Um es vorweg zu nehmen - "The mechanic" ist ein solider Action-Thriller mit einem gewohnt cool agierenden Jason Statham in der Hauptrolle, einem gewohnt unstetem, leicht wahnsinnigen Ben Foster als seinem Widerpart bzw. Partner, gut inszenierten Action-Sequenzen und der gewohnten Spannungskurve. Beginnend mit einem professionellen Attentat der Hauptfigur Arthur Bishop (Jason Statham) als Einführung, kurzer Vorstellung seiner Lebensgewohnheiten, dem naturgemäss folgenden Konflikt, der die bisherige gut funktionierende Konstellation zwischen Auftraggeber und Profi-Killer in Frage stellt, über den Versuch, dem Geschehen eine andere Wendung zu geben, bis zur letztlichen, unabdingbaren Konsequenz des Profis. Wer das von dem Film erwartet, wird zufrieden und gut unterhalten das Kino wieder verlassen.
Interessant wird die Betrachtung von "The mechanic" durch den Vergleich mit dem Original von 1972, mit Charles Bronson als Profi-Killer - weniger hinsichtlich der Inszenierung der Action-Szenen, die einfach zeitgemäss transferiert wurden, als der psychologischen Gestaltung der Hauptfigur. Einen rücksichtslosen Killer in den Mittelpunkt eines Films zu stellen, der zudem von einem beliebten Darsteller verkörpert wurde, war 1972 noch ungewöhnlich, weshalb es gerade dadurch, dass die Neuverfilmung sich in vielen Details bemerkenswert genau an das Original hält, offensichtlich wird, wie unterschiedlich ähnliche Verhaltensmuster vier Jahrzehnte später bewertet werden.
So zeichnet sich Arthur Bishop durch einen erlesenen Geschmack aus, der im 72er Original durch dessen Kunstsammlertätigkeit, im Remake durch ein komplett durchgestaltetes Umfeld betont wird. Stathams Haus orientiert sich an asiatischen Stilelementen, er hört klassische Musik nur von einem analogen Tonträger und restauriert in jahrelanger Arbeit ein Jaguar E-Coupe. Gerade die Wahl des Fahrzeugs steht für einen hintergründigen Luxus, der Klasse ohne den Anflug von Angeberei vermittelt, wie es etwa schon ein Cabriolet verkörpert hätte. Statham, optisch ein schlagkräftiger Typ, den man sich wie in "The expendables" eher auf dem Motorrad vorstellen kann, profitiert von dieser an altmodischen Werten beeinflussten Charakterisierung, während das bei Charles Bronson noch nicht möglich war. Sein elitärer Geschmack betonte seinen Einzelgängerstatus mehr in die Richtung des gesellschaftlichen Außenseiters, Stathams Außendarstellung hat dagegen durchaus Vorbildcharakter.
Das gilt auch für seine Wahl der Prostituierten, bei der er sich regelmässig sexuell auslebt. Sein selbstverständlicher, an eine Beziehung erinnernder Umgang mit der attraktiven Sarah (Mini Anden), lässt keinen Moment den Eindruck entstehen, das Arthur ein Problem mit Frauen hätte oder unter Einsamkeit leidet. Anfang der 70er Jahre war Bronsons Weg zu einer Prostituierten dagegen eine Provokation, da Helden, egal wie fragwürdig sie sonst waren, so etwas nicht nötig zu haben schienen, außer vielleicht als zusätzliches Vergnügen. Das er sich zudem noch Emotionen dabei erkaufte, erzeugte einen zusätzlich psychopathischen Eindruck.
Auch der Arthur der 70er Jahre killte damals schon ausschließlich Persönlichkeiten, die es mehr als verdient hatten. Zeitgemäss genügt es heute nicht mehr, dass es sich um einfache Verbrecher handelt, sondern pädophile und sonstige abartige Neigungen sollen den Unterschied zwischen einem Profi-Killer, der ohne emotionale Befriedigung einfach seiner Arbeit nachgeht, und Männern, die eine Gefahr für Unschuldige darstellen, begreifbar werden lassen, der Arthurs Tätigkeit fast schon einen humanen Charakter verleiht. Und auch wenn Ben Foster vielschichtiger agiert, in seiner Rolle des von Arthur trainierten möglichen Nachfolgers, als Jan-Michael Vincent im 72er Original, so bleibt die Fallhöhe zwischen den beiden Protagonisten zugunsten Arthurs immer spürbar.
Es wird offensichtlich, dass die Figur eines Profikillers heute kein relativierendes psychologisierendes Beiwerk mehr benötigt, wenn dieser in einer Umgebung agiert, in der er ganz offensichtlich noch den anständigsten Charakter darstellt. Ausgehend von Melvilles Charakterisierung des "Eiskalten Engels" bedurfte es Anfang der 70er Jahre noch eines Menschen, der sehr weit außerhalb der bürgerlichen Sozialisation angesiedelt war, nur aus seiner ganz spezifischen Situation heraus gewisse Sympathien gewinnen konnte und nicht als Vorbild taugte. Diese damals notwendige psychologische Gestaltung kann man heute nicht mehr imitieren, aber Stathams Figur fehlt eine zeitgemässe Entsprechung, die über die typische, rein der Unterhaltung dienenden Gestaltung eines "Action-Hero" hinaus geht.
Auch wenn sich das heute kaum noch nachempfinden lässt, aber die Gestaltung der Rolle Bronsons bewies damals einen Mut, der dem Remake völlig abgeht. Stathams Figur kann keinen Moment irritieren, was nicht als Verrat an dem Original zu verstehen ist, da sich der neue "The mechanic" ziemlich genau an die Vorlage hält. Die Sehgewohnheiten, aber besonders die Bewertung ähnlicher Verhaltensmuster haben sich heute so stark verändert, so dass der Arthur des 21.Jahrhunderts andere Charaktereigenschaften benötigt hätte, als noch vor vierzig Jahren, um ähnlich provozieren zu können. Was damals noch neu war, ist heute gewohnt - so wie letztlich der gesamte Film (5/10).