildet und sich damit ungewollt einen gefährlichen Rivalen heranzüchtet.
 
Glücklicherweise trägt Remake-Regisseur Simon West den veränderten Sehgewohnheiten Rechnung und kopiert weder die viertelstündige, völlig dialogfreie Auftaktsequenz, noch das äußerst schleppende Erzähltempo und den kargen Nihilismus der Vorlage. All dies entsprach dem damaligen filmischen Zeitgeist, wirkt heute aber in erster Linie einschläfernd.
Der häufig zu lesende Vorwurf in dieser Hinsicht das Original „verraten" zu haben läuft geradewegs ins Leere und beweist lediglich, dass der jeweilige Kritiker die Mechanismen des modernen Actionkinos ignoriert, oder gleich gar nicht erst verstanden hat.

Die vorgenommenen Veränderungen in punkto Figurenzeichnung und Tempo machen durchaus Sinn und transferieren die Grundidee stimmig in aktuelle Genre-Konventionen. Jason Stathams Bishop ist zwar immer noch ein äußerst präzise arbeitender Auftragskiller, leistet sich aber im Gegensatz zum auch menschlich „mechanischen" Bronson durchaus die ein oder anderer Gefühlsregung. So versorgt er einen vor seinem Haus kampierenden Obdachlosen immer mal wieder mit Geld und Hochprozentigem, gibt seinen regelmäßigen Besuchen bei einer Prostituierten den Anstrich einer Affäre und tötet ausschließlich ausgewiesene Schwerverbrecher.
Als er den Auftrag erhält, seinen langjährigen Mentor und Mittelsmann Harry McKenna (Donald Sutherland) auszuschalten, zögert er lange und lässt sich nur aufgrund erdrückender Schuldbeweise auf den Mord ein. Im Anschluss plagt ihn dann dergestalt das schlechte Gewissen, dass er dessen sprunghaften und unsteten Sohn unter seine Fittiche nimmt und auf eigene Faust zum Profikiller ausbildet. Und das, obwohl er weiß, dass dieser mit allen Mitteln den Mörder seines Vaters ausfindig machen will.

Neben den Actionschauwerten ist es vor allem diese brisante Beziehung zwischen dem stoischen Altmeister und dem jugendlichen Heissporn, die den besonderen Reiz dieser Neuauflage ausmacht. Ben Foster zeigt einmal mehr, dass er insbesondere aus ambivalenten und unsympathischen Figuren eine Menge herausholen kann. Seine nuancierte und leidenschaftliche Darstellung des fiebrig-getriebenen Steve ist ein mimischen Glanzstück, wie man es im in dieser Hinsicht meist eindimensionalen Actionfilm nur selten serviert bekommt.

Stathams Schauspiel ist solchen Höhenflügen natürlich nicht gewachsen, seine Rolle in The Mechanic erfordert dies aber auch nicht. Zwar spielt er auch hier seinen etablierten Part - den wortkargen, zupackenden und in sich ruhenden Vollprofi, der sich nur am Feierabend ein gelegentliches Grinsen gönnt -, bildet damit aber einen interessanten Gegenpol zu Fosters hibbelig-nervösem Killernovizen. Hier Unberechenbarkeit, jahrelang angestaute Wut und Frustration, dort Präzision, Abgeklärtheit und berufliche Zufriedenheit. Eine im wahrsten Wortsinn explosive Konstellation, die sich dann in der zweiten Filmhälfte auch eruptiv entlädt. Da stört es auch nicht weiter, dass ihr gemeinsamer Gegner - Tony Goldwyn als Boss einer namenlosen Auftragskiller-Organisation - eher blass bleibt.

West erliegt erfreulicherweise nicht der Versuchung, die vor allem storytechnisch interessante Vorlage in einem hektischen Actiondauerfeuer zu pulverisieren. Er lässt sich durchaus Zeit damit Bishops Arbeitsalltag und -ethos einzuführen, und seine gegensätzlichen Figuren sich beschnuppern zu lassen. Die in dieser Phase nur spärlich eingesetzten Gewaltausbrüche wirken daher um so brutaler und schockartiger. Erst als Schüler und Lehrer im Team operieren, zieht West die Actionschraube spürbar an und lässt der Gewaltspirale freien Lauf.
Leider greift er dann aber auch zunehmend auf moderne Inszenierungsstile zurück und arbeitet viel mit Großaufnahmen sowie schnellen Schnitten, was deutlich zu Lasten der Übersichtlichkeit geht. Die flächendeckende „Bournisierung" des Actiongenres ist eine Zeitgeist-Unart die es offenbar auszusitzen gilt.

Trotz allem liefert Simon West mit The Mechanic einen ebenso kompromiss- wie schnörkellosen Actionthriller ab, der voll auf seinen Hauptdarsteller Jason Statham zugeschnitten ist. Der Actionfilm ist ungeachtet wehmütiger Reminiszenzen wie Stallones Heroen-Klassentreffen also doch noch nicht ganz tot. Ob Statham aber nun gar „The Last Action Hero" ist, wird erst die Zukunft zeigen. Sollte es so sein, dann kann man sich definitiv einen würde- und ruhmloseren Abgang vorstellen.  

(7,5/10 Punkten)

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