Die Kette der Remakes reißt nicht ab, doch zuweilen ist man für eine Frischzellenkur, primär innerhalb der optischen Aspekte recht dankbar, wie Simon West mit seiner Neuauflage des Actioners „Kalter Hauch“ unter Beweis stellt.
Jason Statham ist in der Rolle des Profikillers zwar nicht so cool wie seinerzeit Charles Bronson, dafür bewegt er sich um einiges agiler.
Arthur Bishop (Statham) hat in Kolumbien soeben einen Gangsterknilch mit tödlicher Wirkung durch den Pool gezogen, da erhält er den Auftrag, seinen langjährigen Mentor Harry (Donald Sutherland) umzulegen. Nach erledigter Arbeit nimmt er dessen Sohn Steve (Ben Foster) unter seine Fittiche und lehrt ihm das unbemerkbare Töten, ohne dass dieser weiß, wer seinen Vater umbrachte…
Die schnellen Schnitte und das versierte Spiel mit morbidem Humor offenbart früh, welchen Weg West mit seinem Remake einschlägt, denn nur selten mäandert er so gelassen vor sich hin wie das Original.
Zwar wiederholt Drehbuchautor Carlino denselben Fehler von damals und vermag nicht plausibel werden zu lassen, warum Bishop plötzlich selbst zum Mentor wird und was die beiden Männer eigentlich miteinander verbindet, doch das Gespann funktioniert mit wenigen Worten und lässt eher Taten sprechen, wofür der Actionfreund in jeder Hinsicht dankbar sein kann.
Nebenhandlungsstränge werden demgegenüber fast ohne Kontext eingebaut, wie der Liebesdienst einer langbeinigen Tänzerin oder was es mit dem Chihuahua auf sich hat, um den sich Schüler Steve einige Zeit kümmern soll. Auch der Plattenspieler in der Hütte der Hauptfigur gibt Rätsel auf und erhält erst ziemlich zum Ende seine tiefere Bedeutung.
Demgegenüber wird die im Kern schlichte Handlung mit einigen schicken und unterhaltsamen Details angereichert, wie die kurze Diskussion über den Einsatz von Adrenalin oder dem ersten Auftragsmord von Steve, bei dem er einen schwulen Hünen diskret ausschalten soll und am Ende einen erbitterten Fight in dessen Wohnung anzettelt.
Hier und da bleiben kleine Schmunzler nicht aus, wenn perfekt durchorganisierte Auftragsmorde aus der Bahn geraten oder eben dermaßen ins Hanebüchene abdriften, dass bestimmte Ereignisse unwahrscheinlich werden.
Entsprechend kommen eine Menge grob kalkulierter Aspekte zusammen und das Timing und Auffinden einiger Hilfsmittel wie ein langes Seil (in zweifacher Ausführung) erinnert schon stark an einige James Bond Kapriolen, doch dafür ist Krawumms im Spiel, welches von zackigen Schusswechseln über Verfolgungsjagden (auch mit Bus und LKW) bis hin zu gut geschnittenen Prügelszenen reicht.
Ein Schwachpunkt stellt zwar die vage Figurenzeichnung der Hauptfiguren dar, aber im Action-Bereich kann eine Menge kaschiert werden.
Auch der Showdown untermauert den Zynismus in Sachen Planung und Kalkulation, als es an einer Tankstelle knallt und der Mechaniker seine zweideutige Bewandtnis erfährt.
Jason Statham ist also erneut in seinem Element als wortkarger Fighter und eiskalter Einzelgänger, obgleich er in Sachen Mimik mehr geizt als sonst. Als Sympathieträger ist er allerdings rasch etabliert, was die Sache durchaus mitreißend gestaltet.
Die netten Actioneinlagen sind jederzeit willkommen und die Planungen einiger Morde lassen schlicht gute Laune aufkommen, - ob man nun unerwartet aufliegt und sich einen Weg vom Dach eines Hochhauses suchen muss oder ein ehemaliger Kollege am Flughafen aufgelauert wird, so weiß West stets den adäquaten Ton zu treffen.
Obgleich man ihm anderweitig ein wenig Oberflächlichkeit ankreiden kann, denn gerade als es um Fragen nach Gewissen und abgeschirmter Emotionalität geht, hätte ein wenig Raum für kleine Emotionen durchaus gut getan, als nur ein leerer Blick dem anderen gegenüber.
Ansonsten bietet der Streifen ein grundsolides Remake mit kleinen Mängeln bezüglich Figurenzeichnungen und Nebensächlichkeiten, aber satte Action ohne CGI und ein dankbares Tempo mit viel Bewegung, was im Gesamtbild für einen recht kurzweiligen Eindruck sorgt.
6,5 von 10