Die Drehbuchautoren als auch der Regisseur hatten die Wahl: Lassen wir die Geschichte in die Folterrichtung tendieren und untermauern, was formal ohnehin schon nach „Saw“ klingt, oder legen wir den Fokus auf die Jagd nach einem Serienkiller.
Man entschied sich für Letzteres, allerdings ohne sonderliche Höhepunkte oder gar Innovationen einzubauen.
Dabei klingt die Prämisse schön fies: Ein junges Mädchen muss wählen, ob sie Mom oder Dad umbringt, ein Pianist entscheidet sich zwischen seinen Fingern und dem Gehör, während ein Model entweder ihre Schönheit oder ihr Augenlicht behält.
Die angehende Journalistin Fiona wird von dem Killer kontaktiert und scheint aus einem bestimmten Grund auserwählt zu sein, während ihr Dad, der ermittelnde Cop Tom, dem Psychopathen stets einen Schritt hinterher eilt…
Regiedebütant Marcus Graves schafft es leider nicht, in den wesentlichen Momenten für die gebotene Spannung zu sorgen, denn wenn jemand nur 60 Sekunden Zeit hat, das vermeintlich geringere Übel zu wählen, ist das an sich eine überaus prekäre Situation. Doch genau diese Szenen werden allenfalls angerissen, Bluttaten lediglich angedeutet und im letzten Fall bekommt man noch nicht einmal die Entscheidung des Opfers mit.
Hauptfigur Fiona entpuppt sich indes zwar als clever und mutig, doch allein das Trauma einer Selbstmord-Mutter reicht kaum aus, um ihre Figur sonderlich interessant erscheinen zu lassen, zumal ihr soziales Umfeld äußerst überschaubar ist.
Im Zusammenspiel mit ihrem Dad und dessen Kollegen gibt es immerhin ein paar sympathische Momente, doch gegen Finale überwiegt auf allen Seiten irrationales Verhalten, - da werden so manche Entscheidungen mit Kopfschütteln des Betrachters quittiert.
Ein weiterer Schwachpunkt der Geschichte ist der eher profillose Killer, den man erst zum Showdown zu Gesicht bekommt. Ihm mangelt es an Charisma, er wirkt zuweilen reichlich impulsiv und handelt, trotz aller peniblen Vorkehrungen und feinster Planungen, unangemessen emotional, was lediglich während des finalen Aktes nachvollziehbar ist.
Da können auch zwei kleine Twists kaum über die mangelnde Motivation des Schlächters hinwegtäuschen, denn der Typ wird als grundlegend böse charakterisiert, wenn Adoptiveltern den aggressiven Knaben im Alter von drei bereits wieder zurück in die staatliche Obhut geben.
So forscht Fiona einige Male in der Bibliothek nach, ermittelt die Herkunft eines Symbols an den Tatorten, befragt gemeinsam mit Dad einen leicht debilen Professor (Bruce Dern), eine (stimmungsvoll gefilmte) morbide Wohnung wird inspiziert und man kehrt zu dem Tatort zurück, an dem sich Fionas Mutter vor drei Jahren das Leben nahm.
Dazwischen taucht der Täter immer einige Zeit ab und gibt zunächst wenig Aufschluss über die Wahl seiner Opfer, bis man anhand eines Barcodes einer heißen Spur nachgehen kann.
Leidlich spannend gestaltet sich der Ablauf, der den üblichen Pfaden des Serienkiller-Thrillers folgt und dabei wenige Bemühungen offenbart, mit visuellen oder gar erzählerischen Kniffen zu operieren.
Darstellerisch ist das okay, vom Erzähltempo her auch, doch der mitreißende Funke will nicht so recht überspringen, weil „Choose“ eben nicht mehr verkörpert, als einen austauschbaren, wenn auch nicht gänzlich langweiligen Streifen ohne markante Momente.
5 von 10